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Back to back gedreht, den Stars als ein Film verkauft und dann in schneller Folge in die Kinos gebracht: Lester Musketier-Coup schrieb Filmgeschichte.
Also geht es ohne große Umschweife weiter, denn die meisten Schurken hat am Ende des ersten Teils nur umgehauen oder verwundet, weshalb D’Artagnan (Michael York) und seine Freunde Athos (Oliver Reed), Porthos (Frank Finlay) und Aramis (Richard Chamberlain) immer noch auf der Hut sein müssen. Rebellen wollen besiegt werden, außerdem wären da noch die komplizierten amourösen Verwicklungen der Königin in Richtung England und vor allem intrigieren Kardinal Richelieu (Charlton Heston) und sein Handlanger Rochefort (Christopher Lee) munter weiter. Ein Grund, die Filme auch möglichst zügig hintereinander zu schauen, denn trotz tonaler Unterschiede bilden sie ein Gesamtwerk.
„Die vier Musketiere“ ist dabei der ernstere, düsterere Film, vor allem durch die Präsenz von Mylady de Winter (Faye Dunaway), die einst Athos’ Frau war, und nun als weitere Hauptschurkin gegen die Musketiere antritt…

Der rauere Ton zeigt sich vor allem in der Darstellung von Leben und Tod, wo die Feinde im Erstling meist einfach verwemmst wurden, da wird hier deutlich mehr aufgespießt und sonst wie umgebracht, mit zunehmendem Verlauf erwischt es auch diverse Figuren – nicht nur auf der Fieslingsseite. Auch die Musketiere, im ersten Teil vor allem leichtfüßige Schlitzohren, beweisen gegen Filmende deutlich härtere Rächerqualitäten, die in einer selbst vollzogenen Exekution gipfelt.
Trotz dieser Änderungen in der Stimmungslage hält Lester aber am Erfolgsrezept des Erstlings fest, will heißen: Stunts und Slapstick galore. Häufig erwähnter Höhepunkt der abstrusen Comedy-Kampfhandlungen ist eine tollkühne Frühstück-plus-Gefecht-Einlage, in der die Helden auch das zum Verzehr Mitgebrachte für den Kampf benutzen, doch das ist nur eine Einlage unter vielen, darunter ein Kampf auf einem zugefrorenen See oder die eigenwillig-akrobatische Abriegelung eines Festungstors. Erst im Finale, das unter anderem in einem brennenden Gebäude spielt, wird der Slapstick zurückgefahren, der Ernst mehr betont, da die Musketiere hier die eine oder andere schmerzliche Schandtat sühnen wollen.

In Kontinuität zum Vorgänger steht dann die lockere Einstellung des Films zu seinem Plot, der sich zwar an der Dumas-Vorlage orientiert, diese aber nach Belieben seinen Bedürfnissen anpasst, und mehr an einzelnen Set-Pieces orientiert ist. Wie schon der Vorgänger rettet auch „Die vier Musketiere“ den Lebensgeist der Swingin’ Sixties in die 70er Jahre, lässt D’Artagnan so einige Frauengeschichten erleben, trotz nomineller Verbandlung mit Constance (Raquel Welch) – aber wenn die Kammerzofe etc. nun mal rufen, dann kann der Mann eben nicht widerstehen.
Darstellerisch ist alles beim Alten, ist ja auch kein Wunder, denn am Set glaubte man ja noch einen großen Film zu drehen. Drehbuchbedingt bekommt Faye Dunaway hier wesentlich mehr Screentime und damit auch mehr Präsenz als im Vorgänger, was ihr Raum für Performance als herrlich hassenswerte Schurkinnenfigur gibt.

Trotz etwas mehr Härte und düsteren Momenten lässt sich über „Die vier Musketiere“ fast dasselbe sagen wie über den Vorgänger: Ein kurzweiliger, beschwingter Spaßfilm ohne viel Sinn für Plot und Komplexität, unterhaltsam für den Moment, aber nicht zu einprägsam.

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