Nachdem das Jahr 1944 zu einem atmosphärischen Hoch in Bezug auf die Qualität der Sherlock-Holmes-Serie gesorgt hatte, begann im letzten Kriegsjahr die endgültige Talfahrt. Nicht daß die Fälle jetzt unter ihrer Beliebigkeit litten oder das Schicksal der Rathbone-Filme, meistens als zweiter Film der berüchtigten B-Movie-Doublebills unter Wert geschlagen zu werden, aus der Serie war schlicht und ergreifend langsam die Luft heraus.
Es schien, als hätte Roy William Neal nach drei Höhenflügen seinen kreativen Schwung verloren und einer der signifikantesten kreativen Fehlschläge war "The House of Fear", der zehnte Film der Reihe, obwohl gerade diese einstündige Story trotz einer scheinbaren Rückbesinnung auf die viktorianischen Wurzeln zeitlos zu sein schien.
Es gibt weder Kriegsbezüge noch geniale Verbrecherhirne, stattdessen scheint der Film ein seltsames Rachemystery-Spiel zu sein, bei dem sieben Männer des Clubs der "Guten Kameraden" einer nach dem anderen effektvoll aus dem Leben scheidet, nachdem er bei ihren gemeinsamen Mahlzeiten jeweils einen Umschlag mit Orangenkernen erhalten hatte, immer in der Anzahl der noch lebenden Mitglieder. Daß Holmes von einem Rätsel angezogen wird, war mehr als typisch und die Tatsache, daß es die Maxime des spukhaften Schlosses sein soll, seine Opfer nie mit unversehrtem Leib in die nächste Welt zu befördern, verspricht einige effektvolle Tode, die dann auch in rascher Folge aufgereiht sind.
Allein, das alles macht nur auf dem Papier oder in der Nacherzählung einen wirklich guten Eindruck, denn fast alle Tode geschehen außerhalb des Bildes, zwei werden zu Beginn von einem Versicherungsagenten nacherzählt, als Holmes und Watson im Haus ankommen, ist der Dritte im Bunde bereits eingeäschert. Auch in der Folge wird alles Spektakuläre bloß anhand der Tatorte nacherzählt, wie überhaupt im "Schreckenshaus" eine Menge geredet wird. Die Charaktere des Männerclubs wirken in der heutigen Zeit ein wenig eigenartig und sonderlich, für den Fall an sich sind sie relativ irritierend und daß der Film natürlich auf einen gewissen Twist heraus will, wird leider schon nach kürzester Zeit oberdeutlich, als gewisse Eigenarten der Todesarten just von Holmes mehrfach als besonders bemerkenswert herausgestellt werden.
Daß es zudem an einer möglichen Motivation für einen Mörder lange Zeit mangelt, es kein Verschulden, kein schlimmes Erlebnis in der Vergangenheit gibt (wie etwa in Conan Doyles Kurzgeschichte "The Five Orange Pips", auf der der Film übrigens nur hinsichtlich des Gebrauchs dieser ungewöhnlichen Requisiten basiert), deutet das für den aufmerksamen Beobachter schon sehr bald in eine spezielle Richtung.
Die Auflösung des Falls ist dann auch wenig aufregend, sogar ein eher aktionsarmer Tiefpunkt in einem eh schon sehr flachen Film, in dem man sich meistens darüber wundert, wie ruhig die Figuren auf die ständig folgenden Todesdrohungen reagieren. Der Hauptteil des Showdowns wird dann in einer halben Slapsticknummer auch noch Nigel Bruce überlassen, der wieder einmal nicht sonderlich mit Sympathiewerten bei gleichzeitiger erwiesener Unfähigkeit punkten kann. Paul Cavanagh (eine Vincent Price nicht unähnliche Figur) als süffisant ruhiger Dr.Merrivale ist meistens beherrscht dabei, sich ausgiebig verdächtig zu machen und Aubrey Mather als der kahle, etwas sissyhaft-amüsierte Alastair ist einfach nur noch bizarr. Und der alte, polternde Kapitän und Seebär stammt praktisch aus einem Bausatz für derlei 10-Negerlein-Krimikomödien.
Was die Hauptfiguren angeht, so ist Holmes diesmal ein bißchen weniger bissig gegenüber Watson (eher spröde herablassend) und positioniert sich selbst als derjenige, dem ständig etwas Bestimmtes auffällt, ohne deswegen aktiv zu werden. Watsons stete Beschwerden und die Sprücheklopferei, auf die gleich wieder die eigene Erniedrigung folgt, werden langsam zu ermüdenden Marotte und auch die ausgedehnte Inkompetenz von Inspektor Lestrade - Dennis Hoey hat endlich mal wieder etwas mehr zu tun - ist leider wenig mehr als comedy relief. Aus heutiger Sicht am komischsten und orginellsten wirkt die matronenhafte Haushälterin Mrs.Monteith, deren verbissene Verdammnismiene meistens an eine Mischung aus Mrs. Danvers (siehe: "Rebecca") und eine Preisboxerin erinnert.
Abgesehen von den hübschen Sets der Universal-European-Street und einer dezenten Ausstattung hat der Film leider wenig mehr zu bieten als bemühte Aktion, die aber stets nur lässige Langeweile auslöst, ein mäßiger Fließbandbeitrag vor dem Herrn. (4/10)