One Night In Bangkok... and the World's your Oyster
"P" hat zu seiner Veröffentlichung wenig Wirbel entfacht, obwohl damals J-Horror und Co. die Welt eroberten, und er ist über die 13 Jahre etwas in Vergessenheit geraten. Weltweit kaum Heimkino-Veröffentlichungen, keine Stars die er gebar und auch der britische Regisseur schwang sich danach nicht zu Höchstleistungen auf. "P" ist jedoch trotz all dem eine Entdeckung wert, vor allem wenn man auf exotischeren Horror abfährt. "Ginger Snaps" meets "Rigor Mortis". Dafür kann man Netflix als Auffangbecken solcher Perlen im Schattendasein nur danken. Streaming muss man also nicht immer verfluchen, ganz im Gegenteil. In "P" geht es metaphorisch gesehen um den Fäulnis erzeugenden, verderbenden Einfluss einer Großstadt wie Bangkok auf ein unschuldiges Mädchen aus dem Dschungel. Um ihre kranke Großmutter zu versorgen, fängt ein Mädchen aus dem Hinterland Thailands in der großen Stadt als Stripperin/Prostituierte an. Schnell findet sie gefallen am schmutzigen Lebensstil und leckt Blut... oder eher gesagt ein dunkler Geist in ihr.
"P" hat eine ätherisch-schwebende Aura. Etwas J-Horror, etwas lesbische Untertöne, etwas klassische Hammer-Schmiede. Durch den europäischen Regisseur fusionieren Westen und Osten sehenswert. Vor allem die Hauptdarstellerin kann man für ihre nuancierte Wandlung durchaus feiern. Großartig Spannung kommt zwar nicht auf, dafür sind einem außer ihr alle anderen Figuren zu egal und auch Gorefreunde müssen eher zurückstecken, doch "P" hat trotzdem ein faszinierendes Gespür einen zu berühren. Nicht sexy, nicht schockierend oder neu. Eher sensibel, anmutig und traurig. Selbst wenn die Metapher der giftigen Großstadt extrem offensichtlich auf der Stirn getragen wird. In manchen Sequenzen verschwimmen Traum und Realität, Verlangen und Angst, Wunsch und Wirklichkeit, sodass man sich in den atmosphärischen Bindern und fast psychedelischen Farben verlieren kann. Wenn man will. Und wenn man sich darauf einlässt. In der richtigen Stimmung.
Fazit: sinnlich und mystisch - "P" ist ein Thai-Grusler, dessen recht westliche Inszenierung ihm mal guttut und mal schadet (in dem er z.B. die Mädels extrem lange beim Tanzen einfängt). Okkult und okay. Würden ihn mehr kennen, könnte man glatt meinen neuere, gefeierte und berühmte Werke wie "The Neon Demon" oder "Raw" hätten sich ihren Teil abgeguckt...