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"Jack-Jack Superbaby" erzählt einen Nebenstrang aus "Die Unglaublichen", der in diesem Hauptfilm nur angeschnitten wurde und lediglich über eine Telefonleitung zum Ausdruck kam. Es geht darum, dass das unscheinbare Baby Jack-Jack scheinbar das einzige normale Kind in einer Familie von Superhelden ist. Während diese aber gerade in ihrem Einsatz ist (der im Hauptfilm erzählt wird), macht Jack-Jack unter Aufsicht des hibbeligen, zahnspangentragenden Teenager-Babysitter-Mädchens eine Entwicklung durch, die daran zweifeln lässt, ob Jack-Jack wirklich "normal" ist...

Konzeptionell bekommt man eine höchst unterhaltsame Slapstick-Parade geboten, die nicht zufällig an Warner-Cartoons wie "Roadrunner" oder "Bugs Bunny", vor allem aber an die Shorties von "Roger Rabbit" erinnern. Bei letzterem sind die Parallelen nicht nur von der Konzeption her, auch inhaltlich verblüffend ähnlich: jeweils geht es darum, dass ein Aufseher trotz seiner grundsätzlichen Kompetenz regelmäßig in die absurdesten Situationen gerät, weil das zu sittende Baby übermäßig hyperaktiv ist. Bei "Roger Rabbit" beruhte diese Hyperaktivität noch auf der Mischung von der natürlichen Baby-Neugierde und den zahlreichen gefährlichen Elementen der Umgebung - sei es die Küche mit all ihren Geräten, ein Wald mit all seinen Gefahren oder eine Achterbahnfahrt mit all ihren Höhen und Tiefen. Bei "Jack-Jack Superbaby" geht die Gefahr gemäß der Superhelden-Thematik lediglich von dem Baby selbst aus, das gerade seine ersten Erfahrungen mit den eigenen Superkräften macht. Besonders lustig wird die Angelegenheit, weil Jack-Jack noch keine Gewalt über seine Kräfte hat und diesen unkontrolliert freien Lauf lässt - und die milchgesichtige Babysitterin ist sichtlich überfordert.

Alleine die Variation der Möglichkeiten, die sich dem Baby mit seinen Kräften bieten, sowie das Zusammenspiel zwischen den beiden witzig animierten Hauptfiguren kann schon überzeugen. Ein Brüller ist es, wie die Feuerstöße und Blitzschläge für die Babysitterin irgendwann zur Routine werden und sie diese abgeklärt, aber todmüde abwehrt. Und die


(SPOILER ZU "DIE UNGLAUBLICHEN")
letztendliche Übergabe des Babys an Syndrome verläuft dann auch weitaus freiwilliger als gedacht.
(SPOILER ENDE)


Was aber wirklich faszinierend ist an diesem Kurzfilm, ist die Interaktivität bzw. die Dreidimensionalität in bezug auf "Die Unglaublichen". Fast schon ist es eine Parabel auf den Animationsfilm an sich sowie auf die Interaktivität neuer Medien wie dem Internet. Und zwar ist der Umstand gemeint, dass eben eine dünne akustische Verbindung über die Telefonleitung aus dem Hauptfilm wieder aufgegriffen wird und im Hintergrund eine eigene kleine Nebengeschichte weitergesponnen wird. Das erzeugt eine Art "Hinter den Kulissen"-Stimmung und verführt zu dem Gedanken, dass "Die Unglaublichen" eben nicht nur aus den 111 Minuten besteht, die man auf dem Bildschirm sieht, sondern dass dahinter ein ganzes Universum steckt, eine eigene kleine Welt. Das ist der Anspruch, den Pixar hat und der sicherlich auch einen gewissen Anteil am Erfolg hat. Zuvor verwendete man zu diesem Zweck die gefakten Deleted Scenes und Patzer, die am Ende von "Toy Story", "Toy Story 2", "Das Grosse Krabbeln", "Die Monster AG" und "Findet Nemo" auftauchten. Natürlich sind sie gefakt, wo auch solche Szenen doch einen riesigen Zeitaufwand am Rechner benötigen und daher der Spontaneität widersprechen, die solche Patzer wiederspiegeln sollen. Der Gedanke daran ist einfach, das Universum über die eigentliche Screentime hinaus weiterzustricken. In "Die Unglaublichen" fehlen die Szenen im Abspann. "Jack-Jack Superbaby" ist dafür ein überaus gelungener Ersatz.

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