Gott vergibt - Wir beide nie! - Version: 1. Synchro (1969) Langfassung
"Ich kenne beim Pokern nur eine Regel: Jeder spielt für sich allein."
Ursprünglich auch als “Der Hund, die Katze und der Fuchs“ angedachter 'Spaghettiwestern' der Kooperationspartner Italien und Spanien und unter der Leitung von Guiseppe Colizzi; dessen größte bzw. am meisten nachhaltige Leistung in der Karriere schon der Film hier, ein Regiedebüt und die damit begonnene, qualitativ im oberen Mittelfeld befindliche Trilogie aus folgend und direkt vorbereitend noch Vier für ein Ave Maria (1968) und Hügel der blutigen Stiefel (1969) war, und zuvorkommend die Paarung von Bud Spencer und Terence Hill (welcher den verletzten Peter Martell ersetzte), der Entdecker, der auch eigene kommerzielle Erfolge damit verbuchen sollte, nur nicht so langfristig angelegt und für mehrere Generationen ausgelegt. Der Erstere, Spencer, wird hier im (besten, da tonal einheitlich aufgesetzten) Film auch in durchaus bekannter Art und Weise eingesetzt, als Mann der groben Kräfte, der Zweite, der “müde Joe“, wie die Figur zuweilen (neben "Django" genannt wird, geht (abseits einer bereits vorhandenen Akrobatik, einer deutlichen Agilität, einem tänzelnden Gang; der Mann, der die Katzen tanzen ließ) noch einen recht anderen Weg, und er ist auch der einzige der Darsteller, der vor dem Titel genannt wird. Die Tonart ist rau und unerbittlich, es wird auf Rache gesinnt, es wird ein Verrat nicht vergessen oder gar verziehen, es wird keine Disloyalität geduldet und es wird als Folge dessen und den Erlebnissen des letzten Jahres allein vor sich hin gelebt:
Bei einem Überfall auf einen Reisezug aus El Paso nach Canyon City, der auch 300.000 Dollar in Goldmünzen transportiert hat, wurden alle Passagiere und die Eskorte ermordet. Versicherungsagent Hutch „Dan“ Bessy [ Bud Spencer ] vermutet den eigentlich als tot geltenden Gangsterführer Bill San Antonio [ Frank Wolff ] als Verursacher, und wendet sich deswegen und zusätzlich als Hilfe an Cat „Django“ Stevens [ Terence Hill ], der allerdings auch Stein und Bein schwört, San Antonio in einem von diesem herausgeforderten Streit erschossen zu haben. Erst das Gespräch mit u.a. dem Gangsterliebchen Rose [ Gina Rovere ] bringt ihn ins Zweifeln.
Es geht nicht um ein Trio, es geht um drei Einzelgänger, einzig die Rolle des Spencer sucht tatsächlich Anschluss, die anderen beiden nicht. Es geht um einen Raum und eine Bande und ein 'Krimi', es geht um Geld und Gold und 'Ammenmärchen', es geht nicht um die Leichen, die man dafür anhäuft, um die Särge, die man damit füllt, es geht nicht um die vielen Toten eingangs im Zug, es geht um finanziellen Gewinn, viel dreht sich um Anteile, selten 50/50, oft wird gefeilscht, zugunsten einem selber, man kümmert sich um das Wesentliche, die eigene Existenz. Büßen und Sterben müssen dafür andere, auch gerne Unschuldige, Unbeteiligte, wie im Nebenher; "God killed him by treachery".
Hill hat dabei (hier und auch folgend) die Hauptrolle, flink mit Colt, mit Fäusten, mit Messern; Spencer wird noch hinter Wolff genannt, er kommt später ins Bild, ist aber durchaus mit der Antreiber der 113-minütigen Geschichte, die mit einem Reisezug voller ermordeter Passagiere, Männer, Frauen und sicherlich auch Kinder beginnt. Ein feierliches Empfangskomitee steht bereit, die Musik bläst, Angehörige, Freunde, Bekannte warten umsonst, in freudiger Erreger, doch ein grausiges Gemetzel hat stattgefunden, ein Leichenzug, die Fliegen laben sich glücklich. "Da sitzt ja gar keiner drin.", nur ein Übersehender, ein Überlebender, ein blutverschmierter, traumatisierter, der unbekannterweise und zitternd vom Tatort flieht, statt sich in ärztliche Behandlung und zur wartenden Gesellschaft zu bewegen. Von der Stadt selber sieht man außer dem leicht ramponierten Bahnhof, die Endstation, auf die die Lok ungebremst aufgefahren ist: nichts. Die Zivilisation, die Gesellschaft, die Örtlichkeit ist hier (abgesehen von Rückblenden und Rückblickenden, darunter eine Beerdigung) außen vor, es gibt viel karge Landschaft (mit spärlichem Grün) und ein paar Behausungen, ein Folterkeller später, und eingangs so was wie eine Pokerstube mit ungesunder Luft und Funzelstimmung; wo gezinkt wird und gelinkt wird und getrunken und geraucht und wo in der Comedyfassung Zwei vom Affen gebissen den Leuten noch die meisten Kalauer untergejubelt werden, wo auch gewitzelt wird, wenn gar nicht gesprochen wird. Die folgende Prügelei ist hier wie dort der Ausgang, mächtige Hiebe in den Magen und Tritte ins Gesicht, ein Scherge wird in den Ausschank gezwirbelt, “Dabei fing alles ganz harmlos an.“
“Seit wann spielst du mit dir allein?“ - “Was soll ich machen? Ich hab keinen Partner.“, heißt es hier beizeiten, man möchte auch keinen (mehr), man führt sich auch so auf, als "undankbarer Geselle", ablehnend, verräterisch, ausnutzend. Die Stimmung ist fast emotionaler, da monotoner, es wird das Schicksal so genommen, wie es sei. Hill wird in der 1. Synchronfassung durch die Aventin-Filmstudio, München, von Reinhard Glemnitz eingesprochen, Glemnitz hat zu der Zeit und später auch alle möglichen Darsteller 'verkörpert', Richard Harris, John Saxon, Anthony Perkins, aber nur 1x den Hill. Das Geschehen wirkt verzweifelter, wird nicht mehr gekämpft, sondern akzeptiert, es werden keine Unflätigkeit ausgetauscht, keine Beleidigungen, das Trauma, der Verrat wirkt hier deutlicher, die Erfahrungen werden nicht mit anderen geteilt, kein Zuhörer gesucht, kein offenes Ohr gebraucht, selbst wenn es angeboten wird. Das Grauen des Alltags. Der Horror des Daseins. Beim Teufel kann man noch etwas zu essen kriegen. "Niemand lacht hier. Außer mir."
Aus einer Feuerhölle ist man entkommen, scheinbar aber nur, wurde ein schmutziges Spiel gespielt, kamen die Angriffe von allen Seiten und zu jeder Zeit, Attentate in rascher Folge, ein ganzes Jahr wurde damit geraubt, die Nerven gleichzeitig blank und abgestumpft, die Destinationen so hingenommen, die Chronologie verdreht. Die Handlung ist dieselbe, hier wie dort, gekürzt um viele Landschaftsbilder, um einige Grobheiten, einige Schandtaten, lässt man hier einen aufdringlichen Freier aus hoher Höhe aus dem Fenster stürzen und wird vorher noch eine Waschfrau mit einem einzigen Schlag betäubt; das sind nur die Verletzten, es gibt der Tote wesentlich mehr. Gespräche sind zuweilen länger, ausführlicher, aufklärender, Rose, die Prostituierte, die Erzählerin und Aufklärerin, auch der einzige trauernde und sich betäubende, in den Schlaf trinkende Mensch; die Ausschaltung eines extra einberufenen Marshals durch die Bande, gegen die er einbestellt wurde, das Neutralisieren des einzigen Manns des Gesetzes und das Drangsalieren der um Hilfe rufenden Bevölkerung, eine öffentliche Exekution als Abschreckung, das erinnert ein wenig an Der Teufel kennt kein Halleluja (1970), eine nihilistische Milieustudie, ein Köder für die Meute.
Beruhigend, beunruhigend und konzentriert, inspiriert dabei meist die Regie, wie ein fein ausgetüfteltes Uhrwerk, "eine Schwäche für Präzisionsarbeit", eine Art Detektivarbeit, eine Legendenbildung, der Blick auf die Details: die Spuren und die Sporen im Sande, die Langsamkeit der Bewegung, das Lesen von Fährten, die Abdrücke im Kies, das Kriechen über dem Geröll, das Anschleichen an ein in den Fels gehauenes Quartier, das Klimpern der Gitarre, das Streifen des Windes über die nackte dürre Ebene, ein leises Summen, ein ebenso sporadisches melodisches Pfeifen, Simplizität wird durchexerziert, ein Zieren wie eine alte Jungfer. Mit 'Toten' wird hier geredet, mit 'Gespenstern', die noch Lebenden sind auch am Sterben, am vor sich dahin Siechen, "Seit wann gibt es eine Zukunft für einen Leichnam, Bill?", in Ärmlichkeit herumgestochert, ein teils sadistisches, ein teils selber zuwider angewandtes 'Vergnügen'. Mal knallt die Sonne und droht man zu 'Verbrennen', mal zu Ertrinken, die Natur unbarmherzig wie die Menschen hier, kein Verlass mehr auf sie, eine stete Folter, ein unwürdiges Quälen.