Review

kurz angerissen*

Die erneute Rückkehr in das klassische Ambiente eines schaurigen Herrenhauses, verknüpft mit der bewährten Dezimationslogik nach Agatha Christie, hat inzwischen etwas Befremdliches an sich. Konnte man den Bezug auf die Baskerville'schen Ursprünge der Serie bei „Gespenster im Schloss“ noch verstehen, wenn nicht sogar begrüßen, gleicht das ständige Hin und Her zwischen Modernisierungs- und Traditionalisierungsversuchen nach inzwischen zehn Filmen einer Farce. Denn wie könnte „Das Haus des Schreckens“ noch mehr sein als eine blasse Variante des sechsten Films, die ganze Einstellungen aus Archiven abzupausen scheint?

Wo immer eine Gruppe „alter Freunde“ sich zu besonderen Anlässen trifft und von einer äußeren Bedrohung heimgesucht wird, hängen Genrefreunde natürlich trotzdem am Haken. Die per Eilbrief zugestellten Apfelsinenkerne bringen herzhafte Symbolik ins Spiel, während argwöhnische Augenpaare sich quer über den langen Banketttisch gegenseitig bemustern. Nicht nur aufgrund der altmodischen Dekors gelten wieder die Gesetze eines spürbar älteren Zeitfensters: Während in der Vorgängerepisode noch mit elektronisch gesteuerten Alarmsystemen gefuhrwerkt wurde, wird die viktorianische Kulisse diesmal nur durch wenige Anachronismen aus dem Gleichgewicht gebracht, was den Suspense unter Berücksichtigung der begrenzten technischen Einschüchterungsmittel durchaus verstärkt. Das macht schon Freude, auch wenn man sich die Erfüllung der ominösen Prophezeiungen etwas spannungsreicher vorgestellt hätte, denn meist verenden sie geräuschlos im Off.

Basil Rathbone und Nigel Bruce müssen dieser Konstellation nichts weiter hinzufügen als ihre Detektivsroutine; im Grunde würde die Geschichte auch ohne ihr Zutun zum Ziel gelangen. Gleichwohl kann zumindest Bruce eine bemerkenswerte Szene vorweisen, in der er bei wütendem Sturm allein in der Empfangshalle die Nerven verliert und alles über den Haufen schießt, was auch nur die Andeutung eines Geräuschs verursacht.

Je tiefer die Ermittlungen reichen, desto deutlicher wird allerdings, dass der Plot in recht einfachen Mustern gestrickt ist. Durchschnittlich eineinhalb Filme pro Jahr zehren eben irgendwann an der Kreativität und überlassen der Routine die Führung. Ein schleichender Prozess, der in dieser Reihe inzwischen eingesetzt hat.

*weitere Informationen: siehe Profil

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