Review

Als Ende der 60er Anfang der 70er Jahre starke weibliche Hauptrollen immer stärker Einzug in den Film hielten, waren es im besonderen 2 Werke die repräsentativ für diese Ära standen. Zum einen Toshiya Fujitas „Lady Snowblood“ und eben Norifumi Suzukis im selben Jahr entstandenes „Sex & Fury“. Letztere gilt nicht umsonst als eines der Aushängeschilder jap. Sexploitations und auch „Sex & Fury“ macht seinem Namen alle Ehre.
Während die Handlung trotz einiger Charakterverwicklungen und halbgarer Dramaversuche (Christina und Shunosuke) über eine mittelmäßige Revengestory nie hinauskommt inszeniert Suzuki sie dafür in wilder Abwechslung zwischen blutigen Kampf und schlüpfrigen Sexszenen. Während erstere zum Teil wirklich sehr gut gelungen sind, besondere Erwähnung muss hier sicherlich gleich der erste größere Fight finden, bei dem die nackte Ocho erst im Haus und dann im idyllisch verschneiten Wintergarten massig Feinde schnetzelt, hapert es mit der Erotik doch etwas. So faszinierend wie es ist, der nackten Ocho dabei zuzusehen wie sie in Zeitlupe im Schnee umhertänzelt und Körperteile regnen lässt, während das Blut ihrer Feinde ihren nackten Körper besudelt, so unerotisch spielen sich die meisten Sexszenen ab. Selbst das vermeintliche Finale, das aus einer lesbischen Vereinigung zwischen Christina und einer Angestellten Kurokawas besteht, die sie für ihren Chef anheißen soll, der derweil genüsslich zuguckt, bleibt gänzlich ohne die sicherlich erhoffte Wirkung. Irgendwie ist bleibt die Inszenierung trotz stimmungsvoller Musik und Weichzeichner einfach zu steif (ha ha) und unnatürlich, wie sie sich Bewegen, wie sie sich Liebkosen, sieht ganz einfach gespielt aus.
Das ist übrigens ein Phänomen, dass den ganzen Film durchzieht. Die „ausländischen“ Darsteller sind alle mies. Allen voran Christinas Vorgesetzter, bei dem ich nur ständig das Gefühl habe das er übertreibt.
Das der Film dennoch über die Lauflänge halbwegs sehenswert bleibt, ist allein Suzukis Talent für Sinn für Ästhetik zu verdanken. Immer wieder bietet er außergewöhnliche Szenen und findet tolle Locations. Angefangen von dem langen Säulengang gleich zu Beginn, über diverse bunt bemalte Papierwände, den aufgehängten und mit dem Projektor angestrahlten Mädchen, bis hin zur Auspeitschung vor bunten Kirchenglasfenstern und vor versammelter, sichtlich angeregter Nonnenschwesternschaft (dem sollte er sich in seinem übernächsten Film „School of the Holy Beast“ auch noch ganz besonders widmen), die auch immer wunderbar fotografiert und präsentiert werden.
Allerdings verrennt er sich für meinen Geschmack hin und wieder auch etwas in dieser Hinsicht. Besonders aufgefallen ist mir dabei die Zoom-Orgie beim Pokerspiel. Sicher, das schnelle heranzoomen auf die Gesichter kann Spannung erzeugen, aber so inflationär eingesetzt nervt es eigentlich nur. Paff auf das eine, Paff auf das anderen, Paff, Paff, Paff, ... einfach zu viel des guten.

Na ja, wie schon gesagt, der Film ist wegen vieler guter Szenen dennoch sehenswert. Die Geschichte allerdings ist höchstens Mittelmaß. Manche shocking Offenbarung ahnt man schon lang vorher (Träger der 3ten Tätowierung) und das Ende ist zwar recht rabiat, aber auch ziemlich kitschig (schon wieder Christina und Shunosuke, deren ganzer Subplot stört mich am Film wirklich am meisten). Dazu darf man natürlich nicht weiter drüber nachdenken wie unfähig scheinbar die Polizei ist, wenn man mal die ganzen Attentatsversuche sieht und wie die immer wieder entkommen können. Na ja, die Polizisten und Leibwächter haben ja auch zum Großteil auch nix besseres zu tun als zu zwanzigst ängstlich um einen Gegner herumzustehen und sich brav einer nach dem anderen abmurksen zu lassen...
Aber längen besser als „Exzesse im Folterkeller“ ist es alle mal. Eben ein mittelmäßiger Film mit gehobener Optik.

Details
Ähnliche Filme