Mit 'Land of the Dead' bringt uns George A. Romero den 4. Teil seiner 'Dead'-Reihe der sich wirklich gewaschen hat.
Zunächst das positive am Film:
Was besonders auffällt sind die genialen Masken der Zombies was besonders in der Szene auffällt als die Zombies aus dem Fluß 'auftauchen' (frage mich was für ein MakeUp da verwendet wurde :D). Überhaupt wirken die Masken in LAND weniger verstümmelt als die der Zombies in DAY was darauf schließen lässt, dass LAND vermutlich kurze, wenn auch nicht lange Zeit, vor DAY spielt. Aber auch das kann man nicht wirklich pauschal sagen, GAR meinte selbst das man LAND nicht konkret vor oder nach DAY setzen kann. Ebenfalls sehr gut gefielen mir John Leguizamo und Simon Baker, Dennis Hopper hatte für meinen Geschmack ein bisschen zu wenig Screentime. Die Atmosphäre innerhalb des Films war ebenfalls wunderbar, zumal erstmals auch die Zombies einen Hauch von Melacholie zugesprochen bekommen haben. Szenen in denen sie wie kleine Kinder völlig ratlos an der Flußbank stehen hat man garantiert noch nie zuvor in einem Zombiefilm gesehen. Und dadurch entsteht erstmals auch eine ansatzweise Identifikation mit den Zombies, d.h. Zombies sind in LAND nicht länger einfache Fressmaschinen sondern bekommen einen Hauch 'Seele'. Damit dies aber nicht überhand gewinnt und damit der Zuschauer nicht beginnt die Zombies als liebevolle Wesen anzusehen bringt der Film am Ende noch einmal einen herben Kontrast dazu der zeigt das die Zombies nichts desto trotz Zombies sind, und dieser ist das Massaker in Fiddler's Green.
Was nun von vielen Leuten kritisiert wird, ist die Tatsache das die Zombies in LAND in der Lage sind zu fühlen, zu kommunizieren und so insgesamt menschlicher werden. Doch schauen wir uns mal die 'Zeittafel' der Zombiefilme an:
NIGHT - Zombies sind zunächst nur Wesen die in Massen die Menschen angreifen
DAWN - Zombies erlernen ansatzweise den Umgang mit Gegenständen und sind in der Lage sich an ihr früheres Leben zu erinnern (im dortigen Fall: Supermärkte, klare Kritik an der steigenden Konsumgesellschaft)
DAY - Zombies sind hier zusätzlich in der Lage die menschliche Sprache zu imitieren und Führungspersonen bzw. (auf Bub bezogen) Vaterpersonen auszuwählen (wer genau hinhört wird feststellen das Bub als er in DAY den toten Logan auffindet ganz kläglich das Wort 'Daddy' stöhnt)
LAND baut auf diesen Ereignissen auf, hier stellt 'Big Daddy' die Führungsperson da, der zusätzlich in der Lage ist mit seinen 'Artgenossen' zu kommunizieren und Gefühle zeigt (Beispiel: Big Daddy tötet einen brennenden Zombie der offenbar leidet - hier die Frage: Ist es eine Erinnerung seitens Big Daddy (der ja Tankwart war) daran das Feuer Menschen Schmerz zufügt, oder empfindet der Zombie wirklich physischen Schmerz den er nur nicht zum Ausdruck bringen kann? Vermutlich eher das 1. gekoppelt mit Emotionen. Hinzu kommt das der Kontrast zu den emotionalen Zombies (das Massaker) in LAND schon einmal in ähnlicher Form in DAY auftauchte, nämlich dort die Stelle an der Bub anfängt die von Logan vorgelegten Organe wie ein wildes Tier zu fressen obwohl er noch kurz zuvor so furchtbar zivilisiert wirkte.
Szenen wie die in der Big Daddy Kaufmann und den Cholo-Zombie in die Luft jagt oder de in der er anfängt mit dem Presslufthammer u arbeiten sprechen im Prinzip für sich, deshalb möchte ich darauf nicht näher eingehen.
Was ebenfalls sehr Interessant ist, ist (ironischerweise) die Rolle von Dennis Hopper in Bezug auf die gegenwärtige Bush-Regierung in den USA. Der Satz 'Wir verhandeln nicht mit Terroristen' sollte im Prinzip bei jedem ein kurzes Klicken auslösen wenn man an die zahlreichen Reden von Bush in Bezug auf den 'Krieg gegen den Terror' denkt. Was besonders an diesem Satz auffällt ist die Tatsache das Kaufmann nicht realisiert das Tausende Zombies zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Weg nach Fiddler's Green sind. Anstatt also etwas zu unternehmen damit die Situation nicht aus den Fugen gerät ist dieser viel mehr damit beschäftigt sein 'Eigentum' zurückzubekommen und beauftragt dafür einen Gefangenen der sich für in den Arsch aufreißen soll während er gemütlich seinen Scotch trinkt. Diese Hierarchie: Pöbel -> Wohlhabende -> Kaufmann zeigt den derzeitigen amerikanischen Status. Die Reichen bekommen immer mehr, während die Armen immer weniger bekommen wird deutlich dargestellt, ebenso die Tatsache das die Reichen in ihrem Luxus in dem sie durch materielle Werte vervollständigt werden nicht begreifen was außen in der Welt los ist, und sich durch ihre Ignoranz am Ende nicht durchschlagen können und gefressen werden. Der 'Pöbel' bleibt aber genauso unverschont, denn auch dort werden derzeitige Probleme aufgeführt. Beispielsweise die Tatsache das Zombies als Zielscheiben benutzt werden (sei es für Schießübungen oder zum Spaß in Kneipen) oder gar nur als Dekoration oder Gladiatoren in waghalsigen Arenaspielchen dienen, zeigen das diese Leute ihre Machtposition gegenüber zunächst schwächeren Wesen genussvoll ausnutzen und sie als Spielzeug betrachten - ebenfalls ein Phänomen was in der heutigen Gesellschaft oft vorkommt und schon in Tom Savinis Remake zu 'Night of the Living Dead' am Ende reichlich behandelt wurde.
Diese Tatsachen führen aber auch dazu das man klar sagen muss: Wer die drei Vorgänger nicht kennt und mit den Erwartungen an einen zweiten DAWN '04 an den Film rangeht, der wird sicherlich den Eindruck gewinnen das LAND ein Film ist der nur Wert auf seinen (wirklich genial inszenierten) Gore legt und im Prinzip nichts weiter als Splatterkino ist. Vermutlich hätte man am Anfang des Films kleine Flashbacks von DAY setzen sollen (auch wenn das hierzulande eh der Schere zum Opfer gefallen wäre), denn nach immerhin 20 Jahren ist es unwahrscheinlich das sich der nicht eingefleischte GAR-Fan an die Vorgänger erinnern wird. Ebenfalls störend ist (wie in einem Review hier schon detailliert geschildert) die Tatsache das man im Film selbst die Übersicht darüber verliert welche Location wo ist. Man kann es sich zwar denken bzw. zusammenpuzzeln, aber insgesamt hätte man meiner Meinung nach mehr Wert auf einen guten Überblick legen können.
Nichts desto trotz ein wirklich würdiger Nachfolger der anderen drei Teile bei dem wirklich nie (!) Langeweile aufkommt und der sowohl super Darsteller als auch einen fantastischen Score hat. Für Horror-Fans ein Muss, auch wenn selbst die Kinofassung absolut nichts für schwache Nerven ist.
9/10