Review

Wem immer eine innere Stimme vom Besuch Cameron Crowes’s „Elizabethtown“ abgeraten hat und diesem Ruf gefolgt ist: gut gemacht!
Der jüngste Film des „Almost Famous“-Regisseurs entpuppt sich nämlich als Beinah-Kopie von „Garden State“, denn in beiden Film gerät der Protagonist in eine Sinnkrise, kehrt heim, bringt ein Elternteil unter die Erde und findet eine neue Liebe. Das war’s!

Während man solche Banalitäten Zach Braff aber noch durchgehen lassen kann, weil „Garden State“ sein Regiedebut war und er die relativ platte Story durch visuellen Einfallsreichtum bis zum Exzess aufzuwerten in der Lage war, hat Crowe gar nichts zu bieten.

Das heißt, moment, vielleicht hatte er einfach zu viele Ideen (das hat er sogar zugegeben), denn aus mehreren Storyfragmenten wurde gemäß seiner Interviews hier ein Film.
Das merkt man dem fertigen Werk leider deutlich an: zunächst scheint der Tonfall in Richtung einer Karriere-Satire (Orlando Bloom fährt die achtjährige Entwicklung eines neuen Sportschuhs in den Sand, was seine Firma fast eine Milliarde Dollar kostet) zu gehen, was Crowe schon mit dem unsäglichen „Jerry Maguire“ in den Sand setzte, dann paaren sich ungeschickt Love Story (übers Telefon) und familiäre Auseinandersetzung (viiiiiele skurile Leute aus den Südstaaten) und am Ende machen wir eine flotte ZDF-Reportage durch die schönsten Besuchsziele Kentuckys, um den Lebensmut wieder zu finden.

Nichts davon greift ineinander.
Machen die ersten Minuten mit Daniel Baldwin noch Spaß („Wir hätten den Planeten retten können!“), fährt die Aussteiger/Versager-Story schnellstmöglichst an die Wand. Das liegt an den wirklich vollkommen gehaltlosen Dialogen, die nicht nur leer und banal sind, sondern auch ständig aneinander vorbeigehen, wenn nicht irgendwelche nervtötenden Lebensphilosophien aus Aufbauseminaren oder Großmutters Zeiten zitiert werden.
Der Zuschauer wird mit Orlando Bloom wehrlos in ein Panoptikum von seltsamen Familienfiguren geworfen, die alle keine Kontur und keinen Zweck in der Handlung haben; die schwierige Beziehung zum Vater wird allenfalls erwähnt, aber nicht illustriert und das wesentliche Stück dieses Erzählstrangs besteht doch tatsächlich daraus, dem Sohn eines Verwandten mittels eines Lehrvideos („Wenn ihr auf eure Eltern hört, dann sprenge ich dieses Holzhaus jetzt in die Luft!“) die Dauerkreischerei abzugewöhnen.

Dazwischen gönnt das Skript Bloom hyperaktiver Mutter und Witwe ein paar mäßig witzige Szenen und eine brauchbare Szene auf der Trauerfeier (Susan Sarandon sorgt für den zweiten erinnerungswürdigen Augenblick) und sonst telefonieren sich Bloom und Kirsten Dunst einen Wolf, ohne dass das da was Brauchbares bei herauskommt.
Das geht ewig so weiter, bis sich die beiden aus nicht näher begründbaren Gründen (ich gebe zu, mein Hirn hat auf halber Strecke auf Notstrom geschaltet) trennen und sie ihm eine Tour durch die Südstaaten zusammenbastelt, die er dann mit der Asche seines Vaters auch durchzieht (immerhin: schöne Gegend).

Schauspielerisch ist das durch und durch eine Katastrophe: Kirsten Dunst fehlt jegliche märchenhafte Leichtigkeit für diesen romantischen Charakter und ist am grellen Dauergrinsen, Orlando Bloom dagegen stellt einen Weltrekord darin auf, wie ein Stück Holz zu agieren, hier fehlt dem Ex-Elben einfach der mimische Unterbau, um funktionieren zu können.

„Elizabethtown“ gerät damit zu einem seltenen Fall: er ist nicht romantisch, sondern nur behäbig; er ist nicht lustig, sondern strampelt wie wild um nicht vorhandene Exzentrik; er ist nicht aufbauend, weil er seine Lebensweisheiten so banal und postkartenhaft transportiert, wie sie nun mal sind, wenn man sie nicht in den Zauber einer Handlung pressen kann; er ist schlecht gespielt und mäandert ziellos vor sich hin und langweilt so schon nach einer Dreiviertelstunde enorm, läuft dann aber doch zwei Stunden.

Darum meine Empfehlung an den Regisseur: wenn schon eine Zettelsammlung verfilmen (wie es Richard Curtis mit „Tatsächlich, Liebe“ getan hat), dann sollten die Selbstzitate und Referenzen wenigstens unterhaltsam sein.
„Elizabethtown“ ist ein komplettes Wrack, dass seine wenigen Zuschauer wohl nur aus der Popularität seines überforderten Hauptdarstellers gewonnen hat.

Wie es im Film öfters erwähnt wird: "Wenn es nicht das ist...ist es etwas anderes!"
Das ist zutreffend, aber das hat Mr.Crowe leider nicht gefunden.(2/10)

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