kurz angerissen*
Tatort Zugabteil. Ob man nun mit dem maritimen Setting des direkten Vorgängers so zufrieden war, dass man wieder unbedingt auf abgegrenztem Raum drehen musste, oder ob man mit der Zugfahrt einfach Murder-Mystery-Konventionen einhalten wollte, lässt sich schwer sagen; zumindest hat sich die „Gefährliche Mission“ auf hoher See nicht gerade als hochwertige Schablone für den „Juwelenraub“ auf Eisenbahnschienen empfohlen. Dennoch verschlägt es das routinierte Duo Rathbone / Bruce erneut auf engen Raum, den es mit Mordopfern, einem wertvollen Objekt der Begierde und unzähligen Verdächtigen zu teilen gilt.
Für klassische Railway-Krimis der Marke „Eine Dame verschwindet“ im Grunde ebenso typisch wie für die Sherlock-Holmes-Reihe an sich, wird „Juwelenraub“ nur durch sein einstündiges Format, die starke Präsenz des ermittelnden Duos und deren bewährte Logik der Deduktion an einer freieren Entfaltung gehindert. Denn die Mittel sind grundsätzlich alle vorhanden: In jedem Abteil sitzt ein mysteriöser Verdächtiger und Außenansichten des fahrenden Zugs vermitteln ein Countdown-Gefühl, das Wendungen im Sekundentakt verspricht. Gegenüber der trägen Seefahrt ist das zumindest schon mal ein Vorteil in Sachen Beschleunigung, auch wenn Nigel Bruce seinen Watson wieder slapstickhaft durch Drehbuchellipsen lenkt, die ihn letztlich wieder zum Ausgangspunkt zurückkehren lassen, ohne mehr aus dem Exkurs mitzunehmen als einen billigen Lacher.
Der sorgfältigen Modellierung der unzähligen Nebenfiguren allerdings schadet das Gehetze, ebenso wie dem stolzen Genie des Meisterdetektivs. Holmes hat kaum Zeit, überhaupt seinen finalen Coup in aller Ausführlichkeit darzulegen, wie soll er dann im Mittelteil sichtbar für den Zuschauer irgendwelche Schlüsse ziehen?
Mit der fehlenden Darlegung der Schlussfolgerungen werden aber ohnehin nur selbstzweckhafte Wendungen kaschiert, die den Zuschauer günstig an der Nase herumführen. Hohes Tempo entschädigt eben nicht angemessen für schwungvolles Erzählen, das galt damals ebenso wie heute...
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