Review

Bestimmt war ich nicht der Einzige, der mit gemischten Gefühlen in diesen Film geht. Jeder einzelne Teil der bis dato Dead - Trilogie hat Filmgeschichte geschrieben, nicht nur innerhalb des Genres, sondern weit darüber hinaus. Denn jeder Teil verstand es, nicht nur die reinen Gore-Bauern bestens zu bedienen, sondern darüber hinaus auch eine (wie auch immer zu interpretierende) politische wie sozio-kulturelle Botschaft zu transportieren. Kein Wunder das diese Filme bis zum Exzeß analysiert, interpretiert und kritisiert wurden. Die Romero-Trilogie ist auch für mich einige der wenigen Ikonen des Genres - Meilensteine halt.

Da ist man umso skeptischer, wenn rund zwanzig Jahre nach dem erscheinen von DAY OF THE DEAD mit LAND OF THE DEAD (LotD) eine Nachfolger produziert wird, der das Thema vor dem Hintergrund des neuen Jahrtausends weiterspinnt. Denn seien wir mal ehrlich: Was der gute George uns in den letzten Jahren präsentiert hat, war filmischer Bodensatz; allein wenn ich an den unsäglichen BRUISER denke, wünsche ich, Romero wäre längst in Rente gegangen. Und jetzt, wo der Name Romeros einige unübersehbare, da allzu deutliche Schrammen davon getragen hat, ausgerechnet jetzt will er sein Lebenswerk fortsetzen, kann das gut gehen ?

Um es gleich zu sagen: Der absolute GAU ist LotD nicht geworden. Der Film ist technisch gelungen (aber nicht überragend) umgesetzt, die Story gibt wieder genug her, um den Film über die rein narrative Ebene hinaus als politische und sozial-kulturelle Allegorie zu lesen, die Gore-Bauern werden auch wieder bedient (zwar nicht so exzessiv wie in DAWN und DAY, aber doch recht ordentlich - vor allem was die grandiosen, ausführlichen Zombie-Make-Ups angeht).

Ich möchte hier nicht zeilenlang rumsülzen was der Film aussagt und wo Anspielungen auf unsere Gegenwart zu finden sind, daß sollte ohnehin jeder selbst für sich entscheiden. Nur soviel hierzu: Die Einflüsse des 11. September sind unverkennbar. Fiddlers Green, die Enklave inmitten einer feindlichen Umwelt ist das moderne Amerika, streng hierarchisch nach Geldbesitz, Macht und Gewaltpotential (Waffen) organisiert. Wenn sich der Wolkenkratzer im Wasser spiegelt - da kriegt man die Twin-Towers doch so vor den Latz geknallt, oder ? Als sympathischer, gerechter, funktionierender Kosmos wird uns der letzte Hort der Menschheit jedenfalls nicht präsentiert. Als wäre alles drumherum nicht passiert, läuft das Spiel nach den alten Regeln im kleineren (lokal begrenzten) Raum weiter.

Auf der anderen Seite wird den Zombies größere Aufmerksamkeit geschenkt, sie entwickeln sich weiter, kommunizieren, lernen, Gegenstände (auch hier: Waffen !) einzusetzen. War es in NIGHT noch der schwarze Ben, ist es auch hier ein Schwarzer, der sich zum Anführer der Zombies entwickelt. Am Ende, wenn seine Gruppe verschont wird, wird soetwas wie die Utopie einer friedlichen Koexistenz angesprochen: "Auch sie suhen nur einen Platz wo sie hinkönnen, genau wie wir". Das System "Fiddlers Green" existiert nicht mehr, nun müssen sich die überlebenden Menschen wie die Zombies in einer neuen Unordnung orientieren.

Auf der anderen Seite hat der Film aber auch einige Schwächen: Zu deutlich sind mir die Anleihen bei bekannten, schwächeren B-Pictures des Action- und Apokalypsegenres. Die teilweise (selbst-) ironischen Anklänge mit den überzeichneten, comichaften Figuren stören eher, als das sie den Film voranbringen. Denn in diesen Momenten ist LotD ein reiner Genre-Film der die Ebenen vermischt, ohne zu überzeugen. Da kann ich mir auch einen alten Carpenter-Klassiker ansehen, die sind in dieser Hinsicht besser.


Fazit: LotD ist besser gelungen als zu befürchten war, gleichzeitig aber auch der schwächste Teil der Reihe. Zwar wir sich dies erst im Laufe der Filmgeschichte herausstellen, ich wage jedoch die These, dass LotD nicht den Status jedes einzelnen seiner Vorgänger einnehmen wird. Denn lassen wir den ganzen Romero-Hype einmal weg, bleibt nicht mehr, als ein durchschnittlicher Zombie-Film, der einige neue Ansätze herauszuarbeiten versucht, sich aber ansonsten bekannter Muster des Action- und Apokalypsefilms bedient. Wäre der Film halt nicht von Romero, wüde er als etwas besseres B-Picture kaum beachtet. Naja, vielleicht muß ich ihn im Laufe der Zeit noch ein- bis zweimal sehen. Bis dahin: 6,5 von 10 Punkten !

Details
Ähnliche Filme