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Ähnlich wie im Alien-Invasionsfilm beginnt auch hier alles auf dem Lande: Aus dem Nichts tauchen Unruhestifter auf und bedrängen zunächst eine unschuldige junge Frau auf dem Nachhauseweg, strecken ihren Beschützer mit unlauterer Waffengewalt nieder und machen sich schließlich im anliegenden Dorf breit. Sie belagern Essensstände und pöbeln jeden an, dessen Gesicht ihnen nicht passt. Ein rotes Tuch natürlich für unseren Helden, dessen Gerechtigkeitssinn ihn dazu zwingt, sich als Einzelkämpfer einer organisierten Bande von Verbrechern gegenüberzustellen...

Einer gegen alle, ein paar mühelose Siege und eine schmerzvolle Niederlage aus der Hochmut geboren, ein Rückzug in die Berge, wo der Meister im enervierenden Takt die Trainingsglocke schlägt und dann die glorreiche Wiederkehr mit frisch aufgeladenen Todesfäusten... Das Drehbuch heftet sich sklavisch an traditionelle Vorgaben und arbeitet dabei ein vorgeschriebenes Kapitel nach dem anderen ab. Chang Cheh pflegt die altbekannten Bestandteile lieber zu perfektionieren anstatt zu alternieren. Mit einem guten Auge für die Dynamiken in solchen Gut-gegen-Böse-Konstellationen gelingt ihm das durchaus: „Der Todesblitz der Shaolin“ ist trotz altbackenen Ablaufs stringent erzählt und verbindet im Zuge dessen Handlung und Kampfszenen fließend miteinander.

Dabei kann sich Cheh ohne Weiteres auf seinen Hauptdarsteller verlassen. Die unkonzentrierten Verhaltensweisen schelmischer Taugenichtse aus vergleichbaren Schüler-Meister-Konstellationen scheinen auch in Alexander Fu Sheng zu schlummern, doch er bündelt sie in eine Art idealistischen Trotz, der die ersten Duelle mit diversen Handlangern emotional wuchtig erscheinen lässt. Nach einigen gewonnenen Kämpfen gesellt sich auch noch eine Spur Bruce-Lee-Überheblichkeit hinzu. Dass diese auf dem Höhepunkt von einem zurückhaltend spielenden Johnny Wang brutal geerdet wird, gehört zu den einfachen Kniffen, mit denen die Spannung durchweg gehalten wird.

Noch dazu kann man auf eine gekonnte Inszenierung zählen. Gerade bei den gut verteilten Martial-Arts-Einlagen fährt die Kamera intuitiv mit den Bewegungen der Akteure mit und erzeugt so einen dynamischen Ablauf der Duelle, wenngleich das Foley Design es mit seinen lauten Kick- und Punch-Sounds an mancher Stelle dezent übertreibt. Im Finale werden außerdem Trainings-Flashbacks per ansprechender Freeze-and-Go-Montage in die Moves geschnitten. Die besondere Heimtücke der Gegner liegt darin, dass sie in kritischen Situationen stets eine Waffe aus dem Ärmel ziehen – im Falle Wangs eine Stahlklaue im Stil des Street-Fighter-Charakters Vega, die sich den Gegnern gerne mal gnadenlos in den Bauch rammt, bis das grellrote Kunstblut spritzt. Und bei weitem bleiben die starken Momente nicht auf den Helden und seinen Finalgegner beschränkt; auch in den Nebenrollen gibt es reichlich Charaktervisagen, die ihre speziellen Momente bekommen, unter anderem Leung Ka-Yan als wichtigster Handlanger und Chen Hui-Lou als Meister in den Bergen mit typisch sadistischem Ausbilder-Gen.

Schade, dass bei diesem engagierten Zusammenspiel die Kulisse so tot wirkt, was neben den üblichen Studiobauten in diesem Fall auch die Statisten einbezieht. In einer Szene kommen die Ladenbesitzer aus ihren Löchern gekrochen, um sich darüber zu beschweren, dass ihre Geschäfte durch die Raufereien zunichte gemacht werden; ansonsten könnte man meinen, Fu Sheng und seine Widersacher duellierten sich in einer Geisterstadt, was die Verbrechen alles in allem recht ziellos erscheinen lässt. Andererseits hat das beinahe Theater-Qualitäten: Die Lebendigkeit der Kulisse muss man sich dann eben hinzudenken. Angesichts der Lebendigkeit der Hauptakteure sollte das ein Kinderspiel sein.

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