Review

Betty Blue – 37,2 Grad am Morgen ist für mich so eine typische, zufällige Nachtbegegnung im Fernsehen gewesen, bei der ich dann trotz Frühschicht noch bis nach Eins gebannt dem 3sat Programm folgte.
Es gibt Filme, die eine Realität wiedergeben, die man kennt und unbeeindruckt abnickt. Jean-Jacques Beineix beobachtet in seinem Werk die junge Liebe eines Pärchens, dessen Lebensstil man zwar nicht als konventionell einordnen würde, das man sich aber hinter der Türe nebenan vorstellen könnte. Die Realität in Betty Blue fühlt sich bis auf eine kleine Verschiebung vertraut an und das hat mich umgehend gefesselt.

Ich habe keine neue Erkenntnis gewonnen. Gebracht hat es mir nichts. Aber es war diese knisternd schwüle Spannung da. Diese natürliche Leidenschaft. Diese bürgerliche Normalität im Abnormalen. Dieses Anderssein, obwohl es doch eigentlich genauso ist. Oder? Sind Liebende nicht einfach bescheuert? Sind Menschen nicht einfach bekloppt? Gibt es das eigentlich? Normal sein? Einfach über die Runden kommen? Einfach ficken? Einfach anzünden, wenn man es nicht mehr ertragen kann? Ist das nun Anarchie? Spontanität? Ein aus dem Gleichgewicht geratendes Zen? War nicht alles am besten als Nichts war?

Betty Blue – 37,2 Grad am Morgen ist ein Film, der etwas in seinem Zuschauer auslösen kann, nur weil das Verhalten der von Béatrice Dalle so authentisch belebten weiblichen Hauptfigur um ein Quentchen anders ist. Sie beherrscht sich nicht und ist damit dampfend vor sexueller Betörung Antrieb des bitteren Zerfalls einer kurzlebigen Synthese vor wechselnden, artifiziellen Motiven.

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