George A. Romero hat zweifellos Horrorfilmgeschichte geschrieben. Seine Werke prägten den modernen Zombiefilm wie keine anderen Filme. Gerade „Night of the Living Dead” und “Dawn of the Dead” sind Klassiker des Genres. Dabei lieferte unzähligen Nachahmern genügend Stoff für unzählige (meist niederklassige) Rip-Offs. Im Jahre 2005 machte sich der Meister daran selbst wieder einen Film über die lebenden Toten zu drehen und nannte das Ganze „Land of the Dead“. In diesem Film ist die Zombie-Thematik für die Protagonisten zu einem schrecklichen Alltag geworden, innerhalb dem sie zurechtkommen müssen. Romero, der das Bild des Zombies, wie gesagt, entscheidend mitgeprägt hatte, ging in „Land of the Dead” einen Schritt weiter: Waren Zombies in seinen anderen Filmen nur hirnlose, brutale Monster, die ganz von ihren Freßinstinkten gesteuert wurden, agieren sie hier erstmals intelligent. Eine Art Anführer bildet sich heraus, der seine stöhnenden Truppen zu einem Angriff auf eine hermetisch verriegelte Zukunftsstadt anführt. Dabei führen die lebenden Leichen sogar einfache Handlungen durch, z.B. feuern sie ein Maschinengewehr ab. So etwas gab es zuvor noch nie. Es ehrt Romero natürlich, dass er frische Einfälle in die etwas ausgelutschte Thematik bringen möchte, doch verlieren die Kreaturen so die urwüchsige Bedrohlichkeit, die sie vor allem in „Night of the Living Dead“ und „Dawn of the Dead“ ausgezeichnet hat und die ein wichtiger Teil der Faszination für diese Werke war.
Die Splatterszenen in „Land of the Dead” sind state of the art, doch auch hier fehlt das gewisse „dreckige“ Etwas, das die älteren Filme ausgezeichnet hat. Es geht doch nichts über handgemachte FX. Romero verwendet viele CGI-Gore-Effekte, die zwar durch ihre Dynamik ihren Reiz haben, doch dabei nicht so roh und derbe aussehen, wie in den genannten Prequels.
Die Darsteller sind zwar bekannter, als die Schauspieler in Romeros früheren Zombie-Filmen, doch sie stammen aus der B-Riege Hollywoods. Dennis Hopper gibt den (menschlichen) Oberbösewicht. Dabei spult er routiniert sein Hoppersches Programm ab. Für einen Film dieses Genres reicht dies allerdings auch. John Leguizamo kennt man ebenso. Auch er kann durchaus überzeugen, ohne allerdings länger im Gedächtnis des Zuschauers zu verweilen. Ähnliches gilt für Asia Argento, die auch auf die immergleiche Rolle der wilden, leicht mannhaften Amazone festgelegt scheint. Sie ist die Tochter des bekannten italienischen Horrorregisseurs Dario Argento, der seinerzeit für Romero eine europäische Schnittfassung von „Dawn of the Dead“ anfertigte. So schließt sich ein blutiger Kreis der Filmgeschichte. Der eigentliche Hauptdarsteller Simon Baker ist dem breiten Publikum eigentlich eher unbekannt, macht seine Sache ganz ordentlich. Dennoch hätte ein bekannteres Gesicht als Identifikationsfigur den Zugang zu „Land of the Dead” erleichtert und dem Film zudem einen wertigeren Eindruck gegeben.
Für sich genommen ist „Land of the Dead” eine ordentliche Schlachtplatte, die dem aktuellen Stand der Technik entspricht. Es ehrt Regisseur Romero, dass er neue Perspektiven in die Zombiethematik einbringt. Sogar eine sozialkritische Dimension kreiert er: Sind es wirklich die Zombies, die hier die Bösen sind, oder sind es vielleicht doch die Menschen, die auf dem Weg zum Wohlstand keine Skrupel mehr kennen? Für einen Zombiefilm eine durchaus tiefsinnige Frage. Die Erwartungen, die der Name „Romero“ in Verbindung mit einem neuen „Dead“-Film erzeugt, kann der Film natürlich nicht einlösen. So scheitert Romero an seinen früheren Leistungen, die ihn unauslöschlich in der Filmgeschichte verewigt haben. Zieht man all dies ab, erhält man einen harten Zombiefilm, der handwerklich ordentlich inszeniert ist und für einen Mainstream-Horrorfilm eine hohe Radikalität aufweist. Das ist doch auch schon was.
Fazit:
7 / 10