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Von der Freundin verlassen, phlegmatisch veranlagt - was tut man(n) da? Richtig, Rolladen runter, sich auf die Couch fläzen, fernseh gucken und versuchen nervige Freunde schnell wieder loszuwerden. Was Du in so einem Fall tust ist klar. Don Johnston (mit "t") tut das allerselbe. Früher, ja, früher, da war er ein richtiger Mädchenschwarm, ein Gigolo, einer dem die Frauenherzen zugeflogen sind. Aber heute nagt der Zahn der Zeit auch an Don.

Doch war die Vergangenheit wohl doch nicht so ganz ohne Altlasten. Ein rosa Brief verkündet anonym: Don mein Guter, Du bist seit 19 Jahren Papa. Don's Freund und Nachbar Winston scheint das aber mehr zu interessieren als Don selbst - er läßt detektivische Fähigkeiten walten und spürt alle Mädels von damals die als Mutter in Frage kommen auf und schickt Don auf die Reise.

Auf der Reise trifft Don aber nicht nur alte Bekannte und Liebschaften, sondern vorallem sich selbst. Was ist aus ihm geworden? Wie ist es ihm ergangen? Wie hat er sein Leben verbracht in all den Jahren? Jim Jarmusch schrieb ein herrlich romantisches Buch, ruhig, nachdenklich, sanft. Bill Murray paßt da natürlich akkurat hinzu, seit "Lost in Transition" läuft er eh noch mit Autopilot durch die Gegend, bewältigt seine Rolle als Don mit links.

Interessant sind vorallem die Beobachtungen seiner Begegnungen. Da trifft er auf die verführerisch attraktive Tochter Lolita seiner ehemaligen Liebschaft Laura - beide Mädels absolute Männerfallen (Alexis Dziena, Sharon Stone). Wieso ging das damals in die Brüche? Wieso läßt Don nicht offensichtlich vorhandene Gefühle wieder aufleben? Interessante psychologische Komponente, die man immer schwieriger beantworten kann je mehr man sich darüber Gedanken macht.

Oder wir haben Dora, ein ehemaliges Hippiemädchen, heute spießige Immobilienmaklersgattin, offensichtlich kreuzunglücklich. Frances Conroy mimt mal wieder eine Ruth Fisher mit Bravour! Auch die anderen Begegnungen bergen einige Überraschungen für Don - Carmen will nichts mehr von ihm wissen und hat Don völlig abgeschrieben, bei Penny ist wohl noch eine alte Rechnung offen - bloß, welche?

Verschiedene Personen verdrehen Don den Kopf und sein Gemüt - der alleinreisende Junge, der sein Sohn sein könnte, Carmen's Vorzimmerdame (Chloe Sevigny) mit ihrer viktorianischen Art oder Winston's Familienleben. Don ändert sich durch die Reise, kann sein Leben Revue passieren lassen - doch die Auflösung bleibt uns vorenthalten.

Ein interessanter Film, ruhig und behutsam, ansprechend und nachvollziehbar. Doch ähnelt vieles dem schon erwähnten "Lost in Transition" oder auch "About Schmidt". Und: Eine zentrale Aussage fehlt. Hier müsste der Film einfach zehn Minuten länger sein, Don eine Quintessenz aus all dem Geschehenen ziehen - und wenn es nur das ist: alles ist gut so wie es ist und ich kann weitermachen wie bisher. Aber den Zuschauer völlig ins Leere laufen zu lassen ist kein würdiges Ende und nimmt dem Film komplett den Anspruch.

Trotzdem, ein guter Film, der sich im Mittelfeld meiner Beliebtheitsskala bewegen kann.

(5/10)

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