"Running Scared" ist ein an den Kinokassen geflopter Underground-Thriller von Wayne Kramers. Dieser Film ging wohl an vielen vorbei, da die entsprechende Werbekampagne gefehlt hat und es sich eben einfach nicht um Mainstreamkino handelt. Und wer schaut sich heute noch gerne einen Film an, der die deprimierende Wahrheit über eine chaotische, gewalttätige, morbide Welt zeigt. Das selbige kann man schließlich auch in den Nachrichten sehen.
Schade eigentlich, denn "Running Scared" verfügt über eine Spannung und Atmosphäre wie sie heute immer weniger im Kino zu sehen ist.
Der Film legt ein unglaubliches Tempo vor. Es gibt nur zwei längere Shootouts, einmal zu Beginn einmal zum Ende des Filmes. Den Rest wird der Zuschauer visuell und durch schnelle Schnitte durch die Großstadt gejagt, und fiebert bei der Suche nach einer Waffe mit.
Ein paar kleinere Subplots mindern kurzzeitig das Tempo, erzählen dafür eine Geschichte über kranke Menschen oder menschliche Abgründe die teils richtig gehend erschaudern und abartiger nicht sein könnten.
Die beiden Shootouts sind knallhart Visualisiert. Menschen fliegen durch den Rückschlag von Schrotgewehren weit durch den Raum, Gesichter werden mit Eishockeypucks eingedellt, Köpfe zerplatzen. Garniert wird dies mit modernen Zeitlupen-, Rück- oder Vorspuleffekten. Gewalt wird hier in ihrer "häßlichsten" Art zelebriert. Hier wundert es mich, dass der Film eine Freigabe ab 16 hat, denn in einem indizierten Rambo geht es nicht viel anders zur Sache.
Der Plot erweist sich teils ein wenig zu sehr zurecht gerückt. Selbstverständlich treffen der Hauptprotagonist und der jeweilige Zuhälter, Junkie oder sonstige Kriminelle, der gerade im Besitz der gesuchten Waffe ist, nach teils unerheblicher Suche aufeinander. Dadurch bleibt aber das Tempo und die Spannung erhalten. Dies ist ganz besonders durch den Durchhänger im mittleren Teil des Filmes zu spüren, wo die Handlung kaum voran getrieben wird.
Ansonsten ereignet sich die Verfolgungsjagd als sehr abwechslungsreich und spannend. Es gibt sehr viele Wendungen und Überaschungen auf die Story und die Charaktere bezogen.
Ganz besonders erschütternd ist eine Szene in der sich ein freundliches Pärchen als Kinderschänder herausstellt. Dieses Thema ist gerade durch aktuelle Vorfälle in den USA und leider auch in unserem Nachbarland Österreich, durch den Inzestskandal, höchst aktuell und ebenso brisant. Im Film wird diese kontroverse Darstellung durch einen beispiellosen Racheakt gelöst. Hier kann ich nur sagen: So wirds gemacht!
Leider wird es zum Schluß etwas arg abstrus. Ich selbst war mir nicht sicher, ob und wie es ein befriedigendes Ende geben könnte. Wayne Kramers entschied sich für ein sehr emotionales Überaschungsei in dem die Hauptprotagonisten ein Leben mit neuer Grundlage weiterführen können. Für mich ein wenig zu sehr beigezogen und wenig selbsterklärend.
Was immer wieder erstaunlich ist, ist die Tatsache, dass Schauspieler in, im Endeffekt wenig geliebten Filmen, über ihre Grenzen hinaus gehen. Paul Walker, bekannt aus "The Fast and the Furious” oder "Into the Blue", legt hier seine derzeitige Bestleistung hin und charakterisiert seine Person als Kleinkriminellen Joey Gazelle äußerst emotional und furios. Desgleichen der junge Cameron Bright ("Ultraviolet“) der hier als ständig teilnahmslos Miene verzerrender Oleg als Jagdobjekt und mißhandelter Junge agiert.
Auch die restlichen Schauspieler spielen ihre Rolle sehr ordentlich, verpassen ihrem Charakter den passenden Anstrich und unterstreichen ihre Handlungen und Beweggründe je nach Situation. Hier passt wirklich alles zusammen.
Der Soundtrack ist sehr stimmig und unterstreicht die düstere Untergrund Hetzjagd.
Als Minuspunkt wäre noch die nicht vorhandene Tiefe der Charaktere anzuführen. Ein paar Rückblenden wären vielleicht sinnvoll gewesen um den Charakteren noch etwas mehr leben einzuhauchen.
"Running Scared" ist ein typischer Männerfilm. Keine störende Schnulze oder groß aufgetragene Verschönerung der Welt. Stattdessen pure Spannung, Dramatik und Atmosphäre. Für jeden zu empfehlen der auf weniger zahlreiche, aber rasante, harte Action und eine Storyline die mitreisst, und bis an die Grenze des Unerträglichen geht, steht.
9 / 10