Gleich vorweg: Es fällt mir ziemlich schwer, zu diesem Film eine passende Review zu schreiben, aber ich probier es mal:
Heimatfilme haben meist den Ruf unglaublich schmalzige Liebesdramen vor schöner Kulisse abzuspielen und dabei mit grenzdebilem Volksmusikgejodel zu nerven. Ein Genre, dass nur bei den älteren Mitbürgern über 65 Jahre ein wirkliche Chance hat. Aber wie jedes Genre hat auch der Heimatfilm seine Ausnahmen. Eine davon ist Joseph Vilsmaiers epochales Meisterwerk "Schlafes Bruder", der einen so schnell nicht wieder loslässt!
"Schlafes Bruder" ist die Verfilmung des gleichnamigen Erfolgsroman von Robert Schneider der auch das Drehbuch verfasste. Es ist die Geschichte des genialen Musikers Elias, der am Anfang des 19. Jahrhunderts in einem tiefchristlichen Alpendorf aufwächst. Da er ein uneheliches Kind ist, wird er von allen nur schräg angeschaut und verachtet. Außer vom homosexuellen Peter, der ebenfalls anders ist und seiner Schwester Elsbeth! Erst als Elias seine musikalische Gabe entdeckt, wird er geachtet.
Schneiders Roman umfasst die vielen Probleme die die Menschen, am Anfang des 19. Jahrhunderts, hatten, wenn sie "anders" waren. Dabei geht Schneider u.a. auf uneheliche Kinder, Homosexualität und behinderte Menschen ein! Er erzählt eine Geschichte die packt, schockiert und bewegt!
Joseph Vilsmaier packt diese Geschichte in unglaublich geniale Bilderkompositionen voll dem Schmerz der Menschheit vor der wunderschönen Natur. Eine unglaubliche Wucht an Bildern bietet er uns, die er in einer schier perfekten Kameraarbeit einfängt und wiedergibt.
Dabei packt er uns, bringt uns zum Nachdenken und zeigt die Missstände auf, die selbst heute noch in unserer Gesellschaft weilen, wenn auch nicht mehr in solcher Härte, wie damals.
Unterlegt wird die geniale Bilderflut mit einer schier überwältigenden Filmmusik, bestehend aus toller Orgelmusik und großartigen Chorgesängen. Ein Soundtrack der zum ungewöhnlichsten seiner Art gehört, aber wie die Faust aufs Auge passt.
Dazu ein Schauspielensemble der absoluten Spitzenklasse. André Eisermann spielt die Rolle des gepeinigten, wie genialen Musiker mit schier unglaublicher Intensität. Eine Leistung die mehr als nur einen Oscar wert wäre. Zudem Ben Becker, der hier als schwuler, eifersüchtiger Freund wohl seine beste Leistung seiner Karriere gibt und Dana Vávrová als Peters Schwester Elsbeth, die Geliebte von Elias! Alle legen hier eine Leistung aller erster Güte ab, die locker viele Hollywood-Leistungen in den Schatten stellt!
Fazit: Ein packendes, emotionales, schockierendes und dabei aber auch unglaublich schön anzusehendes Meisterwerk, welches einem so schnell nicht wieder loslässt! Eine ganz große Ausnahme im Filmeinerlei der letzten Jahre und vor allem im Genre Heimatfilm. Ein höchst anspruchsvolles Werk von elementarer Wucht, weit weg von alle dem was man als "Mainstream" bezeichnen würde und ein weiterer Beweis dafür, dass Deutschland auch mehr kann, als sinnlose Ballermann-Komödien oder dämliche Schnulzen abzuliefern!
"Schlafes Bruder" - ein filmisches Ausnahmewerk der Extraklasse!
Wertung: 9,5+/10