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Die beiden Seeleute Chai Yung Hang [ Yu Rong Guang ] und Li Chun Sheng [ Robert Mak ] haben für den Gangsterboss Brother Tai [ Ken Tong ] geschmuggelt, aber wollen nun zugunsten ihrer Familien aussteigen. Tai tötet Li und versucht es auch bei Chai, aber dieser kann mit den erwirtschafteten 6 Millionen fliehen. Die eingeschaltene Polizei unter Madam Ho Jin Chi [ Choi Hiu-Yee ] begibt sich auf die einzige Spur, ein Brief vom Chais Sohn an seinen Vater, an dessen Schule in Sungchiang, China, um unter den ganzen Kindern den Absender ausfindig zu machen. Dazu benötigt sie die Unterstützung des ortsansässigen Polizisten Captain Shen [ Cheung Gwok Keung ]...

Kleine Überraschung.
Das hatte man ja nun nicht erwartet, dass ein weitgehend unbekannter Film mit keinerlei vorauseilenden Ruf und den Zutaten no – name Regisseur, kaum aufsehenerrgende Besetzung sowie der Platzierung in die C – Actionschiene eines eher missglückten Jahrganges sich derartig gelungen präsentierte; quasi nichts versprach und dann die Erwartungen übertrifft.
Zumindest auf seinem Sektor macht man nicht nur alles richtig, sondern zeigt sich auch öfters offensiver als gewohnt; fährt mehrere Szenen auf, mit denen man aus Erfahrung des Genres zu dem Zeitpunkt gar nicht mehr gerechnet hätte und deswegen umso dankbarer dafür ist.

Eingestiegen wird gleich mit zwei guten Tatsachen: Erstens dass man offensichtlich das richtige Auge für scheussliche Locations hat, was ein absolutes Muss für den Sektor ist. Sicherlich kann man auch so tun, als ob man nichtvorhandenes Geld hätte und sich mit “Villen” etc umgeben, aber sowas wirkt meist nur lächerlich und bekommt man in den big budget Filmen ja sowieso eh geboten. Also wendet man sich zumeist an Verladehäfen, Schrottplätzen, Parkplätzen, Warenspeichern oder gleich wie leergebombten Ruinen; dass verleiht dann auch erst das richtige Flair.
Gemäss des Titels befindet man sich dann zu Beginn auf einem Schiff, dass zwar noch im Hafen liegt, aber allein vom Aussehen auch nirgendswo anders hingehört. Schon gar nicht auf hoher See, wo es auch keine 2min überleben würde. Der Zustand des Bootes ist nämlich offensichtlich so verranzt, dass es wirklich nur noch für eine Sprengung geeignet ist, was nach einer ausführlichen Schiesserei in und ausserhalb dieses Schmuckstückes auch passiert.
Bereits hier darf man durchaus erstaunt sein über die Ausschweifung, die allein dieser Einstieg bekommt; man steigert sich immer weiter hinein und fährt dann sogar die grösseren Einlagen mit richtigen Stunts und echten Detonationen auf, wonach andere Produktionen nicht mal mehr ansatzweise aussahen. Was dann hauptsächlich der zweite Grund ist, warum der Film mehr bietet als viele andere seiner Art.

Nach dieser Eröffnung auf dem nautischen Äquivalent einer schuttreifen Lagerhalle, dem Synonym für das Genre, wird dann auch schnell klar, dass die Szene allein keine Eintagsfliege war und man nicht hier bereits jegliches Etat verausgabt hat.
Für das Skript war sogar auch noch etwas über; sicherlich bekommt man kein druckfrisches Exemplar des nächsten Blockbusters vor den Augen, und der Plot ist bestenfalls Brauch, aber der Autor beherrscht das Wechselspiel zwischen konturhafter Andeutung und detailgenauer Ausarbeitung seiner Geschichte. Man tritt nicht alles breit oder setzt die Figuren – bis auf eine Sache - gar zügellosen Dialogen aus, sondern konzentriert sich auf den Fortgang, ohne dass die Übersicht auch nur ansatzweise in Gefahr ist. Offenkundig sind vorher schon einige Dinge passiert, die die Reflexkette bereits losgetreten haben; man kann sich zwar denken, was geschehen ist, aber bekommt die Einzelheiten trotzdem später nachgereicht.

Dafür reicht dann auch ein kompakter Rückblick, der vornehmlich sowieso darauf abzielt, die nächste Klopperei einzubringen anstatt das Tempo mit Nichtigkeiten zu verzögern. Sowieso muss man sich angesichts der Fülle und Umsetzung derartig eingeworfener Szenen fast wundern, wo die finanziellen Mittel dafür herkamen; sicherlich gehört es allein von der schmuddeligen Optik beileibe nicht auf die grosse Leinwand, aber ein besseres Produktionsvolumen oder der Umgang damit als normalerweise üblich ist sehr wohl gegeben. Kein DTV – Ramsch. Immer werden die Szenen weiter getrieben als man erhofft hat; mittendrin erfolgt eine out of nowhere Einlage mit einem amokfahrenden Laster plus anschliessender Turnerei auf einem einstürzenden Bambusgerüst, was für die Fortführung der Handlung absolut keinerlei Bewandtnis hat, aber immer herzlich willkommen ist.
Kaum Grund zu Meckern also, zumal zwischendurch auch der perfekte Schauplatz für den billigen Actionreisser schlechthin geboten wird: Ein abbruchreifes, grossräumiges, ausgehöhltes Gebäude mit mehreren verwinkelten Treppen, für das sich jeder Locationsscout die Finger geleckt hätte; zu besseren Zeiten hatten sicherlich die Architekten auch ihre Freude daran.

Bei der Narration selber kann man sich auf einige altgediente und auch bewährte Schauspieler verlassen, die das ganze Umfeld mit ihrer Anwesenheit sogar etwas adeln. Funktioniert hätte es sicherlich auch ohne bekannte Gesichter, aber die Anwesenden – Ausnahme Diana Pang – gehören nicht nur zu den glorreicheren Zeiten, sondern können auch durchaus schauspielern; zwischenzeitliche Aspekte einer etwas feinfühligeren Angelegenheit mit einem Halbwaisen werden so ohne grosse Probleme transportiert.
Fragen stellen sich nur bei einigen wenigen Einzelheiten auf; wieso zum Beispiel die beiden Polizisten ständig vom „kommendem 1997“ referieren, wenn das Herstellungsjahr bereits 1998 angibt. Auch die Ermittlungsmethoden von Madam Ho mit dem Einschleichen als Lehrerin in die Schule sind sicherlich nicht astrein; die Kinder werden in hartnäckiger Manier bei Ballspielen nach den Tätigkeiten ihrer Eltern ausgefragt, wobei es da auch zu verblüffenden Schlüssigkeiten kommt: „My parents sell pork. I love pork most, so I‘m fat.“

Missbilligen muss man nur, dass im 3ten Akt zu sehr eine Botschaft injiziert werden soll, die zudem noch leicht bieder herüberkommt, auch wenn man mit „Verbrechen lohnt sich nicht“ durchaus recht haben sollte. Der Moralapostel und die Hinführung zu einem Vater – Sohn – Drama nehmen zwischenzeitlich auch das Tempo heraus; der mit 10min Ausdehnung zu Buche schlagende Showdown versucht es dann auf die Knallharte, diese Verzögerung wieder gutzumachen. Leider wird hierbei keine extravagante Steigerung mehr gebracht, so dass die zweite Hälfte grundsätzlich weniger euphemistisch abschneidet als die erste.

Die Regietätigkeit von Chun Lok hätte man in ähnlichen Werken dann trotzdem gerne weiterverfolgt, aber es sollte seine einzige Beschäftigung im Filmbusiness bleiben. Schade eigentlich.

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