Harald Reinl, einer der meistbeschäftigten deutschen Regisseure im Bereich der qualitativ schwankenden Edgar-Wallace- und Karl-May-Filmreihen und nicht zuletzt für eine unsäglich schlechte Verfilmung der Nibelungensage verantwortlich, wagte sich 1967 auch mal an einen Gruselfilm. Das Personal könnte typischer nicht sein: Reinls Frau Karin Dor (hier mal ein wenig femininer als in ihren Wallacefilm-Auftritten), Ami-Superheld Lex Barker und der gute alte Christopher Lee als Bösewicht. Der sehr charismatische Charakterdarsteller Karl Lange hebt das Niveau des Films noch ein wenig, des weiteren ist mit einer eher zweifelhaften Darbietung der mir ansonsten nicht bekannte Vladimir Meda zu sehen.
Die Geschichte ist angeblich an Edgar Allan Poe angelehnt, übernimmt jedoch einzig und allein das Motiv des Pendels und der Grube, die aber eine ganz andere als ist die Poe-Variante. Immerhin hatte Reinl nun eine prominente Referenz für sein Machwerk. Eine weitere, viel entscheidendere, aber trotzdem nicht genannte Referenz ist der geniale italienische Regisseur Mario Bava, von dem Reinl fast alles, was in diesem Film gut wirkt, übernommen hat. Das gilt vor allem für die expressive Farbgebung. Zudem ist die Idee mit der Maske Christopher Lees aus Bavas "Maschera del demonio" übernommen - kaum nötig zu erwähnen, dass das Motiv dort viel besser und gruseliger umgesetzt wurde. Immerhin wirkt der Anfang des Films noch so, als könne der Streifen gut werden, vor allem die (natürlich nur angedeutete) Vierteilung des bösen Grafen fällt noch recht gruselig aus. Nach Beendigung der Retrospektive fällt die Atmosphäre jedoch stark ab. Lex Barker verbreitet flachen Obermacker-Charme, Karin Dor will vor allem beschützt und gerettet werden, Vladimir Meda als falscher Priester nervt durch sein überzogenes Spiel und Dieter Eppler darf den erbärmlichen Hasenfuß geben. Spätestens wenn die Kutsche mit vorweg erwähnten Passagieren durch einen Wald fährt, in dem tückische Nebelmaschinen ihr Unwesen treiben und auf den Bäumen die Überreste einer zerhäckselten Kompanie Schaufensterpuppen zu sehen sind, verspielt der Streifen sein Gruselpotential.
Ich weiß, der Film ist von 1967, aber da waren effekte- und horrortechnisch schon ganz andere Sachen möglich. Man sehe sich, wie gesagt, die Filme von Mario Bava an. Auch hatten die frühen Wallace-Streifen - man nehme etwa "Die toten Augen von London" viel mehr Grusel zu bieten. Reinl hätte die "Schlangengrube" wenigstens in schwarzweiß drehen sollen, das hätte ungleich besser gewirkt.
Auch Christopher Lees Gruselschloss bietet keine ernsthaft schaudern machenden Szenen. Es wirkt eher lächerlich, wenn man in eine Folterkammer mit schröcklich hingemordeten Jungferlein schauen darf, deren empfindliche Körperzonen aber allesamt mit irgendwelchen Sacktüchern bedeckt sind. Der böse Graf wird wohl kaum so ein Prüderich gewesen sein. Einer der besten Augenblicke ist es noch, wenn der guten Karin Dor Eidechsen und Skorpione im Dekolleté herumkreuchen. Warum jedoch in den dunklen Gängen der Burg große Geier hausen und wie die es dort aushalten, konnte der Film mir nicht verdeutlichen. Es gibt auch ein paar gar schauderliche Folterinstrumente zu sehen, die aber alle nicht wirklich zum Einsatz kommen. Trotz der wenigen dazwischenliegenden Jahre waren Klassiker wie "Hexen bis aufs Blut gequält" noch sehr, sehr weit entfernt.
Alles in allem ein sehr zimperlicher und hinter der Entwicklung seiner Zeit weit zurückbleibender Pseudo-Gruselschinken. Da hat der Regisseur 1959 im "Frosch mit der Maske" weitaus härter zugepackt. Gnadenpunkte gibt es für Karl Lange und für die netten Bilder von den Externsteinen.