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Im Zuge massenhafter Horrorfilme in den Jahren 50 bis 70 wollten auch die Deutschen etwas vom großen Kuchen haben und so verfilmte Harald Reinl seine eigene Adaption einer Edgar Allen Poe Geschichte.


Wegen Mordes wird Graf Regula (Christopher Lee) zum Tode verurteilt. Er bekommt eine dornige Maske auf das Gesicht und wird auf offener Straße gevierteilt. Vorher jedoch verflucht er den Richter und eine Frau, er werde sich rächen.
35 Jahre später reist Roger Mont Elise (Lex Barker) in ein kleines Dorf. Roger bekam einen Brief des Grafen Regula, der ihm mehr über seine Vergangenheit erzählen will. Roger weiß nämlich nicht, wer seine Eltern sind und dies hofft er nun herauszufinden. Die Dorfbewohner sind ziemlich schreckhaft, keiner will ihm den Weg zum Schloss erklären. Nur ein recht lustiger Pater hilft ihm und beide reisen in Richtung Schloss. Dabei werden sie Zeuge eines Überfalls. Roger kann aber die junge Baroness Lilian von Brabant (Karin Dor) und ihre Zofe retten. Beide reisen ebenfalls zum Schloss des Grafen Regula, da sie dort eine angebliche Erbschaft antreten soll. So reisen alle vier zum Schloss. Sie erwartet eine Begegnung, die ihnen immer im Gedächtnis bleiben wird...


Der deutsche Horrorfilm war ja früher eine Bank, zwar zu einer Zeit, in der das gesprochene Wort noch nicht aufgezeichnet wurde (ja, ich spreche von Stummfilmen), aber dennoch kamen gerade aus Deutschland Genremeisterwerke des Expressionismus. Ich erinnere nur an Caligari und Konsorten. Diese Vormachtsstellung hat man dann aber verloren, die Engländer und Amerikaner übernahmen das Ruder und waren ab den 50ern die Exportländer für Horrorfilme, auch dank ihrer Ikonen Peter Cushing, Christopher Lee und Vincent Price.
Also dachte man sich, jetzt muss mal wieder ein Beitrag aus Deutschland kommen. Dazu verpflichtete man den damals sehr bekannten Harald Reinl als Regisseur und verpflichtete drei Topstars der damaligen Zeit.
In der Hauptrolle sehen wir den Amerikaner Lex Barker, der zu dieser Zeit wirklich ein Star war, egal ob in den USA oder auch in Deutschland. Aus deutscher Sicht gesellte sich ebenfalls ein Star dazu, Karin Dor, welche im selben Jahr sogar ein Bondgirl wurde.
Last but not least natürlich der festgeschriebene Oberschurke, Christopher Lee in der Rolle des Grafen Regula. Gibt es eigentlich einen Schauspieler, der mehr böse Rollen dargestellt hat als Lee? Ich glaube nein.

„Die Schlangengrube und das Pendel“ war ein finanzieller Misserfolg, trotz der drei Stars. Aus heutiger Sicht wirkt der Film natürlich recht altbacken, die Trick locken niemanden mehr hinter dem Ofen hervor doch gerade das macht den Film so sehenswert. Man muss schon sagen, Harald Reinl hatte schon einige recht krude Ideen. Sei es der Leichenwald oder die ganze Geschichte um den Grafen Regula. Dabei geht es natürlich noch recht zahm zur Sache, natürlich nicht verwunderlich zur damaligen Zeit. Ferner geizt der Film auch nicht mit Humor, was vor allem an dem jugoslawischen Schauspieler Vladimir Meda liegt aka Pater Fabian, der recht humorvoll ist und sich gerne mal einen genehmigt.
Bis die Truppe im Schloss ankommt, vergeht schon etwas an Zeit, doch dann geht es wirklich rund. Tolle Ideen und ein überzeugendes Finale runden diesen Film ab, der meiner Meinung zurecht damals untergegangen ist. Zwar hat der Film nicht mehr viel mit der eigentlichen Poe- Thematik zu tun, aber keine Angst, das Pendel kommt vor und sogar eine Schlangengrube. Selbst eine halbe Zombiethematik gibt es im Film, hier bekommt man wirklich alles geboten, was das Herz begehrt. Auch kameratechnisch überzeugt der Film. Knallige Farben und für die damalige Zeit exzellente Bauten runden das Filmvergnügen ab.


Fazit: „Die Schlangengrube und das Pendel“ ist aus heutiger Sicht zwar wirklich schon etwas angestaubt, jedoch mindert dies das Filmvergnügen auf keine Art und Weise. Dank der Hauptdarsteller wird man blendend unterhalten, die Optik ist ausgezeichnet. Für Fans des klassischen Horrorfilms ist „Die Schlangengrube und das Pendel“ jedenfalls mehr als einen Blick wert, besonders Fans der Hammerfilme werden hier ihren Spaß haben.

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