„Score“ ist ein harter, temporeicher, aber leider auch sehr unorigineller Actionstreifen aus Fernost.
Chance (Hitoshi Ozawa) ist Bankräuber, den der Colonel, ein bekannter Gangsterboss, aus dem Knast geholt hat, damit er für ihn Raubüberfälle durchführt. Chance soll einen letzten Coup, einen Juwelenraub, landen, dann garantiert der Colonel ihm gefälschte Pässe und Bezahlung. Chance plant den Raub mit seinen Kumpels Right (Ryuushi Mizukami), Peking Duck (Masahiro Yamashita) und Tequila (Osamu Ebara) durchzuführen. Hier sind schon diverse Parallelen zu „Reservoir Dogs“ zu erkennen, wobei das Aussparen des eigentlichen Überfalls wohl der dreisteste Klau ist.
In der gleichen Gegend ist auch das Gangsterpärchen TJ (Kazuyoshi Ozawa) und Sara (Miyuki Takano) unterwegs, die noch darauf warten, mal richtig Beute bei einem Coup zu machen. Doch als einer der Fluchtwagen beinahe Sarah überfährt, schalten sie schnell und folgen den Räubern zu einem alten Fabrikgelände. Der Rückzugspunkt erinnert wieder extrem an „Reservoir Dogs“, das Gangsterpärchen lässt doch einige Anleihen bei „True Romance“ und „Natural Born Killers“ erkennen.
Auf dem Fabrikgelände kommt es bald zu diversen Konfrontationen: Die Räuber untereinander beginnen sich darüber zu streiten, ob sie dem Colonel wirklich die Beute geben sollen, während TJ und Sara in den Besitz der Klunker gelangen wollen. Zudem ist der Colonel zum Abholen der Beute unterwegs…
„Score“ verspielt einige Sympathien, weil der Film einfach zu viel klaut. Bei den Szenen auf dem Fabrikgelände kommen immer wieder Erinnerungen an ähnliche Szenen in „Cyborg“, „Trespass“ und „Harte Ziele“ hoch. Aus letzterem wurden sogar einige Szenen eins zu eins kopiert (z.B. werden die fliegenden Pfeile genauso dargestellt wie in dem Woo-Werk). Neben diversen weiteren Anleihen bei „Killing Zoe“, „Hard Boiled“ usw. ist vor allem „Reservoir Dogs“ der eigentlich Ideengeber: Nicht nur das Outfit der Räuber und der Storyverlauf sind arg geklaut, sondern auch diverse Wendungen wurden komplett übernommen, wobei vor allem der extrem dreiste Klau am Ende verärgert.
Dabei funktioniert der Film erzählerisch gar nicht mal schlecht: Auf dem Fabrikgelände entspinnt sich bald ein temporeiches Jeder-gegen-jeden, dass kaum Längen hat. Doch durch die extrem geklaute und auch recht konventionelle Story kann man den weiteren Verlauf der Handlung leider ziemlich präzise vorausahnen, was auf Kosten der Spannung geht. Nebenbei werden noch Dinge wie Männerfreundschaft usw. thematisiert, was gar nicht mal misslungen ist, aber auch nicht den gleichen Tiefgang wie bei Woo und ähnlichen Regisseuren hat.
Die Action besteht aus ein paar Stunts und diversen Shoot-Outs. Die Stunts (überschlagende Autos usw.) sind gemessen am geringen Budget des Films doch recht spektakulär geraten und können überzeugen. Auch die Schießereien sind meist ziemlich gut inszeniert; nur einige, wenige sind etwas wirr in Szene gesetzt (Stichwort: ziellos wirbelnde Kamera). Doch man kann ein paar sehr blutige Einschüsse in der ungekürzten Fassung bewundern und es sieht zudem recht schick aus, wie die Gangster sich beim Herumrollen, durch die Gegend hechten usw. recht akrobatisch beharken. Die Menge ist auch in Ordnung, auch wenn es keine Dauerballerei ist, die bei dieser Simpelstory durchaus drin gewesen wäre.
Die Darsteller spielen auf möglichst cool getrimmt, gehen aber für einen asiatischen Actionfilm durchaus in Ordnung, denn hier ist ja öfter heilloses Grimassieren an der Tagesordnung. Die deutsche Synchro klingt etwas prollig (ich weiß aber nicht, ob die Dialoge im O-Ton besser sind), aber zum Glück ist „Score“ kein Dialogfilm.
So bleibt relativ unterhaltsamer Actiondurchschnitt dank der Ballereien und Stunts, aber die vorhersehbare Story und der dreiste Ideenklau kosten Sympathien.