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Rodeo, Rhythmus & Redneckromantik

Was macht einen Cowboy zum Cowboy? Was einen Ladies Man zum Ladies Man? Den Mann zum Mann? Den Mensch zum Mensch? Was trennt den Helden vom Loser? Was die Spreu vom Weizen? Die 70er von den 80ern? Den wilden Westen von der Großstadt? Den Betondschungel vom Seelendickicht? „Urban Cowboy“ ist hinter seiner schwitzig-kitschigen Melodramafassade ein äußerst vielschichtiger bis philosophischer Film. Und es stößt überhaupt nicht übel auf, dass er dermaßen zwischen einigen gegensätzlichen Stühlen sitzt. Die Jeans reißt nicht. Erzählt wird über einen „Jungen“ vom Land, der in der großen Stadt ankommt und sich dort die Feierabende in einer Bar mit Drinks, Frauen, Linientänzen und „Bullenreiten“ verreibt…

Country war selten sexier

Es wird getanzt und geritten, gestritten und geprügelt, gebumst und gesoffen. „Urban Cowboy“ hat von „Easy Rider“ gelernt und „Road House“ inspiriert, „In The Heat of the Night“ studiert und „Top Gun“ beeinflusst. Das sollte man nicht als selbstverständlich ansehen. Einer der ultimativen und entscheiden „Barfilme“. Von Männlichkeit und Romantik, von Träumen und der Zerstörung dieser, von Amerika und dessen Klischees. Schmierig, ölig, gefährlich. Oft am Rand zur Parodie, zur Soap, zur Karikatur. Dann aber doch immer beeindruckend die Kurve kriegend. Travolta ist sensationell. Debra Winger unfassbar attraktiv. Die ansehnliche Lauflänge wird für einige interessante Schlenker genutzt. Naive Dramatik, blutige Fäuste, dicke Eier. Redneckruhm und wahre Liebe. Geschlechterkrampf. Ein Amerika, das man so schnell nicht vergisst. Mythos und Alptraum zugleich. Dreckig, schweinisch, human. Voller Fehler, voller Leidenschaft. Ein grandioser „Jack of many Trades“, wenn’s nach mir geht. Eine ranziges und ganz bezauberndes Relikt. Ein herausfordernder „Datefilm“ - falls jemals einer nach sowas gefragt hat. Bullenreiten, Biergelage, Brautschau, Bilderbuchromantik. Und ein Soundtrack für die Ewigkeit, darf man nicht vergessen. Zumindest wenn man nur geringfügig auf Country steht. 

Balls of Fire

Fazit: der romantischste „Machofilm“ aller Zeiten?! Von mechanischen Bullen, männlichen Muskeln und menschlichen Makeln. „Urban Cowboy“ hat mehrere Subsubgenres zugleich stark geprägt, zeigt Travolta von einer sehr ungemütlichen, verletzlichen Seite und befindet sich irgendwo zwischen New Hollywood und 80er-Kitsch auf einem wilden Ritt. Sinnlich, schwitzig, sensibel und mit einem absoluten All-Timer als Soundtrack. Was für Frauen! Unumgänglicher „Barfilm“!

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