Review

Im Grunde ist das ja ein tröstlicher Gedanke : ich kann mein Leben verändern, ich kann mich an meinem eigenen Schopf aus dem Sumpf herausziehen, gerade in der größten Misere liegt die Chance auf ein neues Glück...all das ist richtig, aber jeder weiß, es funktioniert nur, wenn man so überhaupt nicht darauf hofft, wenn man so richtig ins Leben eintaucht ohne irgendwelche Erwartungshaltungen....

Gibt es etwas Schwierigeres ? - Kaum, aber um so beliebter ist dieses Motiv in Hollywood, eben der Traumfabrik, die uns in ihren besten Momenten Lebensmut gibt oder wenigstens einfach gut Laune beschert.

Die eigentliche Handlung spielt bei diesem Motiv eher eine untergeordnete Rolle, entscheidend ist, kann ich mich in diesen Film hinein fühlen.

Dabei sind zwei Grundkomponenten unverzichtbar :

- ist das Schicksal des/der Gebeutelten für mich nachvollziehbar? - Habe ich ähnliche Momente schon erlebt ? Habe ich mich schon ähnlich gefühlt ?
- ist das Glück, daß dem/der Gebeutelten plötzlich widerfährt auch etwas ,was ich mir wünsche ? - Kann ich die Sehnsucht danach nachempfinden ?

Dazu spielen natürlich auch einige Nebenkomponenten eine nicht unwichtige Rolle :

- die Nebenpersonen sollten lebensecht wirken, Umgebung ,Familie, Freunde usw. sollten einen Raum bilden, in dem man sich auch als Betrachter heimisch fühlt
- auch die Feindbilder sollten bekannt sein und am besten man haßt sie gleich mit

Dieses Rezept wurde schon häufig angewendet, aber es funktioniert nur selten. Wichtig ist dabei jedes Detail, schon mit kleinsten Nachlässigkeiten kann man eine Atmosphäre zerstören, aber natürlich kann kein Film jeden Menschen erreichen, denn diese obengenannten Regeln sind ja sehr subjektiv zu empfinden und - das schöne daran - kaum intellektuell zu beeinflussen.

Ich erinnere mich an ein besonders krasses Beispiel gerade im Zusammenhang mit einem der klassischsten "Feel-Good-Filme", den "Blues Brothers". Während ich nach dem ersten Mal des Ansehens stundenlang high durch die nächtlichen Straßen rannte, meinte eine Freundin am nächsten Tag nur " Das ist doch der blöde Film mit den vielen Verfolgungsjagden". Ich saß halt bei den Jungs auf der Rückbank, während sie über die letzte Reihe im Kino nicht hinaus kam - aber das kann man nicht beeinflussen.

Warum ich so lange über diesen Theorien schmore ? - Ganz einfach - dieser Film hat genau das bei mir bewirkt, er hat mich an sich gerissen ,mich jede Sekunde unterhalten und entließ mich mit einem Glücksgefühl - bei mir hat er alles richtig gemacht.

Kirsten Dunst habe ich schon einige Male einfach überzeugend gesehen. Irgendwie ein ganz individueller Typ, der einfach warmherzig, intelligent und immer auch überraschend herüberkommt.

Orlando Bloom stehe ich deutlich skeptischer gegenüber, aber hier gefällt er mir sehr gut in der Rolle des plötzlichen Losers. Er ist ja nicht unbedingt der Besetzungsfavorit für schwierige, psychisch anspruchsvolle Rollen, aber gerade das er hier die ganze Zeit so ruhig und niemals richtig aus der Haut fahrend spielt - selbst als er sich zu Beginn umbringen will, wirkt er dabei eher als repariere er das Trimmrad - paßt einfach zu seinem Typ. Denn gerade die Unfähigkeit Emotionen zu zeigen ist ja ein Grund für die Misere in der er steckt....

Oder die wunderbaren Szenen in Elizabethtown, etwa bei seiner Familie oder im Hotel mit der witzigen Hochzeitsgesellschaft. Sicherlich hat man das Alles irgendwie schon mal gesehen, aber hier stimmt es eben, so daß man sich geradezu freut, wenn Drew (Orlando Bloom) zwischendurch immer mal wieder dem Bräutigam im Hotel begegnet. Auch die gesamten Familienangehörigen wirken auch in ihrer Skurilität nie übertrieben.

Viele Nebenrollen sind sehr gut besetzt. Alec Baldwin gibt Drew's Chef, der mit absoluter Brillanz Drew nicht die geringste Chance zu einer - selbst nur innerlichen - Entschuldigung seines Vergehens gibt. Jessica Biel macht in einer Art und Weise mit ihm Schluß als trauere sie selbst über diese nicht zu ändernde Entscheidung und Susan Sarandon als Drew's Mutter spielt überzeugend die Witwe, die nach dem Tod ihres Mannes in Hyperaktivität verfällt und dann mit unnachahmlicher Eleganz einen ganz einfachen Tanz bei der Trauerfeier aufführt.

All diese Dinge können ganz schnell peinlich sein oder übertrieben wirken, die Grenze ist sehr schmal, aber hier stimmt es einfach - deshalb empfehle ich einfach, verlaßt die Stuhlreihen im Kino oder den bequemen Sessel vor dem Bildschirm und rein mit Euch ! (9/10).

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