Wenn´s draußen so richtig stürmt, machen die alten atmosphärischen Gruselschinken einfach mehr Laune, - man muss nur den Ton etwas lauter stellen.
Problematisch jedoch, wenn man alle gängigen Hammer-Filme schon durch hat und die Corman-Streifen bereits mitsprechen kann. Alternativ gibt es hierzu einen Beitrag aus Deutschland, den kein geringerer als Harald Reinl fabriziert hat.
Finanziell gesehen war die Sache ein Misserfolg, das Publikum hatte sich bereits mit Reinls Wallace und Karl May Verfilmungen angefreundet und irgendwie gelangen ihm die auch besser.
Obgleich die dichte Atmosphäre streckenweise punkten kann, bleibt die Geschichte doch ein recht fader Aufguss bekannter Gothic Horror Geschichten, allen voran der des Grafen Dracula in den vielen Variationen der Hammer-Studios.
So heißt denn unser Bösewicht Graf Regula und wird pflichtgemäß von Christopher Lee verkörpert. Eigentlich will sich der Unhold ein Elixier mischen, zu dem er das Blut von 13 Jungfrauen benötigt, doch nach der 12. ist erstmal Schluss, er wird zum Tode durch Vierteilen verurteilt.
35 Jahre später lädt sein getreuer Butler Karin Dor und Lex Barker zum Sitz des Grafen, denn Dor ist die Tochter seiner auserwählten letzten Jungfrau und Barker der Sohn des Richters, der ihn damals Hops gehen ließ.
So darf der Zuschauer (gefühlte) zwei Drittel Kutschfahrt und ein Drittel Falltüren-Schloss-Spuk miterleben.
Es beginnt jedoch recht eindrucksvoll, wenn Lee unter einer Maske und an Seilen hängend hingerichtet werden soll, während die Dorfgemeinde drum herum steht und alles feierlich auf dem Marktplatz zelebriert wird.
Später, während der Kutschfahrt, kommen noch weitere stimmungsvolle Szenen hinzu, etwa, wenn man einen düsteren Wegelagerer in einer Ruine trifft, die kurz darauf in Flammen aufgeht oder Nebel aufkommt, Wolfsgeheul zu vernehmen ist, während zahlreiche Leichen und Leichenteile im Geäst auszumachen sind.
Dass unter anderem die Kulisse der Externsteine eingebaut wurde, ist eher ein unfreiwilliger Lacher, da mir das als Lipper nur allzu vertraut erscheint.
Gewolltes Schmunzeln soll von einem weiteren Kutschgast erzeugt werden, einem saufenden Priester, der sich später als herzensguter Dieb entpuppt. Er geiert jedoch mitunter etwas zu ausladend, was auf Dauer fast so nervt, wie die unpassende Musik von Peter Thomas, die wohl eher für einen Wallace Beitrag komponiert wurde.
Barker übernimmt hier quasi die Rolle des Jonathan Harker („Rennen sie nicht in ihr Unglück!“) und Dor die der Mina, keine Dracula-Verfilmung ohne Kutschfahrt und eindringliche Warnungen Ortsansässiger. Gut aufgepasst, Herr Doktor Reinl!
Entsprechend mimt Barker mit wenigen mimischen Facetten den tollkühnen Helden, während Reinls Ehefrau nur gut aussehen und verängstigt dreinschauen muss.
Im Schloss des Grafen angekommen, führt der düstere Diener die dreieinhalb (die Zofe verschwindet zeitweise komplett und taucht später unversehrt wieder auf) durch ein Labyrinth von zahlreichen Falltüren.
Ziemlich spät kommt Lee zum Einsatz, ist grau geschminkt und hat offenbar keinen Bock auf das Theater, weshalb sein Erscheinen recht uninteressant und wenig charismatisch rüberkommt.
Witziger ist aber die Tatsache, wie er überhaupt reanimiert wird, da reicht die grüne Farbe auf dem Glasdeckel seines Sarges nämlich aus, die aus dem Arm seines halbtoten Dieners tropft („Wenn man rechtzeitig vom Galgen geschnitten wird, entwickelt der Körper einen Stoff, der gegen Kugeln immun macht“).
Die titelgebenden Sachen kommen auch noch zum Einsatz, Barker liegt gefesselt auf dem Boden und wehrt sich gegen das herabnahende Pendel (was nach Pappe mit silberner Glitzerfarbe aussieht), während sich Dor auf einem immer kürzer werdenden Steg über der Schlangengrube befindet.
Der Zausel von Pseudo-Priester lacht derweil weniger, weil er sich aus einer Steinkammer zu befreien versucht.
Ja, es liest sich zwischen den Zeilen, es gibt zwar wohlig atmosphärische Momente, die durch das gute Set-Design und die netten Requisiten hervorgerufen werden, doch aufgrund der antiquierten Inszenierung sind auch einige Lacher nicht zu vermeiden.
Es ist eine simple Geschichte mit einigen Löchern (Was machen die Geier im Schloss, warum wurde aus Barker ein Findelkind, wie hat der Diener die Körperteile seines Herrn wieder gefunden), aber die charmante Naivität kann vieles wieder ausgleichen.
Dabei wird den Darstellern wenig abverlangt, aber das komplette Inventar ist schön knallbunt, während die Geschichte an sich recht dürftig erscheint.
Ein stetiges Für und Wieder, aber am Ende überwiegt ein wohliges Gefühl, eine altmodische, aber angenehme Stimmung und wer die der bekannten Hammer-Filme zu schätzen gelernt hat, dürfte hier nicht allzu sehr enttäuscht werden.
6,5 von 10