Alexandre Dumas‘ „Die drei Musketiere“ stehen im Mantel-und-Degen-Film für die klassische, leichtfüßige und elegante Variante, die Geschichte der vier Haudegen, die sich selbst genug waren, solange sie dem König dienten und in denen einer für alle stand und alle für einen.
Dennoch wurde der Roman an sich relativ selten verfilmt, die berühmteste Version war sicherlich der Gene-Kelly-Film von 1948, der in prachtvollen Farben und mit vielen eleganten und schnellen Duellen für lange Zeit der Vorlage als verbesserungswürdige Verfilmung den Garaus machte.
Erst Anfang der 70er machte man sich an eine neue Version, die schließlich Richard Lester als Ersatzregisseur inszenierte, eine relativ ungewöhnliche Wahl, denn der in den 60ern eher als Beatles-Regisseur bekannte Lester galt als eher ausgeflippt und modern und sein chaotischer Humor hatte viele ungewöhnliche Filme hervorgebracht.
Ganz auf ihn verzichten mochte Lester wohl auch nicht bei dieser Inszenierung, denn obwohl George McDonald Frasers Skript die wichtigsten Elemente des Romans (der sehr geschwätzig ist) einfing, drückte Lester dem Geschehen unnachahmlich seinen Stempel auf.
Das ist um so ungewöhnlicher, weil für diese Verfilmung eine schier unglaubliche Anzahl von internationalen Stars zur Verfügung stand. Mit Oliver Reed, Richard Chamberlain und Frank Finlay in den Musketierrollen schimmerte schon durch das titelgebende Trio namhafte Pracht. Michael York gab einen frischen, unverbrauchten D’Artagnan und Raquel Welch fiel als geliebte Constance auch mal nicht unangenehm auf.
Dazu Christopher Lee als einäugiger Schurke Rochefort, Faye Dunaway als Mylady de Winter auf dem Höhepunkt ihres Ruhms, Geraldine Chaplin und Jean Pierre Cassel als Königspaar sowie Charlton Heston als Richelieu in einer ungewöhnlichen, aber nicht unpassenden Rolle als Intrigant.
Die Stars erschlagen sich aber nicht gegenseitig in dieser Inszenierung, sondern liefern saubere und nuancierte Darstellungen zwischen krachenden Duellen und boshaften Dialogen ab, die hinreichend entstaubt wurden.
Kennzeichen war aber eine Neigung zu gewolltem Slapstick, der viele der Stunts und Kämpfe unterstrich. Meist geschah seitlich oder außerhalb der zentralen Aktion noch etwas Ergänzendes, wurden Nebenfiguren umgeworfen, gerieten in Bedrängnis oder wurden Gegenstände in bester Chaos-Manier zerstört, worauf die deutsche Synchronisation noch einen draufsetzte. Roy Kinnear, als D’Artagnons beleibter Diener Planchet ergänzt die Schusseligkeit seines Herrn noch zusätzlich, obwohl schon Frank Finlay als Porthos eine hinreißend alberne Performance darbietet.
Zusätzlich verzichtete Lester auf die leichtfüßige Eleganz der Duelle, sondern ließ die Kombattanten mit krachenden Degen aufeinander los, wie Ritter beim Turnier: anlaufen, schlagen, abwehren, umdrehen und wieder zurück. Mehr Kraft, weniger Zisielierung war offensichtlich das Motto und so werden hier mehr Leute umgeworfen und getreten, als wirklich erstochen.
Inhaltlich versuchte es Lester auf einem ungewöhnlichen Weg: er drehte den ersten und zweiten Film als einen, um ihn erst später als Zweiteiler zu vermarkten, was ihm einen Prozess einbrachte. Dadurch wirken die 105 Minuten weniger mit Handlung gedrängt, als vielmehr wie eine Spielwiese für die Charaktere, die alle ein gewisses Plätzchen zugewiesen bekommen, maximal Chamberlain geht ein wenig unter.
Der erste Teil beschäftigt sich im Wesentlichen mit der Zusammenführung und einer Intrige bezüglich des Verhältnisses von französischer Königin und dem Herzog von Buckingham, sowie einer Edelsteinkette, die zurück besorgt werden muß, um einen Krieg zu verhindern und die königliche Ehe zu retten.
Die Handlung tritt dabei öfter in den Hintergrund, um Platz für zahlreiche Duelle und Kämpfe zu bieten, die die Albereien zusätzlich garnieren. Das der Ton dabei unter dem Strich ernst bleibt, ist aber löblich.
Besondere Erwähnung verdienen sowohl die Kostüme wie auch die Bühnenbauer und Bauten (allesamt in Spanien gedreht), die die verschwenderische Pracht und Dekadenz als Gegensatz zum Dreck der Straße recht plastisch erscheinen lassen.
Insgesamt wirkt der Film jedoch unfertig und wie ein Vorspiel zu größeren Dingen, ein Merkmal des Back-to-Back-Prozesses. Insofern sollte man ihn immer mit der Fortsetzung zusammen genießen. (7/10)