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Lebhaft kann ich mich an die Auswirkungen des Tschernobyl Unfalls auf unseren Alltag erinnern. "Atomkraft? Nein danke!" war in diesen Tagen eine auf berechtigtem Bedenken begründete Parole. Still und leise geht es dagegen heute zu, wenn trotz mangelhafter Anlagen - übrigens auch in Deutschland - die letzten Grünen mit der Auffassung, daß es nicht ohne die Kernenergie ginge, ja alternative Energien sogar Geldverschwendung für die Konzerne wären, allein auf weiter Flur Paroli bieten.

Noch bevor die seit jeher mit Unfällen behaftete Energiegewinnungsform ihre, dem Zeitgeist entsprechend, anwachsende Gegnerschar mit neuem, brisantem Zündstoff versorgte, produzierte Michael Douglas 1979 mit Regisseur James Bridges den mit wenig Gekrache auskommenden Katastrophenthriller Das China - Syndrom. Das titelgebende GAU - Szenario beschreibt landläufig die Annahme, daß bei einem Unfall mit Kernschmelze die Brennstäbe aus den USA direkt durch die Erde bis nach China wandert. Dies ist physisch natürlich nicht möglich. Die Folgen einer solchen Katastrophe wären dennoch fatal.

Die Reporterin Kimberly Wells (Jane Fonda) befindet sich mit ihrem Kameramann Richard Adams (Michael Douglas) in einem kalifornischen Atomkraftwerk, als die harmlose Berichterstattung von Erschütterungen unterbrochen wird. Schnell bringen sie das ohne Wissen des Personals gedrehte Material zum Sender, um dessen Quote mit brandheissem Exklusivmaterial auf die Sprünge zu helfen. Doch das Band verschwindet im Tresor. Die Kraftwerkbetreiber stehen kurz vor der Eröffnung einer weiteren Anlage und werden mit der alten erstaunlich schnell geprüft wieder ans Netz gehen.

Der Atomkraftgegner Adams stiehlt das Filmmaterial, um von Experten im Gebäude einer Anti-AKW-Organisation zu erfahren, daß dies kein harmloser, alltäglicher Defekt war, wie es der Angestellte Jack Godell (Jack Lemmon) Kimberly weißmachen wollte, sondern die akute Gefahr eine Kernschmelze bestanden hatte. Doch auch Godell macht unterdessen eine Entdeckung. Die Röntgenbilder der Schweißnähte des Kraftwerks zeigen alle die selbe Aufnahme - sie wurden gefälscht. Aus finanziellen Gründen stößt er mit seinen Bedenken jedoch auf taube Ohren.

Ganz ruhig, unter Ausschluß der Öffentlichkeit nimmt Das China - Syndrom mahnend den sorglosen Umgang der nur aufs Kapital bedachten Industrie mit der Gefahr und die mit der Unterstützung beugsamer Medienorgane vertuschend umgehbaren hohen Sicherheitsstandarts aufs Korn. Ganz am Rand werden gar noch Gleichberechtigungsprobleme gegenüber der weiblichen Reporterin erwähnt. In der einfachen Subtilität kommt eine echte Endzeitstimmung zu kurz. Ein wenig mit Nebensächlichkeiten gestreckt, wirkt der Film an manchen Stellen nicht spannungsfördernd. Doch der Wahrheitsgehalt dieser Message läßt über den konstruierten Fall hinwegsehen.

Kurz nach dem Kinostart kam es zu einem Unfall im Kraftwerk Three Mile Island, weitere sollten folgen. Besonders aber bei der Brisanz im Umgang mit den in die Jahre gekommenen Meilern hat Das China - Syndrom alles andere als an Aktualität verloren. Und deshalb sollte er auch gesehen werden. Im Gedanken, daß die gezeigten Probleme bittere Realität sind.

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