ACHTUNG! SPOILER!
DIE SCHLANGENGRUBE UND DAS PENDEL beginnt mit einer starken, an Mario Bavas „La Maschera del Demonio" erinnernden Sequenz, in der ein Henkersknecht mit roter Kapuze eine goldene Maske, die innen mit Nägeln gespickt ist, auf das Gesicht des Grafen Regula presst. Anschließend wird der Graf von vier mächtigen Pferden in Stücke gerissen. Nach diesem fulminanten Beginn verschwindet Christopher Lee, der die Rolle des Grafen spielt, zunächst aus dem Film, um dann im letzten Drittel als dominante Figur die Handlung zu bestimmen.
Nach einigen einleitenden Szenen in malerischen Örtlichkeiten (Drehorte waren u.a. Rothenburg ob der Tauber und die Externsteine bei Detmold), wird der Film erst richtig interessant, als sich Lilian von Brabant (Karin Dor) und Roger von Marienberg (Lex Barker) in ihrer Kutsche Regulas Schloss „Andomai" nähern. Spielte sich die Handlung bis dahin in natürlicher und eher freundlicher Umgebung ab, so wird nun die Stimmung zunehmend düsterer, die Szenerie irrealer, bis schließlich, mit den Katakomben von „Andomai" eine völlig künstliche, unwirkliche und unwirtliche Welt an die Stelle des Vertrauten tritt. Diese Transition beginnt mit der im doppelten Sinne phantastischen Sequenz, in der die Kutsche durch einen düsteren, von Nebelschwaden durchzogenen Wald fährt, in dessen Bäumen undeutlich die Gliedmaßen und Körper von Menschen zu erkennen sind, die aus den Stämmen zu wachsen scheinen. Im gleich anschließenden höllischen Szenarium tauchen zahllose, puppenhafte, teils skelettierte Leichen aus dem Dunst auf, die in den Bäumen aufgeknüpft sind. Ähnlich surreale Bilder finden sich später noch einige im Film, so in den Katakomben des Schlosses, in denen Aasgeier in den zwielichtigen Gängen an blutigen Fleischklumpen zerren und menschliche Schädel in die Wand eingemauert sind. Die Folterkammer ist mit einem großen Wandgemälde verziert, das an Bilder von Hieronymus Bosch denken lässt, und die 12 Jungfrauen liegen immer noch in Totenstarre auf den Marterinstrumenten.
Die stimmungsvollen Bilder, die uns der Film hier im Mittelteil präsentiert sind wirklich bemerkenswert und gehören zum Besten, was der deutsche Trivialfilm zu bieten hat. Erwähnt sei an dieser Stelle auch noch die beeindruckende Farbdramaturgie des Films. Diese kommt besonders gut in der Szene zur Geltung, in der die Kutsche auf einer unnatürlich grünen Wiese, auf der ein paar verdorrte Bäume stehen, einem karmesinroten Himmel entgegen fährt. Auch in den Szenen, die in den Katakomben spielen, kommt der Farbe eine besondere Bedeutung zu. So wird Regula durch das grüne (!) Blut seines Dieners wieder zum Leben erweckt. Dies ist eine interessante Variation des bekannten Motivs, bei dem in vielen Vampirfilmen die Untoten durch das rote Blut ihrer Opfer wieder zum Leben erweckt werden. Das Elixier der 12 Jungfrauen ist ebenfalls grün. Karin Dor bewegt sich die ganze Zeit in einem prächtigen, fliederfarbenen Kleid durch die düsteren Gewölbe, das Tuch auf Regulas gläsernem Sarg ist violett, während der Graf selbst und sein Diener dunkel gekleidet und leichenblass geschminkt sind. Aus diesem Spiel mit den Farben ergeben sich extreme Kontraste, die die ganze Irrealität des Geschehens noch unterstreichen.
Trotz dieser opulenten Bilder hat der Film auch (entschuldbare) Schwächen. Das liegt vor allem an der etwas einfallslosen Inszenierung, die sich von einer „Kreisch-Szene" zur nächsten hangelt und ein wenig an eine Fahrt in der Geisterbahn erinnert. Die dünne Story wird auch dadurch nicht besser, dass sie mit beeindruckender Konsequenz von Regisseur Reinl zum Happy End gebracht wird, kommentiert von Vladimir Medar mit den Worten: „Jetzt ist ja alles in Butter!"
Karin Dor hat kaum mehr zu tun, als alle paar Minuten mit weit aufgerissenen Augen einen Schreckensschrei auszustoßen und sich verängstigt an Lex Barker zu klammern. Der agiert wie gewohnt solide und sympathisch, während Christoper Lee mit seiner Rolle etwas unterfordert ist, aber das Beste daraus macht . Die anderen Darsteller spielen auf einem guten Niveau, wobei Karl Lange in verschiedenen Verkleidungen auftritt und als böser Diener noch einige Highlights setzt, während Vladimir Medar seinen Räuber ein wenig zu hemdsärmelig anlegt.
Visuell jedenfalls ist der Film ein Fest, einer der schönsten Gruselfilme überhaupt.
1982 ist der Film bei VPS-Video in einer recht guten Qualität auf VHS veröffentlicht worden. Die deutsche DVD von e-m-s kam 2005 auf den Markt und besticht durch eine großartige Bildqualität, so dass der Film erstmals seit seiner Kinoauswertung wieder in Bestform zu sehen ist. Im Gegensatz dazu ist die Qualität der amerikanischen Fassung, die unter dem Titel „Castle of the Walking Dead" 2003 von „Aikman Archive" auf DVD veröffentlicht wurde, bestenfalls auf niedrigem VHS-Niveau, mit ausgebleichten Farben, durchgängigen Laufstreifen und einem falschen Bildformat.