Review

Samurai Commando in einem Satz: der Film ist so kreuzdebil, streckenweise so hilflos bemitleidenswert, daß man ihm einfach nicht böse sein kann.

Im Jahr 2003 führt die japanische Armee unter der Leitung der Offizierin Kanzaki (Kyoka Suzuki) ein Experiment durch, in dessen Verlauf die ganze Einheit von Oberst Matoba versehentlich ins Jahr 1547 versetzt wird. Zwei Jahre später organisiert Kanzaki eine neue Mission, die Matsobas Einheit zurückholen soll. Als Berater ist der ehemalige Oberleutnant Kashima (Yosuke Eguchi) mit dabei. Für diese Rückholaktion haben sie allerdings nur 3 Tage Zeit, da sich dann das Zeitfenster umdreht und danach ihre Chance auf Rückkehr verstrichen wäre. Zudem drängt die Mission, da überall in Japan wachsende Anomalien auftauchen (von den Militärs äußerst fachmännisch "Löcher" genannt), die darauf hindeuten, daß irgend etwas in der uns bekannten Vergangenheit verändert wurde. Im Jahr 1549 angekommen, müssen die Soldaten feststellen, daß Matoba als Oda Nobunaga (Takeshi Kaga) zum Herrscher aufgestiegen ist - dem Mann, der weite Teile Japans vereint hat.

3 Grundsätzlichkeiten:
Die (untertitellose) japanische Originalfassung von Samurai Commando dauert ca. 119 Min. Das sind dann doch gleich mal satte 30 Min. mehr als in der deutschen bzw. internationalen Fassung. Ähnlich wie bei Tsui Harks "Seven Swords" merkt man das dem Film zu jeder Sekunde an. Er wirkt unrythmisch, schlecht getimt und vor allem überfrachtet mit unerklärten Inhalten und gleichzeitg doch unfertig in deren Ausführungen. Die Charaktere unterscheiden sich im Prinzip nur durch ihr Aussehen, die neumodischen Waffen, von denen nach dem zweiten Zeitsprung ja einige im Jahr 1549 rumstehen sollten, kommen kaum zum Einsatz, bzw, sind einfach mal weg usw. Zugegeben, der Film sollte ein Werbefilm für's japanische Militär werden, dementsprechend darf man in der Orginialfassung auch einiges mehr an Pathos erwarten, allerdings dürfte selbst das helfen den Film flüssiger werden zu lassen. Die zweite Sache ist mitlerweile obligatorisch bei Japanfilmen. Eine sagenhaft schlechte Synchro. Nur eine Beispiel, daß normalerweise sogar von den Standart-Müll-Synchro's umgangen wird: "Kashima-San" heißt in deutsch nicht "Kashima-San", sondern bestenfalls "Herr Kashima" (wenn man's überhaupt übersetzt). Ähnlich einige andere Suffixe, die mit dem Namen im deutschen Sprachgebrauch nichts zu tun haben bzw. nicht mal existent sind.
Zugegeben, für diese Probleme kann der Film prinzipiell mal nicht so viel. Für das Dritte allerdings schon. So paradox das, speziell bei Betrachtung der absurden Ausgangsidee, jetzt klingen mag: Es hätte dem Film wirklich gut getan, wenn er sich etwas ERNSTER nehmen würde und etwas sorgfältiger ausgearbeitet wäre. Dämliche Witzchen die nicht wirklich zünden (wenn man von den unfreiwilligen Peinlichkeiten absieht) und Menschen aus dem späten Mittelalter die Kommentare von sich geben, die vom Inhalt und Tonfall ebenso von einem Teenager des Jahres 2005 stammen könnten, schaden dem Film mehr, als daß sie ihm helfen.

3 akutere Probleme
Der Film nennt sich vollmundig "Mission 1549". Um ehrlich zu sein, "Mission Klischeebombe" wäre passender. Es ist faszinierend mitzuerleben mit welcher Konsequenz jedes jemals erdachte Klischee im Actionfilmbereich hier eingebaut wurde. Oberflächliche Liebesgeschichte, heldenhaft sinnloses Opfern, Rettung des Heldenpärchens durch einen zur Vernunft gekommenen Bösewicht (der dabei selbstverständlich stirbt) und wüstes heroisches Salutieren und Respektbekunden. Es ist alles drin, was einem ein verschämtes Grinsen ins Gesicht treiben kann. Was eher überraschend ist, ist die Tatsache, daß die gängigen Zeitreiseklischee's relativ selten strapaziert werden. Könnte allerdings auch daran liegen, daß das Thema Zeitreise so oberflächlich überflogen und abgewurschtelt wird, daß selbst für ein Klischee die Zeit zu knapp wäre.
Die anderen Probleme sind im Prinzip Folgen, bzw. Ursachen der Grundsätzlichkeiten. Selbst wenn die deutsche Übersetzung gut wäre, könnte das nicht über die unglaubliche Beschränktheit der Dialoge hinwegtäuschen. Alles was die Leutchen so von sich geben tut einfach nur weh und jeder, der aus den Dialogen einen vernünftigen Zusammenhang mit den darauf folgenden Handlungen konstruieren kann, verdient entweder ein Extralob (weil er ein Genie ist) oder eine Kopfnuss (weil er in dem Scheiß meint Logik zu erkennen). Atmosphäre ist auch hinfällig, da der Film erstens komplett verstümmelt ist und zweitens selbst dann vermutlich nicht wirklich in der Lage wäre den Kulturschock -Militärs von 2005 reisen ins Jahr 1549- adäquat umzusetzen. Mit Ausnahme einer Burg und zwei Samuraiclans gibt es keinerlei Kontakt oder Impressionen zu bzw. von dieser "alten" Welt. Sollte das nicht reichen, tun die 08/15 Charakter und teilweise Knallchargendarsteller ihr übriges.

1 großer Vorteil...
...der allein schon 4 Punkte rechtfertigt: Der Film nervt nicht! Hirn aus und durch. Unterhaltsamer Trash. Hinzu kommen dann noch die zwar nicht wirklich gut getricksten, aber dafür launig, krachigen Actionszenen und die eigentlich ganz nette Parallele zum real existierenden Nobunaga.

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