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Romero im Jahre 2005: Ich wusste nicht was mich erwartet und ging somit ohne Erwartungen ins Filmtheater – und wurde nicht enttäuscht!

Es gibt noch Filme großer Regisseure, die nicht dem schnellen Geld hinterher rennen und kindgerechte Ware à la „Resident Evil“ oder noch viel schlimmer „House of the Dead“ abliefern. Vom Gewaltfaktor hält dieser Film hier, was der Name des Regisseurs verspricht (Und wir reden hier vom R-Rated Cut). Ganz der Botschaft des Films entsprechend schert sich Romero einen Dreck um Macht, Geld und Ruhm, ihn langweilen flagrant die Michael Bays und Paul Andersons mit ihrer Massenware. Er bleibt sich und seiner Vergangenheit treu und liefert einen echten Romero ab. Eine schöne Erfahrung, so etwas als jemand, der die 80er im Kino größtenteils verpasst hat, noch einmal erleben zu dürfen!

Einige Horrorfans in den Staaten kritisierten, der Film sei nicht düster genug, brächte also die Apokalypse nicht voll rüber, sondern verfange sich in den sozialen Problemen der Überlebenden. Aber, tat „Day of the Dead“ das nicht auch? Ich will es folgendermaßen formulieren, wem der 1985er Romero gefallen hat, der wird hier auch nicht enttäuscht. Sicher, „Day of the Dead“ geht noch etwas weiter in punkto Gewalt, aber wir kennen die DVD-Version von diesem Film hier noch nicht. Ferner kann man mit Fug und Recht konstatieren, dass die ganzen Resident Evils dieser Welt nicht einmal ansatzweise mit dem Teil hier mithalten können. Erstere sind kindertauglich und entsprechend ist ihr Niveau, „Land of the Dead“ ist ein Film für Erwachsene.

Kritik ist allerdings durchaus berechtigt. Die Story ist etwas zu platt, zu einfallslos, zu direkt. Das mag manchen gefallen, mir gibt das nichts. Ein „Dawn of the Dead 2004“ hat da einiges mehr zu bieten. Auch wenn der nicht so bluttriefend ist wie der neue Romero, ist er doch ein besserer und obendrein wesentlich innovativerer Film - meiner Meinung nach sogar ein Meisterwerk. Und genau das ist das Land der Toten nicht. Auch die Musik, falls überhaupt vorhanden, kann sich mit Zack Snyders 2004-Interpretation des Jüngsten Gerichts oder gar dem Original Dawn nicht nur nicht messen, sondern tut gut daran, nicht weiter erwähnt zu werden. Eine bessere Musikuntermalung hätte sicher nicht geschadet.

Dennoch, der Film macht Spaß. Er ist Zombie-Horror, zwar nicht at its best, aber wie er sein sollte: Gewalttätig, voll in die Fresse und unterschiedlos, klassenlos, mitleidslos alle ausmerzend. Da stört auch die oft etwas aufdringliche Sozialkritik nicht weiter. Die sind wir ja von Romero gewohnt.
Nein, ein Film, der den Mut hat, in Zeiten der familiengerechten, flachen 08/15-Streifen, die selbst im ehemals elitären Horrorgenre Gang und Gäbe sind, eine Masseninkompatibilität an den Tag zu legen, dass man sich doch (erst recht als Romero-Neuling) die Augen reibt, muss honoriert werden. Diese Courage haben nicht viele. Auch wenn wir hier von ganz anderen Dimensionen der Finanzmittel reden, haben genau da beispielsweise Oliver Stone und Ridley Scott des lieben Geldes (bzw. der Filmfirmen) wegen, in den letzten zwei Jahren völlig versagt. Das neue Jahrtausend bzw. die lauen 90er hinterlassen ihre Spuren nicht auf diesem Streifen, der so wirkt, als wäre er in neue Optik gegossener 80er Horror.

Ein guter und brutaler Film, wenn auch nicht so gut wie „Dawn of the Dead 2004“, und ein weiterer, schöner Beitrag zum Zombieboom der letzten zwei Jahre. Möge das so weiter gehen!

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