Nun ja, ich hab mal die anderen Reviews etwas durchgelesen. Tja, und wie es so oft im Leben ist, ich kann so gar nicht die Meinungen teilen :) na aber das macht ja auch nichts...
Also, zuerst einmal will ich schon vorab eine Lanze brechen für "Running Scared". Ich finde ihn gut und Basta, hahaha...nein, aber jetzt mal ernsthaft...
"Running Scared" ist sicherlich keiner der typischen Actionfilme. Er ist bizarr, brutal, übertrieben, stimmt wohl alles, was schon so drüber geschrieben wurde. Er passt sicher nicht in das Schema von Blockbustern, von Kinokassenknüllern oder dem Sonntagnachmittagsausflug von geschiedenen Vätern mit ihren Kindern. Aber soll das ein Grund sein, warum er nicht gut sein darf?? Ich denke nicht...
Für mich muss ein Action-Film einfach genial brutal sein. Die Dialoge dürfen nicht zu dämlich sein - sind sie auch nicht! Also warum sollte ich mir einen Stress machen? Ich will kein großes Charakterkino à la "Training Day", wo ein überheblicher Denzel Washington mal wieder allen zeigen will, was für ein toller Schauspieler er doch ist, jedoch auf die tragische klischeehafte Brutalität der Straße nicht verzichten will. Ich will einen Film, der schonungslos Action liefert, der geile Waffen hat, der geile Typen hat, der einfach alles hat, was man sich so in seinen Träumen unter Verbrecherromantik vorstellt.
Es ist keineswegs klischeehaft, wenn man Russen so zeichnet, wie es Wayne Cramer getan hat. Es ist irgedwo Realität, wenn man sich in solchen Kreisen auch nur etwas auskennt...das dabei etwas übertrieben wurde, verstehe ich als künstlerisches Element ("In Too Deep" ist für mich auch so ein Fall). In einem guten Action-Film muss es für mich um gnadenlose Brutalität gehen, sonst brauche ich ihn mir nicht anzuschauen. Ferner ist es ebenso wichtig, dass der Film rasant gezeichnet wird, dass keine ewigen Pausen entstehen, kein großes Gelaber...ist "Running Scared" wirklich so viel anderst, als die Gewaltorgien eines "Reservoir Dogs" oder "Doberman"?? Allein der Grund, weil der liebe Wayne Cramer nicht den Status eines Quentin Tarantino hat oder sich Paul Walker bis eher in seichten Gewässern gefischt hat, lasse ich nicht zählen, dass man mit diesem Film so hart ins Gericht geht! Auch die Szene mit den pädophilen Ehepaar ist sicher etwas übertrieben, geht es aber da nicht viel mehr um ein Anschauungsbeispiel, einen Spiegel unserer kranken Gesellschaft?? Wie oft ist denn genau so eine Situation in den letzten Jahren passiert?? Klar ist es übertrieben, dass genau in der Nacht, wo sowieso schon so viel passiert, der kleine Oleg in den Wagen steigt, aber wenn man das außerhalb des Kontext sieht, dann wirkt die Situation für mich keineswegs mehr so übertrieben...es ist einfach leider heutzutage Fakt, dass es solch kranke Menschen gibt! Der Film soll düster sein, er soll traurig sein, er soll bis ins Marck erschüttern. Ich hab keine Lust mehr auf diese Schöntuerkacke nach dem Motto: oh, ist doch alles nur Spaß! Allein die Dunkelheit, die absolut verspielten Kamerafahrten, die Bullettime, die verlassenen Schauplätze sind ein Grund, warum man dem Film Klasse attestieren muss. Wayne Cramer gelingt es, eine wahnsinnige Spannung zu erzeugen und den Zuschauer trotz der sehr langen Lauflänge in den Bann zu ziehen...
Bei so viel Lob muss man sich dann wohl fragen, warum ich dem Film keine 10 Punkte gegeben habe, aber auch für mich war nicht alles vom Feinsten. Ich muss nämlich leider sagen, dass ich trotz allem Bizarren und allen Eigensinnigkeiten, die Wayne Cramer sich hat einfallen lassen (Junkies, Zuhälter, Mafiosis, korrupte Cops - eben das ganze Programm, garniert mit manch außergewöhnlichen), enttäuscht bin von einem für mich falschen Schluß. Diesen hätte er anderst machen müssen, es hätte nicht zu diesem Schluß kommen dürfen. Meiner Meinung nach zerstört er wirklich das Gesamtbild des Films...einfach Schade, denn wenn schon grausam, gemein und brutal, dann schon richtig...
Was ich auch noch bedauerlich fand, aber das ist nur ein kleiner Wehrmutstropfen, ist, dass Wayne Cramer nicht öfters die Bullettime benutz hat. Es wäre beim finalen Showdown so wichtig gewesen, diese Brutalität in Bullettime zu sehen. Es wäre einfach so schön gewesen, man hätte sich gefühlt, als würde man das erste Mal vor "Max Pain" sitzen...aber na ja, es kann eben nicht alles perfekt sein! Schade...
Fazit:
Für mich ist "Running Scared" absolut sehenswert, er unterhält angenehm, manchmal kommt man sehr zum Schlucken, aber es ist irgendwo immer ein Stück Realität dabei. Die Schauspieler, allen voran Paul Walker, haben mich ziemlich überrascht. Sie sind keineswegs, gemessen an einem Action-Film, mittelmäßig. Das natürlich nicht ein hochintelektueller Dialog dem anderen folgt, darf man bei dieser Art von Film wohl kaum erwarten. Das diese Tristess, die der Film über lange Strecken ausstrahlt, einen irgendwie bewegt, ist allerdings bewundernswert, denn sind wir mal ehrlich, wie viele Action-Filme hat man denn schon gesehen, wo das wirklich der Fall war...
9.0/10 Punkte