Da ich gestern Abend nichts zu tun hatte, da alle Freunde entweder in der Woche außerhalb sind oder AWOL waren, bin ich 10 Minuten vor Ladenschluss in die Videothek gependelt und stand nun vor der schwierigen Frage: Horror oder Gefühl? (genauer gesagt: Reeker oder Elizabethtown). Bin dann doch bei Elizabethtown gelandet.
"I'm fine"
Die Story beginnt mit Drew Baylor (Orlando Bloom), der gerade die Katastrophe seines Lebens durchmacht. Er ist Designer einer großen Schuhfirma in Oregon (nicht Kalifornien), und sein neustes Modell "Späsmotica" ist ein dermaßener Fehlschlag, dass es seiner Firma aufgerundet eine Milliarde Dollar Verlust beschert hat. Drew wird natürlich entlassen, mit dem Wissen, dass ein großer Bericht über sein Fiasko diesen Sonntag in einem Fachblatt erscheinen wird. Also geht er nach Hause, wirft all seinen KRempel auf die Straße und plant seinen sehr originellen Austritt aus dem Leben. Suizid für Bastler sozusagen. Im entscheidenden Moment klingelt das Telefon und seine Schwester berichtet ihm vom Tod des Vaters in Kentucky. Da er der Älteste der Kinder ist, soll er sich darum kümmern, dass die Asche seines Vaters nicht in Kentucky beigesetzt wird. Im FLugzeug lernt er die Flugbegleiterin Claire (Kirsten Dunst) kennen, und siese Begegnung lässt Drew das Leben aus einer völlig neuen Perspektive sehen...
Was genau ist dieser Film? Komödie? Drama? Road-Movie? Romanze? Selbstfindungstrip? Ein bisschen von allem findet sich in Elizabethtown wieder. Voller Höhen und Tiefen wird man Zeuge, wie ein junger Mann, der eigentlich schon aufgegeben hat und praktisch auf seiner letzten Reise ist, Stück für Stück die Liebe am Leben wiederfindet.
Die Schauspieler sind dabei allererster Sahne. Orlando Bloom spielt wunderbar und bringt eine gewisse unbeschwerte Coolness rüber und Kirsten Dunst ist so präsent, dass sie in jeder ihrer Szenen praktisch formatfüllend erscheint - bildlich gesprochen. Auch der Supportcast kann sich sehen lassen, ist er doch bis in die kleinste Nebenrolle perfekt besetzt.
Die Geschichte an sich ist schon rührend, doch in punkto Bildkomposition holt Crowe noch jede Menge an Gefühl heraus. Seine Bilder sind kleine, fein komponierte Kunstwerke, von denen keines überflüssig erscheint. Abgerundet wird das Ganze von einem Soundtrack der obersten Klasse, der an jeder Stelle perfekt passt, nie übermusikalisiert wirkt und sich fließend ins Gesamtwerk einpasst.
Einen Wohlfühlfilm würde ich es nicht notwendigerweise nennen, denn wie der Film wirkt, ist ein wenig zu relativ. Eher ist es ein gefühlsverstärkender Film. Menschen, die im Leben sehr glücklich sind, können hinterher sicher auf ein 100%iges "Mir geht es gut"-Gefühl eingestimmt sein, einsame Menschen werden sich hinterher vielleicht noch einsamer fühlen, traurige Menschen werden sich zunehmend an die traurigeren Szenen zurückerinnern und so weiter. Bei mir hat der film jedenfalls gut funktioniert, denn ich habe hinter bei schwül-angenehmen Temperaturen auf der Terasse gesessen, ein Bier in der Hand und melancholische Musik laufen lassen.
Elizabethtown...ein Erlebnis, eine Gefühlskanone, ein toller Film für die substitute people. Ein kleines Meisterwerk.
If it wasn't this...it'd be something else.