“Hong Kong used to be a small fishing village in the South of China. It was invaded by the British in the 19th Century, to be a depot of opium, and also a port of other goods. But no one at that time ever thought that such a small fishing village under the ruling of foreigners can become such a great place. This is both a miracle and myth. Someone says HK is a paradise, while others say HK is a city of vice. A crime city full of misdeeds. Ok, now let us take a look. Such a miracle place as HK, but from behind its prosperity.”
Red Lips, einer der Filme, die wegen der Besetzung, dem Herstellungszeitraum, der Zugehörigkeit zum entsprechenden Genre des (zweitklassigen) Actionfilmes, der Mundpropaganda und der mittlerweile raren Verfügbarkeit zu einem heiß gesuchten Objekt unter Liebhabern geworden sind. Und die Enttäuschung anschließend gleich ebenso folgerichtig, da nahezu als selbsterfüllende Prophezeiung zu betrachten ist. Zwar stimmen die Voraussetzungen tatsächlich, die Zutaten allerdings nicht, was sich in diesem Fall aus dem Erstlingsdrehbuch von Dennis Faan ergibt, der sonst als Schauspieler und dies schon nicht zahlreich oder im besonderen Falle auffällig auftritt:
Die illegale Immigrantin Amy [ Ngai Suet ] wird kurz nach ihrer Ankunft in Hongkong vom zwielichtigen Li Tian-sin [ Phillip Ko ] abgefangen, der sie erst zurecht macht und als Lockvogel ausstaffiert und dann als Hostess in einen Nachtclub schickt. Dort ist auch Mable [ Cheng Yuen-man ] als Arbeitskraft tätig, wobei sie durch die Schuld von ihrem Freund Stephen [ Ng Sing-fat ], der dem Glücksspiel verfallen ist, um ihr Geld gebracht und zusätzlich noch den Drogen zugehörig wird. Da der Nachtclub dennoch gut läuft, will ihn sich der aufstrebende Chen Wei [ Dick Wei ] mitsamt seiner rechten Hand Lung [ Kwai Chung ] unter den Nagel reißen, das nötige Kleingeld hat er von der Ermordung seines Bosses Master Pai [ Kwan Hoi-san ], von dem allerdings nur dessen ältester Freund und Gangsterkollege Kuo Feng [ Ku Feng ] und der Frauenhändler Sulon Chong [ Dion Lam ] etwas weiß. Da beide schweigen, ist Pais Patentochter Annie [ Kara Hui ] noch auf der Suche nach dem Mörder, während Li auf der anderen Seite und damit Chen Wei von zwei Polizisten [ Mark Houghton und Sophia Crawford ] bedrängt wird.
„(…)Ok, now let us take a look.”
Dabei erstaunt einen schon die Eröffnung selber, wird doch dort wie aus der Vogelperspektive hinab auf die Stadt HK und die Erzählung selber mit einer Geschichts- und anschließend einer moralischen Stunde eröffnet. Die Frage des Filmes liegt dabei eindeutig auf dem Kern, zu welchen Bereichen die angewachsene Metropole denn nun zugehörig ist, zum Paradies oder doch dem Sündenbabel, das mit Drogen anlockt und keinerlei Versprechen am Erfüllen ist. Angegangen wird das Problem in der Betrachtung verschiedener Personen, die alle aber und dies mal mehr und mal minder eng miteinander verbunden und so zum großen Kreise der Umwelt und des Einflusses sowie der Abhängigkeit zugehörig sind. Eine Anlage, die erst verwundert und dann, auch mit der Verbindung eines eher räudigen und preiswerten und darum auch wissenden Aktionfilmes an den (noch mehr schmierigen) Angel of Vengeance (1993) und damit nicht die beste Verbindung erinnert.
Hier wie dort stört diese (im Grunde ja lieb gemeinte) Versuchsanordnung mit der Ansicht von Ehre und Anstand und Sitte und Moralität dem Rest des Geschehens nur, wird sich nicht auf einen Punkt und eine Aussage fokussiert, sondern scheinbar wahllos Alles in eine große Kehrmaschine hinein gesogen und wieder hinaus gesprüht. Zeitsprünge, die nicht fühlbar, sondern nur durch Andeutungen im Text gesprochen sind, dazu stets unterschiedliche Perspektiven, die keine Einheit aufkommen lassen, sondern sich in einer Art Kaleidoskop ergehen. Dazu eine Dramaturgie, die zwar mehrere Anspielungen und Optionen auf mehr hat – der Alternativtitel The Vengeance wird mit der Ermordung des seine Karriere in Ruhe beenden wollenden Gangsteroberhauptes und dem Rachewunsch seiner Patentochter frühzeitig erklärt, aber dann nie wieder registriert –, diese aber permanent nur in Aussicht stellt und dafür das Drumherum erzählt.
Wichtig sind dem Autoren und dem Regisseur Fan Dan, der kurz zuvor mit Wild Cherry (1982) und Top Fit (1983) und kurz darauf mit Battle in Hell (1992) und dem adult Woman in Lust (1993) im eher Schmuddelimage blieb, hier vor allem die Beziehungen zwischen Mann und Frau, worauf dann auch das Augenmerk liegt. Weitere und dazu gehörige Kontraste sind Reich und Arm, Traum und Realität, Jung und Alt, Gesetz und Kriminalität, die alle irgendwo eine Rolle spielen, aber meist in Klischees der übelsten Art dargereicht werden und auch schauspielerisch recht unterlegen und eher schädlich als nützlich, dem Unterhaltungswert vor allem abträglich dargeboten sind.
Dazwischen sind immer wieder mal Kampf- und Stunteinlagen platziert, in denen den Gegenspielern die Sonnenbrille aus dem Gesicht und die blauen Flecke reingetreten werden; öfters eine Montage, die traditionelle Formen mit einem wüsten Gebolze und dies von übersichtlichen Bildern und ebensolche Schnitt eingefangen präsentiert. Genug erfahrene Talente aus diesem Bereich des Spekulativen sind vor und hinter dem Kamera auf jeden Fall vor Ort und auch engagiert, wird über den Hügel der Stadt durch die Polizei ein Frauenring gesprengt oder eine Bar in Schutt und Asche gelegt und die Gegner in die nächstbeste Glas hineingefegt.