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Es liegt ein Schauer über der Mauer


Der Ehemann einer gut betuchten jungen Frau hat seine Gattin lange nicht mehr gesehen und fährt weit, um diese in ihrem elterlichen Herrenhaus, umwogen von Nebel und Mythen, zu besuchen. Dort findet er sie durch eine mysteriöse Krankheit sehr angeschlagen und mehr oder weniger ans Bett gefesselt vor, ihr seltsamer Bruder (grandios wie immer: Vincent Price!) berichtet ihm von einem Fluch, der auf der Familie Usher liegt und alle Mitglieder frühzeitig und oft qualvoll dahinrafft. Doch der junge Mann lässt seine große Liebe natürlich nicht einfach ihrem schaurigen, vermeidlichen Schicksal…

„House of Usher“ leitete die fruchtbare Fusion zwischen Poe und Corman, zwischen klassischem Grusel und damals rebellischem B-Movie, prachtvoll und erfolgreich ein. Die Sets und Dekos und Matte Paintings sind wunderschön. Die Nebelmaschine läuft auf Hochtouren. Price spielt auf seinem höchsten Niveau zwischen Mitleid und Bösewicht. Die halluzinatorische und farbenfrohe Alptraumszene zu Beginn des letzten Viertels ist glorreich, betörend und kostbar, ein echtes Highlight. Corman war allgemein selten besser als hier. Kurz, knackig, konzentriert. Ein famoser Fluch. Das kann man nur lieben. Fans von klassischen Gruslern gehen keinen Schritt dran vorbei. Poetisch und pietätvoll. Über buckelige Verwandtschaft und die Schwere des Stammbaums. Themen, die postmoderne Horrorfilme wie „Hereditary“ heutzutage ebenfalls auf ihre Art behandeln. „House of Usher“ bleibt jedoch eine ideale Verfilmung seiner literarischen Vorlage. 

Fazit: Paradebeispiel, dass es einfach passte zwischen Poe, Price und Corman. „House of Usher“ ist eine enorm prachtvolle und atmosphärische Version des klassischen Stoffes. Zwischen Theater und Totenstarre. Stammbaum des Schreckens. 

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