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Kinji Fukasaku gehörte zu den alteingesessenen Actionregisseuren Japans und konnte 2000 mit „Battle Royale“ noch mal international Aufsehen erregen. Seine Werke der 90er wie z.B. „The Triple Cross“ hingegen fielen schnell der Vergessenheit anheim.
Der Einstieg zeugt aber vom Können des Altmeisters, der die Vergangenheit der drei Gangster Kanzaki (Kenichi Hagiwara), Imura (Renji Ishibashi) und Shiba (Sonny Chiba) einführt, die mit einer dreisten Raubüberfallserie reich wurde. Dabei erzählt Fukasaku dies vor allem über Zeitungsartikel, gepaart mit kurzen Rückblendenfetzen, was schon ein recht stilvoller Auftakt ist. Jahre später hat das Trio allerdings nur noch den Ruhm der Überfälle übrig, von dem erbeuteten Geld allerdings reichlich wenig.
Der berühmt-berüchtigte letzte Coup soll wieder Geld in die Kassen spülen, doch der jugendliche Organisator will das Altherrenduo abknallen, als man weniger Geld als erwartet erbeutet. Imura stirbt, Shiba wird verletzt, doch Kanzaki sucht nach dem Dieb...

Was Kinji Fukasaku hier auf den Zuschauer loslässt ist schon ein wilder Mix aus Gangsterfilm und Actionreißer, dem es jedoch völlig an klarer Linie und Kohärenz fehlt, was man schon an den Figuren sieht. Gerade das durchgeknallte Liebchen von Shiba ist mal eiskalt, mal ausgeflippt und mal naiv verliebt, ohne dass man sie wirklich einschätzen kann, bei anderen Figuren findet sich dies in weniger extremer Form wieder. Doch allein solche Meinungsumschwünge treiben „The Triple Cross“ noch ansatzweise voran, denn ansonsten ist die Jagd nach der Beute wenig aufregend. Guter Gangster und böser Gangster schießen sich, ein kleines Syndikat mischt auch irgendwann mit und am Schluss sind fast alle tot – mehr an Handlung ist nicht drin.
Für den Actionfreund hat „The Triple Cross“ auch ein paar nette Szenen zu bieten, gerade das Shoot-Out in der Lagerhalle macht was her und auch die Verfolgungsjagden sind wirklich temporeich in Szene gesetzt. Leider kann man das nicht von jeder Auseinandersetzung behaupten; lächerlich wirkt z.B. die Szene, in welcher der alte Kanzaki ein ganzes Büro voller junger, tougher Geldeintreiber aufmischt. Auch der Showdown weiß nur bedingt zu gefallen: Er ist einfach keine Steigerung zum vorher Gebotenen und sticht daher als Abschluss nicht genug heraus.

So kann lediglich Fukasakus Inszenierung hier und da Akzente setzen, denn gelegentlich schimmert das große Talent des Filmemachers in dem eher öden Treiben durch. Gerade die asiatischem Hardrock unterlegten Szenen wirken ungeheuer dynamisch, gelegentlich gibt es auch ein paar visuelle ausgefallenere Szenen wie z.B. den erwähnten Vorspann, doch leider sind solche Momente zu dünn gesät, um „The Triple Cross“ dann wirklich noch rauszuhauen.
Darstellerisch kommt „The Triple Cross“ ebenfalls durchwachsen daher. Kenichi Hagiwara als alter Haudegen ist definitiv eine Bank und liefert eine wahrlich überzeugende Performance ab. Sonny Chiba ist hingegen verschenkt, verbringt er doch den größten Teil seiner Screentime einfach nur damit angeschossen herumzuliegen. Bei den restlichen Darstellern stört hingegen der Hang zum overacten, was einigen Szenen leider Ernst und Glaubwürdigkeit raubt.

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass ein fähiger Regisseur und einige gute Actionszenen noch keinen überzeugenden Reißer garantieren: „The Triple Cross“ hat seine Momente, leidet aber an dem öden, lieblos zusammengeschriebenen Script und dem fehlenden Spannungsbogen. Unterer Durchschnitt, trotz seiner Vorzüge.

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