Review

Mit "The Spider Woman" , dem siebten Beitrag zur Sherlock-Holmes-Serie, wurde sozusagen Bergfest gefeiert, auch wenn zu diesem Zeitpunkt noch niemand davon wissen konnte. Die Serie war auf bis zu 20 Filme in 7-8 Jahren angelegt und niemand konnte ahnen, daß sie schon im fünften Jahr nach dem 12. Beitrag (von Universal, die beiden Fox-Vorgänger gehen extra) enden sollte.
Mit "Das Spinnennest" näherte sich die Reihe wieder konventionellem Terrain klassischer Detektivarbeit an, nachdem man die patriotischen Felder in den ersten Filmen beackert hatte. "Gespenster im Schloß", der Vorgänger, war bereits näher am klassischen Detektivfilm inclusive Gothic Horror-Versatzstücken, von nun an gehörten Thrillermotive und gewisse Horrorversatzstücke erst einmal dazu.

"Spider Woman" ist einer der kürzesten Beiträge der Serie und selbst ohne die martialischen Entstellung des deutschen Verleihs hat er nur eine Laufzeit von unter einer Stunde.
Das macht aber gar nichts, denn der Film wird hier endlich wieder von einem guten, weil ausdrucksstarken Gegner getragen, nicht Moriarty, sondern einer von krimineller Energie aufgeladenen Frau. Davon ahnt man zunächst natürlich noch nichts, als eine Welle von Selbstmorden und Fensterstürzen (aufgrund des Zustandes der Opfer die "Pyjama-Morde" genannt) Holmes und Watson auf den Plan rufen. In einer raffinierten Sequenz jedoch täuscht Holmes während eines Schottlandurlaubs (man beachte Rückprojektionen!) seinen Tod vor (den der wie üblich tölpelhafte Watson auch ohne weiteres schluckt), um dann als indischer Spieler verkleidet nach dem Täter bzw. Verursacher zu suchen.
Es ist eine von Rathbones besten Masken, die ihn just in die Gesellschaft von Adrea Spedding bringt, dargestellt von einer geradezu satanisch gut aufgelegten Gale Sondergaard, die verführerisch, anzüglich, hintergründig und übertrieben zugleich ihm den Abschluß einer Versicherung andient, die ihn sanieren soll.
Sondergaard ist das Herzstück des Films und fasziniert durch eine undefinierbare Ausstrahlung, vor allem in der Sequenz, als Holmes als Spieler sich zu ihr begibt und man sich gegenseitig unerwähnt durchschaut. Noch besser fällt nach der Wiederauferstehung ihr Besuch in der Baker Street auf, bei dem sie durch ihren (stumm und seltsam agierenden) Neffen begleitet wird, den sie als mögliches Hilfsmittel bei den Morden ins Spiel bringt. Holmes hat inzwischen den Angriff durch eine Giftspinne (aus einem engen Lüftungsschacht) überlebt und weiß um einen kleinwüchsigen Helfer, wird aber mit seinem Freund trotzdem beinahe ein zweites Mal Opfer eines Mordanschlags.
Zwischendurch weiß Nigel Bruce wieder einmal (oder zweimal) als comic relief zu gefallen, wenn er erst Holmes bei seiner Wiederkehr als Postbote nicht erkennt (und ihm Schläge androht) und später einen Insektenexperten fälschlich für Holmes hält und diesen veralbert. Auch eine Sequenz bei einem berühmten Entomologen in einem abgelegenen Landhaus hat so seine Qualitäten.
Einen gewissen Abfall kann man erst im Finale verzeichnen, wenn Holmes relativ blauäugig seinen Gegnern in die Falle geht und hinter den Zielscheiben einer Schießbude platziert wird, wo ihn ausgerechnet Watson und Lestrade unwissentlich aufs Korn nehmen. Die Sequenz, die in der deutschen Fassung komplett ruiniert wurde, da sich Holmes hinter einer Hitlerfigur befindet und jeder Hinweis darauf aus nicht erklärbaren Gründen entfernt wurde, wirkt aber auch so ein wenig konstruiert und bemüht in die Länge gezogen, wirkt aber in der deutschen Fassung nur noch mehr wie wirres Flickwerk.

Dennoch ist der Film einer der besten Beiträge zur Serie, der mit guten Szenen angefüllt ist und wenig überflüssigen Ballast mit sich trägt. Die Mysteryelemente sind eher bizarr zu nennen (besonders Teddy Infuhr als der seltsame Neffe ist eine entwaffnend irritierende Figur) und Gale Sondergaard fügt dem eine Camp-Grandezza bei, die die meisten männlichen Gegner niemals hinbekamen. (7/10)

Details
Ähnliche Filme