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Philip Winthrop reist zum düsteren Landsitz der Familie Usher, um von dort seine Verlobte Madeline mit sich zu nehmen. Er ist schockiert über die schreckliche Umgebung, in der sie lebt. Das verfallene und unheimliche Herrschaftshaus befindet sich inmitten von toten Wäldern und Sümpfen. Madelines debiler Bruder Roderick untersagt dann auch Philip die Mitnahme seiner Schwester, denn angeblich lastet auf der Familie Usher ein Fluch. Kurz darauf ist Madeline tot, und eine Reihe fürchterlicher Ereignisse nimmt ihren Lauf...

1960 begann der, als Billig- und Trash-Produzent bekannte Roger Corman, mit der Realisierung seines wohl ehrgeizigsten Projektes: Die Verfilmung von Edgar Allan Poes Novellen. Orientiert am gothischen Look der englischen Hammer-Verfilmungen, gelangen ihm höchst anspruchsvolle, atmosphärisch dichte und stimmungsvolle Adaptionen im klassischen Stil: Spinnweben, Türen, die sich, wie von Geisterhand, alleine öffnen und schließen, Geräusche, die man nicht erklären kann, rauschende und farbenprächtige Kostüme sowie eine liebevolle und zeitgenössische Ausstattung, prägten den Charakter von Cormans Inszenierungen, die lange Jahre nur wenig Wertschätzung ernteten. Erst, nachdem die Kritiker bereit waren, Cormans Ruf als "Schnellfilmer" zu übersehen, erkannte man das ganze Potential seiner Werke. Cormans knappes Budget von gerade mal $ 270000 Dollar, erlaubte ihm nur einen Star: Vincent Price (DAS SCHRECKENSKABINETT DES DR. PHIBES, THEATER DES GRAUENS, DAS SCHRECKENSHAUS DES DR. DEATH, DAS HAUS DER LANGEN SCHATTEN). Dafür aber hatte er den großartigen Drehbuchautor Richard Matheson und den ebenso hervorragenden Kameramann Floyd Cosby an seiner Seite.
Vincent Prices Darstellung bewegt sich zwischen dandyhaft, dekadent und theatralisch, und hebt Poes Kurzgeschichte auf ein höheres Level. Poes Werke waren zu seinen Lebzeiten praktisch der Trivialliteratur zuzuordnen - erst Corman und seinem exzellenten Hauptdarsteller gelang es, mehr aus der Vorlage zu filtern, als sie eigentlich hergab. Der hier vorliegende erste Film der Reihe ist eine wahre Freude - nicht nur für Fans von Vincent Price: Seine übertriebenen Gesten und seine manierierte Ausdrucksweise zeigen eine Selbstironie, wie sie nur ein großer Darsteller beherrscht.
Wie Vincent Price in "Die Verfluchten" seinen, zwischen Grausamkeit und Hypersensibilität schwankenden Charakter spielt, ist eine darstellerische Meisterleistung! Price dringt derart überzeugend in die Abgründe der Seele Rodericks vor und spielt mit einer beispiellosen Intensität. Die Rolle des Roderick Usher ist die ultimative Darstellung - eine Rolle, die wie für ihn geschaffen scheint. Sein leidvolles Spiel lässt einen beinahe selbst fühlen, was für ein Fluch es sein muss, mit derart übersteigerten, in den Wahnsinn treibenden Sinneswahrnehmungen gestraft zu sein. Jedes nur geflüsterte Wort schallt in seinen Ohren, das leise Schließen einer Tür dröhnt in seinem Schädel wie ein schlagender Hammer, das schwache Licht einer Kerze blendet ihn wie tausend Sonnen...Nach Price Aussage war es für ihn eine seiner besten Rollen, die er auch unbedingt spielen wollte.
Keine andere Poe-Verfilmung konnte mit einer so dichten Atmosphäre aus Verfall, Düsternis und wallendem Nebel überzeugen, wie Cormans "Die Verfluchten". Bereits die ersten Minuten, die Ankunft am finsteren Herrenhaus der Ushers, umgeben von toter Erde und verdorrter Vegetation, schlägt den Zuschauer fast in einen hypnotischen Bann.
Corman hat, neben der dämonischen Ausstrahlung von Price, das Haus meisterhaft zu unheimlichen Eigenleben erweckt. Der Zuschauer ist derart von der stimmungsvollen Inszenierung gefesselt, dass er sich nicht mehr entscheiden kann, was die Ursache
der Katastrophe im Hause Usher ist: Roderick Usher oder das Haus selbst? Cormans Werk spielt so geschickt mit den Emotionen der Zuschauer wie es nur wenige andere Horrorfilme schaffen.

Umso erfreulicher ist, dass sich das Label Explosive Media dieses Meilensteins des klassischen Gruselfilms angenommen, und ihn für seine liebevoll ausgestattete Neuveröffentlichung erstmals remastered, und zusätzlich in bester HD-Qualität auf BR veröffentlicht hat. "Die Verfluchten" erstrahlt in satten Farben und in einer Pracht, die dieses Meisterwerks würdig ist. BR und DVD erscheinen in Keep-Cases zusätzlich mit einem wunderschönen Pappschuber, der das klassische Artwork der Cover ziert. Schuber, als auch (Wende-)Cover sind ohne störendes FSK-Logo. Ein mehrseitiges, sehr informatives Booklet macht diese ausgezeichnete Veröffentlichung so perfekt wie der Film, der sich darin befindet.

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