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15 Jahre nach den ersten beiden Musketierfilmen versammelte Richard Lester in einer Art später großer Kraftanstrengung noch einmal sein Erfolgsensemble für einen dritten Dumas-Film, der auf dessen Roman „20 Jahre später“ basieren soll. Alte Streitigkeiten waren begraben und die ergrauten Helden Reed, Chamberlain, York und Finlay sattelten ein letztes Mal die Pferde.

Inhaltlich hat sich nicht viel verändert: wieder mal steht dem König (statt eines Trottels diesmal sein Nachfolger Louis der 14 als Kind) ein Cardinal gegenüber (statt Richelieu jetzt Mazarin), es gibt Spannungen mit England (statt dem Earl of Buckingham geht es jetzt um Oliver Cromwell und König Charles) und statt der Mylady ist deren Tochter auf Rache aus. Ansonsten füllen Wiedervereinigung und die üblichen Duelle und Prügeleien den Film unterhaltsam auf.

Dennoch: es fehlt einfach das Überraschungsmoment, daß die Musketiere in diesen historischen Kontext gepreßt worden sind ist mehr als auffällig, vor allem bei dem erfolglosen (und witzlosen) Versuch, die Hinrichtung des englischen Königs zu verhindern.
Noch etwas unpassender wirkt die Tochter der Mylady, recht schwunghaft dargestellt von Kim Catrall, die aber nicht so recht in den Cast passen will, genauso wenig wie Athos Adoptivsohn Raoul, dargestellt von C.Thomas Howell (heute fast vergessen).

Alles in allem bleibt der Film aber gewolltes Stückwerk, bemüht komödiantisch und wenig ausgegoren, wobei Chamberlain anfangs mehr ein paar Gastauftritte absolviert, als wirklich mitzuspielen. Auch die Anwesenheit von Christopher Lee ist mehr als fragwürdig, da er am Ende des zweiten Films eigentlich von D’Artagnan erstochen wurde und nun der Vater von Myladys Tochter sein soll. Überhaupt ist sein Rochefort inzwischen mehr ein zaudernder alter Mann geworden, was aber wohl Lee ein wenig entgegen kam (immerhin war er schon Mitte 60).

Das Prädikat „besonders lieblos“ kann man der deutschen Synchro verleihen, das erneut sämtliche Stimmen austauschte und mit ausgesprochen unpassendem Ersatz veredelte. Rüdiger Joswigs D’Artagnan geht jegliche Finesse ab und anfreunden kann man sich maximal mit der Bud-Spencer-Stimme von Wolfgang Hess als Athos – wie überhaupt Reed die meisten Szenen tunlichst an sich reißt, da D’Artagnans Rolle sich im Drehbuch immer mehr einem ungeschickten Tölpel annähert.
Belastet wurde die Produktion durch den Tod von Roy Kinnear, der auch hier wieder D’Artagnons Diener Planchet spielt und der bei einem Sturz vom Pferd sich einen Hüftbruch zuzog, an dessen Folgen er noch während der Produktion starb – kein Wunder also, wenn das Ergebnis unfertig aussieht und eher daran gemahnt, das da noch ein Teil fehlt, der nie gedreht wurde.

Ein mittelprächtiges Wiedersehen, das die Komplettisten sicherlich begrüßen, das es aber nicht ganz schafft, seinen Vorgängern zur Ehre zu gereichen – 15 Jahre waren vielleicht fünf zu spät. (5/10)

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