Mit „Sherlock Holmes Faces Death" konnten die eingefleischten Holmes-Fans endlich wieder aufatmen. Denn mit diesem Film, dem sechsten Abenteuer aus der Rathbone/Bruce-Reihe, kehrte man endlich in vertraute Gefilde zurück und versetzte die beiden Helden in ein Umfeld, welches an die „Gothic Horror"-Epoche aus der Ära solcher Erzählungen wie „Der Hund von Baskerville" anknüpfte.
Zudem wird mit diesem Streifen einer Kurzgeschichte recht originalgetreu gehuldigt. Die Vorlage „Das Ritual der Familie Musgrave" war von den Zutaten wie geschaffen, in dieser Serie verewigt zu werden: ein uraltes Familien-Ritual als wirres Schriftstück, ein einsames Schloss mit verwinkelten Geheimgängen und mehrere mysteriöse Morde sind die perfekten Eckpfeiler für eine aufregende Detektivgeschichte, wobei neben Watson auch Inspektor Lestrade wieder miträtseln darf, wobei natürlich Holmes wieder einmal umso mehr brilliert, je dümmer sein Gegenüber aus der Wäsche guckt.
Es stört diesmal eher wenig, dass auch dieser Teil - trotz mittelalterlichem Schlossflair - entgegen dem Original nicht in der viktorianischen Epoche angesiedelt ist. Denn auf Schloss Musgrave wurde ein Erholungsheim für kranke Offiziere eingerichtet, was auf alle Fälle ein dezenter Brückenschlag zum damaligen Kriegsgeschehen bedeutete. Aber diese Anspielung ändert nur wenig am nostalgischen Flair, denn die unter Dr. Watsons medizinische Fittiche gestellten Insassen sind skurril genug, um der Geschichte eine weiteren Pfiff zu geben, so gesehen also eine gelungene Erweiterung der Täter-Opfer-Palette aus der Vorlage. Auch die Rolle des ungehorsamen Dieners Brunton, der mehr als alle Musgraves um die Bedeutung des Rituals wusste und dafür teuer bezahlte, ist gut herausgearbeitet worden und fügt sich gut ins Gesamtbild ein. Ebenso beeindruckt das nachgestellte menschliche Schachspiel in der Schlosshalle, welches als Bestandteil des Rituals auf einen versteckten Raum hinweist, auch hier hat man die Vorlage schön weiterentwickelt und spannend aufbereitet.
Die Atmosphäre wird besonders getragen durch Grusel-Elemente, wie sie klassischer nicht sein können. Des nachts Blitz und Donner - gerade beim Vortragen des Rituals sehr anheimelnd -, das merkwürdige Schlagen einer Turmuhr (nämlich immer dreizehn Mal, bevor ein Mord passiert), dunkle Verliese und alte Schatztruhen und auch ein geheimnisvoller Rabe als Vorbote des Todes darf in dieser Kulisse nicht fehlen.
Auch Watson gibt hier sein bestes, während Lestrade einmal mehr die Rolle des dummen Inspektors ausfüllen muss. Der Zuschauer hat bis hierher ebenfalls fleißig mitgerätselt, denn die Hinweise auf den Täter sind nicht sehr offensichtlich und die wahre Bedeutung des Musgrave-Textes wiegt schwerer, als man am Anfang gedacht hatte.
Nicht zum ersten Mal gipfelt das Finale in einem raffinierten Täuschungsmanöver von Holmes, der dafür sorgt, dass sich der Täter quasi selbst entlarvt, ein Szenario, dass auch stark an das Auflösungsschema in den Miss-Marple-Klassikern erinnert und auch hier prima funktioniert.
Fazit: Wohltuende Rückkehr zu den Doyleschen Klassikern mit viel Spaß am Miträtseln und mehr als nur ein Hauch von Gruselatmosphäre. Klare Empfehlung für alle Holmes-Fans.