Die Welle des gotischen Horrorfilms ebbte gerade ab, da wollte man in Deutschland noch eine weitere schlagen und so sollte „Die Schlangengrube und das Pendel“ nur der Auftakt zu einer Reihe sein, die den deutschen Horrorfilm reanimieren sollten. Leider misslang dies, solche Filme waren kurz nach Produktionsschluss kaum noch mehr gefragt und der Film zumindest finanziell ein Misserfolg. Der Funke wollte einfach nicht so richtig überspringen, dabei waren die Produktionsbedingungen recht gut: Regisseur Harald Reindl hatte sich bereits mit einigen Edgar Wallace und Karl May Streifen einen Namen gemacht, der bekannte Horrorfilmstar Christopher Lee durfte auch hier wieder den Bösewicht spielen; Zugpferde weiterhin die Hauptdarsteller Lex Barker und Karin Dor, welche damals auch sehr gefragt waren und das Ensemble abrundeten. Nein an den Darstellern lag es wahrhaft nicht, wenn „Die Schlangengrube und das Pendel“ auch mehr ein Film ist der von seinen Kulissen und Bildern lebt denn von den Darstellern – und visuell reicht „Die Schlangengrube und das Pendel“ an die alten Klassiker durchaus ran. Ein „Problem“ waren vielleicht die Darsteller: diese agieren zwar passabel, ein Schmunzeln ließe sich ob der darstellerischen Leistungen aber damals schon kaum unterdrücken. Ein gewisser naiver Charme durchzieht so manches: sei es der hasenfüßige Kutscher, der lauthals polternde Priester (witzig: der Kroate Vladimir Jedar) oder aber auch: der Blutwald! Herrlich, da durchfahren sie einen Wald wo in Bäumen überall abgetrennte Körperteile herumliegen, in einem anderen Abschnitt hängen Gehängte von den Bäumen und visuell sieht das ganze so richtig schön abgefahren aus – so etwas vermutet man als letztes in einem deutschen Film. Trotz dieser „blutrünstigen“ Details ist der Film aber eher gewaltarm, die heutige FSK12 Freigabe sagt schon einiges. Aber lieber solch ein altmodischer Gruselfilm als ein zeitgenössischer Effektfilm ohne Seele. Gut, aus der „Schlangengrube und das Pendel“ Thematik hätte man ein wenig mehr rausholen können, wie bei allen Filmen die diese Motive aus der Geschichte von E.A. Poe aufgreifen ist von deren Ursprung noch kaum was übrig. Auch die Anfangsszene mit der Maske ist sichtlich eine Hommage an „Die Stunde wenn Dracula kommt“, Versatzstücke wie die Kutschfahrt oder das Gruselschloss bekannt aus anderen gotischen Horrorfilmen; unabdingbar und nicht störend da die visuellen Merkmale solcher Filme auch hier wieder gut eingefangen wurden und die Stärke des bunten Filmes ausmachen. Bedingt durch die naive und altmodische Inszenierung kommt Spannung hier nur leidlich auf, gruselig wird es trotz rumlauernder Geier oder Hieronymus Bosch anmutenden Gemälden kaum, unterhalten wird man jedoch fast durchgängig. Wenn sich der Anfang auch etwas zieht - auf jeden Fall den meisten heut stereotypen Möchtegern-Horrorfilmen vorzuziehen!