Mit der gleichen Besetzung wie bei „Die drei Musketiere“ hat Lester seine Fortsetzung „Die Vier Musketiere der Königin“ nachgeschoben. Er hält sich wieder so gut es geht an die literarische Vorlage und lässt d’Artagnan, mittlerweile ebenfalls Musketier, den Kampf Seite an Seite gegen Richelieu und De Winter bis zum bitteren Ende vorsetzen.
Die Fortsetzung verliert ein wenig verglichen mit dem ersten Teil. Das ist maßgeblich der nun beim besten Willen nicht veränderbaren Geschichte geschuldet. Der Tot einiger Hauptrollen bringt eine gewisse Tragik in den Film (vor allem die arme erwürgte Raquel Welch) und lässt der Rache freien Lauf. So stirbt Christopher Lee herrlich theatralisch, während auf Faye Dunaway die oft geschnittene Hinrichtung in Selbstjustiz wartet.
Durch diese ernsten Elemente verliert der Film die Leichtfüßigkeit des ersten Teils. Was normaler weise nicht schlimm wäre, hätte der Drehbuchautor nicht versucht, durch eine Verzotung des Humors diesem Trend entgegen zu wirken. Ich finde, das Frühstück auf dem Bollwerk vor La Rochelle und der Kampf auf dem Eis sind phasenweise zuviel des Guten.
Dafür bietet der Film auch völlig neue Töne. Die Offenbarung von Oliver Reed, der ehemalige Ehemann von De Winter zu sein und an seiner schandhaften Liebe immer noch zu leiden ist hohe Schauspielkunst, die sich dann in den kommenden Aufeinandertreffen mit seiner gebrandmarkten Ex immer wieder in blanken Hass entlädt.
Die Ausstattung des zweiten Teils ist gewaltiger als die des ersten Teils. Dabei wird auch großer Wert auf Gefechte gelegt, die allerdings den Film nicht tragen. Ansonsten gilt alles, was für den ersten Teil galt.
Man sollte sich ohnehin beide Teile als eine Einheit mit der Gelegenheit auf eine ausgedehnte Pause antun. Sie gehören einfach zusammen, es gibt keinen Bruch in der Umsetzung und es ist eine Schande, Vorgeschichte und Unhappy-End voneinander zu trennen.
Auch der zweite Teil ist große Unterhaltung, die phasenweise unter ihrer Albernheit leidet, aber immer noch ihresgleichen in der Adaption eines scheinbar abgedroschenen, klassischen Stoffes sucht. Auch für den zweiten Teil gebe ich 9 von 10 Punkten.