Review

Die folgende Kritik beinhaltet SPOILER!

Lieber Nekrophilie als gar keinen Sex?

Jane Baker (Bernice Stegers), auf gut Deutsch Jane Baxter (das Baker klang wohl nicht spektakulär genug), hat eine außereheliche Affäre mit Fred Kellerman (Roberto Posse). Töchterchen Lucy (Veronica Zinny) weiß das & ist darob so erbost, dass sie als Strafe ihr kleines Brüderchen in der Badewanne ertränkt & es wie einen Unfall aussehen lässt. Als Jane & Fred davon erfahren, rasen sie zum Ort des "Unglücks", wobei Fred erst die Kontrolle über den Wagen & infolgedessen dann auch seinen Kopf verliert. Verständlicherweise hat Jane ob des doppelten Verlustes einen kapitalen Nervenzusammenbruch.

Ein Jahr später darf sie die Klinik als geheilt verlassen & mietet Freds ehemalige Bleibe im Haus des blinden Robert Duval (Stanko Molnar). In der Wohnung hat sie Fred zu Ehren nicht nur einen Schrein errichtet, sondern sie hat auch ein Fach im Kühlschrank mit einem Schloss versperrt. Was da wohl drin ist? Das fragt sich auch der neugierige & handwerklich sehr begabte Robert, der zudem von den nächtlichen Lauten (quietschende Bettfedern, Liebesgeflüster, erregtes Stöhnen) aus ihrer Wohnung irritiert ist. Ob da ein Zusammenhang besteht?

Nach Sichtung von Lamberto Bavas Regie-Erstling soll Papa Mario sehr stolz auf seinen Sohn gewesen sein & gesagt haben, dass er nun in Frieden sterben könne, was er ca. zwei Monate später auch getan hat. Die Außenaufnahmen entstanden in New Orleans, am Drehbuch schrieb Pupi Avati mit, die gelungene Bildgestaltung stammt von Franco Delli Colli & die Musik (mal stimmig jazzig, mal melancholisches Piano, mal schrille Streicher) steuerte Ubaldo Continiello bei. Im Kern ist Macabro eine morbide Charakterstudie mit einer zentralen Figur, die auf den ersten Blick recht normal & beherrscht wirkt, der bei näherer Betrachtung jedoch anzusehen ist, dass sie auf der Klinge des Wahnsinns dem Abgrund entgegen tänzelt.

Und so ist jederzeit klar, dass der Film unschön enden wird, es sei denn, man ist ein abgetrennter Kopf, der, wie uns der so unnötige wie aufgesetzt wirkende Schluss-Schock suggeriert, ein unheiliges Eigenleben entwickelt hat. Der (sexuell aufgeheizten) Atmosphäre des Grauens haftet etwas trauriges & gequältes an, ist die Hauptfigur, im Gegensatz zu ihrem Biest von Tochter, doch nicht per se böse. Macabro ist ein trister, freudloser, sich langsam entwickelnder Slow-Burner, der die Thematik sehr ernst nimmt & von Bava weitgehend zurückhaltend inszeniert wurde. Wer vom guten Lamberto nur seine Gialli & Dämonenfilme kennt, dürfte (angenehm?) überrascht sein.

7,5/10

Details
Ähnliche Filme