„Garv – Stolz und Ehre“: Ein überambitionierter Actionfilm mit moralischem Holzhammer
Garv – Stolz und Ehre versucht, vieles auf einmal zu sein: ein knallharter Polizeithriller, ein politisches Drama, eine Geschichte über Loyalität und Verrat, und am Ende ein emotional aufgeladenes Familienschicksal. Was auf dem Papier wie ein vielschichtiges, packendes Actiondrama klingt, wird auf der Leinwand jedoch zu einem überladenen und stellenweise ermüdenden Film, dem es an erzählerischer Balance mangelt.
Salman Khan spielt den aufrichtigen Polizisten ACP Arjun Ranawat, der wegen 18 Morden vor Gericht steht. Der Film springt daraufhin in eine umfangreiche Rückblende, die erklärt, wie es zu dieser Situation kam. Die Geschichte entfaltet sich dabei in einem schier endlosen Netz aus Mafia-Strukturen, politischer Korruption, Polizeigewalt und persönlicher Tragödie. Leider verliert sich die Handlung immer wieder in überlangen Dialogen, reißerischer Inszenierung und klischeebeladenen Nebenfiguren.
Während Salman Khan mit gewohnter Intensität agiert und Arbaaz Khan als sein Partner Hyder Ali emotionale Tiefe einbringt, bleiben viele andere Charaktere blass oder überzeichnet. Besonders schade ist, dass weibliche Figuren wie Shilpa Shettys Rolle kaum zur Handlung beitragen und fast nur dekorativ wirken.
Der Film glorifiziert Polizeigewalt in Form von sogenannten „Encounter-Killings“ und zeichnet ein stark vereinfachtes Bild von Gut und Böse. Die Bösen sind extrem böse, die Guten extrem gut – vielschichtige Grautöne sucht man vergeblich. Die finale Enthüllung eines brutalen Verbrechens an Arjuns Schwester soll für emotionale Wucht sorgen, wirkt aber eher kalkuliert und manipulativ.
Technisch ist der Film solide – die Action ist kompetent umgesetzt, die Musik dramatisch und laut, wie es in Bollywood-Produktionen dieser Zeit üblich war. Dennoch zieht sich der Film mit seiner Überlänge von über zweieinhalb Stunden und einer Fülle an Erzählsträngen unnötig in die Länge.
Garv – Stolz und Ehre ist ein typisches Produkt des frühen 2000er-Bollywood-Kinos: laut, pathetisch, moralinsauer. Wer Salman Khan in einer Rolle als kompromissloser Polizist sehen will, bekommt hier ausreichend geballte Faust-Justiz. Doch wer eine differenzierte Handlung oder eine kritische Auseinandersetzung mit den Themen Korruption und Polizeigewalt erwartet, dürfte enttäuscht werden. Der Film hat Potenzial – doch leider verliert er sich zu oft in Übertreibung statt in Tiefe.