Die Story von „Armageddon“ zu kopieren und sie mit Knetgummi-Figuren zu besetzen, ist schon eine wagemutige Angelegenheit, da fällt es umso überraschender aus, wie unglaublich kurzweilig der Streifen daherkommt. Der überaus derbe Humor mit einigen Splatterszenen, Fick – und Fäkaleinlagen übertreibt es zwar manchmal, doch wenn auch nicht jeder Gag sitzt, so bietet die politische Unkorrektheit ein erfrischendes Erlebnis.
Welchen Weg das Geschehen in Sachen Humor einschlägt, verdeutlichen bereits die ersten Szenen, als ein Holzfäller von Nagern getötet und dessen Darmschlinge herausgezogen wird und andernorts ein Held den Hund eines Kindes vor der drohenden Lava rettet, dessen übrige Familienmitglieder jedoch hinein stößt.
Im Zentrum steht Harry Bottoms, der nicht nur rein äußerlich Bruce Willis nachempfunden und mit der Synchro von Manfred Lehmann ausgestattet wurde. Er und einige andere Helden treten eine Mission ins All an, um einen Planetoiden vom Kurs auf die Erde abzubringen.
Von der vagen Story, die einige Anspielungen und Parodien zu Filmen wie „Alien“, „Shaft“, „Twister“ oder „Apollo 13“ einbindet, sollte man rein gar nichts erwarten, außer dass sie die zahlreichen Gags irgendwie zusammenhält.
Das Spiel mit Klischees wird wunderbar auf die Spitze getrieben, nahezu jede Figur stellt eine Überzeichnung auf grotesker Ebene dar. Ob es der Reporter auf dem Lande ist, der ein ungewöhnliches Verhältnis zu einer Kuh hat, ein Wissenschaftler im Rollstuhl, der die Raumkapsel mal so eben leer fliegt oder der neue US-Präsident, ein Mexikaner, der sich während einer TV-Ansprache mit drei Trusen in der Wanne vergnügt. Und das sind wohlgemerkt nur einige Randfiguren.
Die Vielseitigkeit skurriler Ideen ebbt mit der Notlandung bei einem Franzosen und seiner käseförmigen Raumstation jedoch ein wenig ab. Verstärkt kommen Pups- und Kacka Witzchen ins Spiel und wenn einer der Crew auf eine elektronisch gesteuerte Toilette geht, ahnt man bereits, womit das enden wird.
Dennoch kommt der derbe Humor auf anderer Ebene immer wieder durch, wie bei der Veranstaltung „Miss Teen Bulimie“ oder dem schwulen Roboter, der eine Bohrspitze klaut.
Nebenher sorgen diverse Anzüglichkeiten („…kannst mal meinen Kasper da unten zum Kotzen bringen…“) oder unglückliche Aufeinandertreffen (oft werden Passanten von Fahrzeugen geplättet) für Schmunzler, die Gagdichte ist enorm hoch, das Erzähltempo annähernd atemlos.
An die Umsetzung mit der Stop-Motion-Technik muss man sich allerdings erst einige Zeit eingewöhnen, da die Bewegungen doch ein wenig ruckelig wirken und den Gesichtern ab und an ein wenig Mimik fehlt. Dafür sind die wenigen Computereffekte durchaus gelungen, die für Lava, Explosionen, Tornado oder Darstellung des Alls zuständig sind und auch die sonstige Ausstattung lässt im Hintergrund oft kleine Details erscheinen.
Und diese geht über Unterbringung der Jungs von „Motley Crue“ als Claymation-Figuren deutlich hinaus.
Turbulent geht es also von der ersten Minute an zur Sache, sogar der Abspann versorgt den Betrachter noch mit Outtakes und fröhlichen Bildern der Filmcrew.
Selbst wenn etwas angestaubte Gags, wie der Funkverkehr mit Personen wie Dallas, Washington und Houston seit der „Unglaublichen Reise in einem verrückten…“ nicht mehr so richtig zünden, ist man doch bemüht, mindestens alle 40 Sekunden mit einer lustigen Idee zu punkten, selbstironisch gibt man sich zudem auch noch („wir haben jetzt keine Zeit für Rückblenden“), nur die Verdauungswitzchen ermüden nach einiger Zeit.
Also sollte man diesen Film definitiv von Kindern fern halten, auch wenn das fröhliche Cover etwas anderes suggerieren mag. Denn die könnten, wenn sie nicht noch mittendrin stecken, ganz schnell wieder in die anale Phase zurückfallen. Alle anderen, die für freche Einfälle und amüsante Peinlichkeiten zu begeistern sind, sollten einen Blick riskieren und sich auf ein Armageddon der etwas anderen Art gefasst machen.
7 von 10