Jane Baxter möchte gewiss keiner zum Eheweib. Während sich die Rothaarige außer Hause mit ihrem Liebhaber vergnügt, ersäuft ihr Sohnemann in der Badewanne. Als sie dann, von der Tochter alamiert, zu Hilfe eilt, baut ihr Lover einen Verkehrsunfall, den er mit dem Leben bezahlt. Ein Jahr verbringt Jane in einer Nervenheilanstalt. Von dort entlassen zieht sie in die Wohnung ihres verflossenen Geliebten. Klar, der Ex-Mann will freilich nichts mehr von ihr wissen. Im selben Haus wohnt auch der blinde Robert, der Jane heimlich anschmachtet. Ihn packt die Eifersucht, als er des Nachts Liebesgestöhn aus Janes Wohnung vernimmt. Als er der Unzüchtigen nachspioniert, kommt er Janes dunklem Geheimnis nahe: Ist Janes Lover zurück von den Toten? Oder handelt es sich just um die Wahnvorstellungen eines eifersüchtigen Blinden?
Lamberto Bava, Sohn vom Großmeister des italienischen Giallo-Kinos Mario Bava, wird oftmals als Schundfilmer verschriehen. Neben dem Dämonen-Krachern DEMONI 1 + 2 und dem Giallo A BLADE IN THE DARK, der sehr an die Filme seines Herrn Papa und die Frühwerke von Argento angelehnt ist, scheint der Römer nichts auf die Reihe bekommen zu haben. Und so wirkt auch MACABRO, einer seiner ersten filmischen Gehversuche, lange Strecken über wie brachialer Schwachsinn. Von Horror keine Spur. Elemente eines Krimis sind auch nur ansatzweise enthalten. Das einzige, das die Geschichte aufrecht zu halten scheint, ist die Rolle der Jane Baxter, diesem rotbuschigen Vollblutweib (gespielt von Bernice Stegers [Fellinis STADT DER FRAUEN]). Relativ früh im Film stellt sich heraus, die gute Trulla hat ein Geheimnis und dieses hält sie in einem verschließbaren Eisfach in ihrem Kühlschrank versteckt. Ja, wird da doch nicht wohl der bei dem Autounfall abgetrennte Kopf ihres Liebhabers drin sein, oder!? ...Doch, genau das ist der Fall. Oder doch nicht!? Und woher hat Jane den Kopf ihres Liebsten überhaupt? Keiner weiß es...
MACABRO hält den Zuschauer, obwohl er dieses pikante Detail relativ früh einbaut, doch recht lange im Unklaren, ob es sich bei dem Kopf nicht in Wahrheit um eine Halluzination des Blinden Roberts oder eine Intrige von Janes wahnsinniger Tochter handelt, die nämlich eigentlich für den Tod des Sohnemannes verantwortlich war. Oh ja, das freche Gör meldet sich auch auf dem Spielplan. Trotz aller Unklarheiten bezirzt uns MACABRO mit wahrhaft makaberen Szenen von der nackten Jane, die sich auf überaus frivole Weise mit dem abgetrennten Kopf verlustiert, mit ihm Liebe macht, ihn abschmust, abknutscht und ihn mit zum Kuscheln ins Bett nimmt - sieben Jahre vor NEKROMANTIK im streng katholischen Italien wohlgemerkt.
Neben einer stets luftig gekleideten Hauptdarstellerin, einem Kopf im Kühlschrank und ein bisschen Rätselraten um Sinn und Zweck des Ganzen bietet MACABRO aber in der Tat vor allem Langeweile und Stirneruntseln. Wer fleißig ausharrt, bekommt aber einen finalen Twist geboten, der sich gewaschen hat und der den Film über den durchschnittlichen Gruselkrimi erhebt. Ja, ich will fast sagen, der Showdown macht aus MACABRO einen wahrlich sehenswerten Streifen. Also für all diejenigen, denen die dargestellte Nekrophilie noch nicht ausreicht.
Fazit:
Zu Beginn zähes, dann aber doch ordentlich morbides und auch spannendes Filmchen mit Krimi- und Horrorelementen. Ein kleiner Geheimtipp, wenn man so will. Bava jun. stellt Köpfchen unter Beweis. Auch wenn dieser tiefgekühlt im Eisschrank liegt.