Nicht einmal ein halbes Jahr nach "Sherlock Holmes in Washington" machte die Serie um den Meisterdetektiv mit Basil Rathbone in der Hauptrolle eine dramaturgische und stilistische Kehrtwende zu den ursprünglichen Wurzeln der Romanfigur.
Nach drei Spionageabenteuern moderneren Zuschnitts geht der sechste Film "...faces Death" zurück in den Bereich des "Gothic Murder Mystery". Zwar kann man das Geschehen immer noch der Zeit des zweiten Weltkriegs zuordnen - die Handlung spielt auf dem Landsitz Musgrave Manor, den man als Hospital für kriegsverwundete Offiziere angemietet hat - aber sonst erinnert so gut wie nichts an die Kämpfe gegen die Nazi-Usurpatoren der vorangegangenen drei Foxfilme.
Man nahm die Bezüge (wenn auch nur teilweise) zu den Originalgeschichten wieder auf (hier: The Musgrave Ritual) und konzentrierte sich auf ein seltsames Rätselspiel rund um ein seltsames Ritual, eine rätselhafte Litanei, die gesprochen werden muß, sobald das führende Familienmitglied stirbt. Hier geben nun in rascher Folge gleich zwei Gebrüder Musgrave (und einer wie der andere unsympathisch) ungewollt den Löffel ab, gestorben an einer filigranen Stichwunde im Nacken.
Erfreulicherweise konzentriert sich das erste Viertel ausnahmsweise mal auf Watson, bei dem man schon die Hoffnung aufgegeben hatte, er könnte wirklich Arzt sein. Hier betreut er eine Gruppe Verwundeter (physisch wie psychisch), allerdings wieder mit der leicht weltfremden Attitüde eines spleenigen Mummelgreises, während der ständig Merkwürdigkeiten deklamierende Butler ihm mit Gespenstergeschichten Angst einjagen will.
Und Gruselatmosphäre ist auch geplant, im alten Schloß samt Ritterrüstungen, Geheimgängen und wehenden Vorhängen - hätte man jetzt vielleicht die ganzen Morde nicht vollkommen off-screen geschehen lassen (der Breen-Code verhinderte die Zurschaustellung von Grausamkeiten und Morden fast komplett während des Krieges), wäre es vielleicht noch spannender geworden.
Als Holmes hinzugezogen wird, sind die alten Verhältnisse dummerweise jedoch wieder hergestellt, der Meister macht seinen tumben Begleiter mehrfach verbal zur Schnecke und nur die originelle Idee, das Ritual als eine Art Schatzsuchanweisung für ein Schachspiel zu gebrauchen (obwohl das eigentlich anhand der Verse jedem offensichtlich sein sollte, fällt es nur Holmes auf), rettet atmosphärisch so einiges, was die schrägen Nebenfiguren der Patienten (die in aller Neugier ständig zusammen arbeiten, um nicht gänzlich als rote Heringe herhalten zu müssen) ein wenig zugunsten der Spannung aufwiegt. Auch Dennis Hoey als Lestrade ist wieder mit von der Partie und macht sich von der Verhaftung des offensichtlichsten Verdächtigen ohne Beweise bis zum Orientierungsverlust in Geheimgängen leider wieder mal zum Narren, was diesmal etwas Watson zugute kommt, der nicht ganz so tolpatschig wirkt.
Setting, Ausstattung und Effekte sind diesmal sehr gelungen, dafür präsentiert "Gespenster im Schloss" den bis dato langweiligsten Schurken, der eigentlich im Film bis zum Finale ziemlich wenig zu tun hat und dessen Motivation auch mehr mit Selbstüberschätzung zu tun hat. In Sachen Konstruktion ist das Finale in der düsteren Familiengruft eigentlich sehr gelungen, allerdings fällt es überwiegend verbal aus und ist erst im Nachhinein als so raffiniert erkennbar, wie es gemeint war.
Alles in allem eine manchmal etwas konstruierte, aber im Wesentlichen befriedigende Story, die ihre Möglichkeiten jedoch nicht vollständig ausreizen kann - dafür eine Freude zum Ansehen. Die deutschen Kürzungen (zweieinhalb Minuten) entstellten diesmal nichts, doch außer Streckungsgründen gab es eigentlich keinerlei Motivation für sie, insofern auch hier: überflüssig wie ein Kropf. (6/10)