Review

Manchmal wünscht man sich, man hätte auf ein Wiedersehen verzichtet, so groß ist die Enttäuschung. Damnation Alley, mein Gott, was war der Film doch toll, damals, irgendwann Anfang der 1980er-Jahre, als der leicht zu beeindruckende Stöpsel (c'est moi) vor dem Fernsehapparat das Geschehen mit offenem Mund und großen Augen verfolgte. Dreißig Jahre später: die brutale Ernüchterung. Das kann doch unmöglich derselbe Film sein, den ich anno dazumal gesehen habe. Wo ist denn die famose Action hin? Oder die atemlose Spannung? Die beklemmende Endzeitatmosphäre? Und wo sind die gräßlichen Monstren, die das Blut in den Adern gefrieren ließen? Nun, das alles ist natürlich noch da, als nostalgisch verklärte Erinnerung im Gehirn abgespeichert. Die Realität sieht leider anders aus. Ganz anders.

Damnation Alley basiert lose auf dem gleichnamigen Roman des amerikanischen Autors Roger Zelazny (*); so lose, daß der Schriftsteller nach Sichtung des Filmes angeblich stocksauer war und mit dem Ergebnis nicht mehr in Verbindung gebracht werden wollte. Wer das Buch gelesen und die Verfilmung gesehen hat, kann seinen Ärger vermutlich gut nachvollziehen. Nach dem dritten Weltkrieg ist der Großteil Amerikas ein zerstörtes, radioaktiv verseuchtes, wüstenähnliches Ödland, in dem mutierte Tiere ihr Unwesen treiben und das Wetter verrückt spielt, da sich aufgrund der vielen Detonationen die Erdachse verschoben hat. Mit einem gepanzerten Supertruck, dem Landmaster, machen sich Major Eugene Denton (George Peppard, The A-Team), Leutnant Tom Perry (Kip Niven, Magnum Force), Tanner (Jan-Michael Vincent, Airwolf) und Keegan (Paul Winfield, The Terminator) auf die Reise nach Albany, da aus dieser Gegend Funksignale aufgefangen wurden. Unterwegs auf der "Straße der Verdammnis" treffen unsere Helden auf das Showgirl Janice (Dominique Sanda, Cabo Blanco) sowie den verwilderten Jungen Billy (Jackie Earle Haley, der neue Freddy Krueger in einer frühen Rolle), müssen sich aber auch mit fleischfressenden Kakerlaken, böswilligen Hinterwäldlern und gigantischen Stürmen herumschlagen.

Damnation Alley ist schlicht und einfach kein guter Film, allerdings ist das gar nicht das große Problem. Das Hauptproblem ist, daß er furchtbar lahm ist und daß trotz einer Laufzeit von nur neunzig Minuten des öfteren Langeweile aufkommt. Die nicht uninteressante Geschichte hangelt sich von einem Set-Piece zum nächsten, wobei besagte Set-Pieces - mit einer Ausnahme - so unspektakulär, uninspiriert, und zum Teil noch dazu richtig schlampig inszeniert wurden, daß einfach keine Laune aufkommen will. Schon die erste "große" Szene nach den zugegebenermaßen spektakulären Atomexplosionen (bei denen es sich um Archivmaterial echter Atomtests handelt) weist den Weg ins Verderben. Wenn Tanner mit seinem Motorrad völlig sinnlos zwischen unfaßbar schlecht einkopierten Riesenskorpionen, die in etwa so bedrohlich sind wie ein schlecht gelauntes Meerschweinchen, herumkurvt, dann weiß man nicht, ob man lachen, weinen, oder schreien soll. Damnation Alley hat angeblich siebzehn Millionen Dollar gekostet (das war damals verdammt viel Geld), und dann verärgert man das Publikum mit Riesenviechern, die schlechter getrickst sind als Bert Gordons Riesenspinne in Earth vs. the Spider fast zwanzig Jahre zuvor? Unglaublich. Die Spezialeffekte der weiteren Set-Pieces sind immerhin deutlich besser; vor allem die Kakerlakensequenz in Salt Lake City und die optischen Effekte der elektrischen Stürme sind recht ansehnlich und lassen doch noch auf einen versöhnlichen Abschluß hoffen. Doch dann kommt das Ende und gibt dem Streifen endgültig den Rest.

Damnation Alley startete im selben Jahr in den Kinos wie der wesentlich billigere Star Wars, und zwischen diesen Filmen liegen nicht Welten, sondern ganze Galaxien (und nein, ich bin kein Fan der Sternenkriegssaga). Und trotzdem mag ich dieses dröge Big-Budget-Debakel aus dem Hause 20th Century Fox irgendwie. Der Landmaster, der eigens für den Film gebaut wurde und schlanke dreihunderttausend Dollar kostete, ist ein cooles Gefährt, die Besetzung ist großartig (wenn auch völlig unterfordert), Jerry Goldsmiths Score ist ziemlich gut, die optischen Tricks sind zum Teil beeindruckend, und die bissigen Kakerlaken sind ein echtes Highlight. Schade, daß es Regisseur Jack Smight (The Illustrated Man, Airport 1975, Midway) nicht verstand, dem Geschehen Spannung, Dramatik oder Energie einzuhauchen. Und so dümpelt die Handlung lustlos vor sich hin und macht das postapokalyptische Road-Movie bestenfalls als großbudgetierten Trash mit hohem Gähnfaktor goutierbar. Ein zähes Vergnügen, da hilfst selbst die größte Nostalgiebrille nichts.

(*) Im Zentrum von Roger Zelaznys Roman Damnation Alley (ursprünglich eine 1967 geschriebene Kurzgeschichte, die 1969 erweitert wurde) steht der etwa 25jährige Hell Tanner, ein Mörder, Dealer, Vergewaltiger, Nazi-Sympathisant und ehemaliger Anführer der Hell's Angels. Der egoistische, rücksichtslose Einzelgänger, der sich keinen Deut um seine Mitmenschen schert, wird von der Regierung vor die Wahl gestellt: entweder nimmt er an einem wahren Himmelfahrtskommando teil, oder er wandert zurück ins Gefängnis, mit Aussicht auf einen Kurzaufenthalt in der Gaskammer. Tanner entscheidet sich für ersteres, und so nimmt das Abenteuer - das knapp 30 Jahre nach einem verheerenden Atomkrieg spielt, in dessen Verlauf ganze Städte ausradiert und der Großteil der Erde verwüstet wurde - seinen Lauf. In drei gepanzerten, strahlensicheren, gut bewaffneten Trucks machen sich Tanner und vier weitere Männer auf, einige Kisten Haphikin-Antiserum von Kalifornien nach Boston zu liefern, denn in Boston wütet eine schreckliche Seuche, und ohne Serum gehen die Menschen dort elendig zugrunde. Die Fahrt entlang der "Straße der Verdammnis" ist eine Reise durch eine bizarre Alptraumlandschaft mit verrückt spielendem Wetter und gefährlichem Getier, wo hinter jeder Kurve der Tod lauern kann. Riesige Gilatiere, übergroße Fledermäuse, gigantische Windhosen, Wegelagerer, Wahnsinnige, und Rockerbanden machen unserem Antihelden das Leben schwer.
Eine literarische Meisterleistung ist der Roman bestimmt nicht ("Riesige Fledermäuse gaukelten über ihnen, tanzten in schwarzen Wolken vorbei."), aber er ist vieles, was der Film nicht ist. Z. B. ist er flott geschrieben, actionreich, nicht unspannend, dramatisch und - vor allem - ziemlich unterhaltsam. Tanner mausert sich im Laufe der Reise vom menschlichen Abschaum zum Antihelden wider Willen, wird sogar so sympathisch, daß man als Leser mit ihm mitzufiebern beginnt (vor allem im letzten Drittel). Zelazny schreibt kurz, knapp und temporeich, als ob er den Roman ebenso schnell schreiben wollte wie Tanner mit seinem Truck dahinrauscht. Er verzichtet auf lange, detaillierte Schilderungen, schafft es aber dank seiner bildlichen Sprache trotzdem, eine unwirtliche, postapokalyptische Atmosphäre zu kreieren. Das abrupte Ende wird wahrscheinlich vielen mißfallen; ich aber denke, daß es gut zum Gesamtkonzept paßt. Damnation Alley ist gewiß kein Meisterstück, aber eine dermaßen mißlungene Verfilmung hat dieser Roman echt nicht verdient. Deshalb plädiere ich für ein Remake. Das würde hier ausnahmsweise einmal Sinn machen.

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