1946 entstand die vorletzte Regiearbeit von Roy William Neill in Sachen Sherlock Holmes, dessen letzte Verfilmungen oft harscher Kritik ausgesetzt waren. In „Terror by Night“, so der Originaltitel, ist diese eher unbegründet, da das Timing und die Charade auf engem Raum durchaus Laune bereiten.
Holmes und Watson befinden sich im Schnellzug von London nach Edinburgh. Sie sollen einen wertvollen Diamanten, den „Stern von Rhodesien“ einer gewissen Lady Carstairs bewachen. Doch dann wird ihr Sohn tot im Abteil aufgefunden und der Edelstein ist verschwunden…
Schaut man sich die Zeichnungen an, die aus den literarischen Vorlagen hervorgegangen sind, bilden Basil Rathbone als Holmes und Nigel Bruce als Watson die ideale Besetzung, die auch in der 13. Verfilmung mit ihrem sympathischen Zusammenspiel zu unterhalten vermögen. Mehr noch: Durch Zufall ist auch Inspektor Lestrade von Scottland Yard an Bord, wodurch automatisch noch mehr Trotteligkeit generiert wird, was einen angenehmen Kontrast zum zunächst gar nicht so leicht durchschaubaren Raub bildet.
Da das Abteil quasi den Fokus des Geschehens bildet, konzentriert man sich reihum auf die entsprechenden Fahrgäste: Es gibt einen nörgelnden Pedanten, eine sich auffallend verhaltende Trauernde, ominöse Schaffner und sogar den Versuch, den Meisterdetektiv aus dem Zug zu bugsieren. Hier und da wird mal hinter Gardinen gelauert, manche verschwinden kurzzeitig doch aus der Kabine und es wird, soviel sei verraten, nicht bei einer toten Person bleiben.
Sobald große Namen als potenzielle Verdächtige fallen, scheint das eigentliche Rätsel beinahe gelöst, doch bei Doyle wird prinzipiell noch eins draufgesetzt, um den meisterhaften Spürsinn des Privatermittlers noch einmal und abschließend in den Fokus zu rücken.
Auch dies funktioniert recht gut, nur hätte man eine die finale Konfrontation nicht ganz so hektisch abfertigen müssen und auch bei einigen Randfiguren bleiben kleinere Fragen offen.
Einen zweiten „Mord im Orient-Express“ sollte man gewiss nicht erwarten, doch die Laufzeit von nur 60 Minuten lässt die latent klaustrophobische Stimmung ziemlich effektiv erscheinen.
Vielleicht nicht die beste Holmes-Verfilmung jener Ära, doch eine die man als Fan selbiger guten Gewissens mitnehmen kann.
Knapp
7 von 10