"Erfolg, nicht Größe, war der einzige Gott, dem alle Welt diente"
Bewaffnet mit einem Kissen zur Abwehr einer erwarteten Bonbon-Romanze zog ich mir auf Empfehlung einer Freundin "Elizabethtown" rein (witzigerweise lässt sich erwähnte Freundin Elizabeth rufen). Mit großer Überaschung musste ich aber feststellen, dass es sich hier um eine Dramödie handelte. Zugegeben, die naive Bonbon-Romanze ist vorhanden beansprucht aber nur einen Teil der knapp 2-stündigen Laufzeit.
Bitter muss sich Drew Baylor (Orlando Bloom) mit eingangs erwähntem Zitat herum schlagen. Er hat einen Schuh entwickelt, welcher sich nicht verkauft. Seine Firma zieht die Notbremse und lässt alle Exemplare Retour gehen... und feuert ihn. "Es geht mir gut", sagt er stetig während des verlassens zu seinen einstigen Kollegen. Dass dem nicht so ist erkennt man an seinem geplanten Suizid Versuch mit einem zur Mordmaschine umgebauten Fitnessrad. Aber gerade als er in die Pedale treten will klingelt das Handy (Anmerkung: Bei solchen Vorhaben unbedingt das Handy ausmachen! ;-) ) und er erhält die Nachricht vom Tode seines Vaters. Hollie Baylor (Susan Sarandon), seine völlig aufgelöste Mutter, bittet ihn die Leiche seines Vaters von Kentucky nach Oregon zu bringen. Auf dem Fug dorthin lernt er die als Stewardess arbeitende Claire Colburn (Kirsten Dunst) kennen, die ihm recht aufdringlich eine Wegbeschreibung aufdrängt... inclusive Handynummer...
Was diese Familientragödie interessant macht ist der sich beißende, sarkastische Humor. Gerade die Ironie und der gedankliche Zynismus des Hauptcharakters sind immer einen Schmunzler wert. Und diese Heiterkeit trotz Dialogen über das Menschsein, den Wahnsinn der Masse und eine Welt in der beinahe nur der Erfolg zählt unterzubringen, ist schon beeindruckend.
Zwischen der charmant, naiven Lovestory und skurrilen Situationen steht der Verarbeitungprozess des Schmerzes durch Verlust eines Familienmitgliedes. Hierbei sieht man zwei Varianten: Einerseits die Flucht vor dem Schmerz durch extremen Stress, Arbeit und Ausführung neuer Hobbies, welcher sich Hollie Baylor, die nicht gern gesehen Frau des Verstorbenen, annimmt. Andererseits das ruhige, gelassene verarbeiten innerhalb der Familie. Letzteres erfährt Drew Baylor durch auf dem Lande lebende Menschen die er vorher kaum kannte. Der Unterschied zwischen den Wünschen des Begräbnisses der Großstädter (einäschern) und der ländlich lebenden Angehörigen (begraben) werden verdeutlicht und führen zu einem Twist innerhalb des Hauptcharakters.
Die Zugpferde sind hier eindeutig Legolas und Mary-Jane... ähm Orlando Bloom und Kirsten Dunst. Die Rolle des gescheiterten Großstädters der seinem Leben ein Ende machen will nimmt man Bloom anfangs ab. Im Laufe der Zeit entwickelt sich seine Figur weiter und empfindet wieder mehr Lebendfreude, was durch sein charmantes, etwas zu häufiges lächeln ebenfalls passt. Quirlig präsentiert sich Kirsten Dunst's Figur, die, von einer Szene ausgenommen, stets für Heiterkeit sorgt und das Gespann somit perfekt zusammenhält.
Zu erwähnen ist noch Susan Sarandon, welche sich als undurchschaubare Exzentrikerin gibt. Alles hat einen tieferen Sinn, somit werden die Charakterzüge ihrer Figur gegen Ende aufgeklärt und in die Geschichte eingebunden.
Die Musik unterlegt das Geschehen sehr passend. Gerade zum Schluss, wo sich Drew Baylor auf der Rückreise befindet, wird nochmals aufgetrumpft. Hier gibt es einige schöne Landschaftsaufnahmen von Kentucky und der Gegend zu bewundern.
Negativ bewerten muss ich die Maske, die einen Toten äußerst gesund und lebendig belassen hat. Vielleicht war dies als Stilmittel gedacht, die Kälte des Todes zu minimieren, was aber nicht zum sonst recht ernsthaften Unterton passt.
Typisches Hollywood Kino, clevere Dialoge, zynischer Witz aber ernsthafter Unterton und eine charmante aber auch naive Lovestory haben mich hier überascht. Es ist zwar kein "Forest Gump" aber geht in dessen Richtung. Manchmal lohnt es sich auf eine Orlando Bloom fanatische Freundin zu hören.
7 / 10