Review

Wir müssen ja nicht immer unseren Intellekt schärfen, wenn wir ins Kino gehen – manchmal ist „good, clean fun“ auch mal was Feines und das Prädikat „hirnlos“ muß nicht zwangsläufig mit dabei sein.
Wenn sich dann bankable Hollywoodstars wie Brad Pitt und Angelina Jolie für so ein Werk paaren (soweit zu lesen war, ist das in doppeltem Sinne lesbar), dann wird daraus entweder ein Flop oder ein Kassenrenner.

In diesem Fall ist es letzteres und ich gehe mal soweit zu behaupten, daß es in diesem einen Fall recht förderlich war, daß sich die Stars wohl ganz anziehend fanden, denn wenn etwas stimmt in „Mr. And Mrs. Smith“, dann ist es die Chemie der Hauptdarsteller, die wirklich prachtvoll miteinander harmonieren.

Weitere Qualität gewinnt der Film mittels der kompetenten Regie Doug Limans, der schon in „Die Bourne Identität“ Action geschickt mit einer brauchbaren Geschichte und nachvollziehbaren Charakteren zu verbinden wußte.
Action gibt es in diesem Film auch bisweilen und dann auch recht heftig, aber es gibt keine „Showstopper“, wenn mal nicht geballert wird. Stattdessen kann man gerade den Dialogsequenzen durchaus Genußvolles abgewinnen.
Gerade in der ersten Hälfte dominieren die Dialoge, wenn sich viel Zeit gelassen wird, Figuren und Plot zu etablieren. Die Vorstellung der scheinbar eingeschlafenen Ehepartner erinnert stark an die Harry-und-Sally-Interviews oder Psychiatersitzungen, wie sie auch Woody Allen gefallen hätten.
Wer sich vorher über Inhalte informiert hat, für den gibt es natürlich aus der Grundsituation heraus keine Überraschungen mehr, sondern der muß warten, bis die beiden für unterschiedliche Organisationen arbeitenden Profikiller endlich aufeinander losgehen.

Wenn es dann aber soweit ist, fängt der Film an, aus seinem bisher wunderbar spröden Humor Funken zu schlagen. Das gegenseitige Belauern beim Essen ist eine Meisterleistung an augenzwinkerndem Suspense, fast unwichtig, was dabei an Dialog folgt. Und die darauf folgende Destruktionsorgie, bei dem das halbe Haus zerstört wird, ist so schön überspannt, daß es eine wahre Freude ist.
Im bester Screwball-Manier gibt es dann noch ein charmantes Tanzduell, in dem sich die beiden mit gegenseitigen Mordversuchen zu übertrumpfen versuchen.

Natürlich geht die Schärfe des Skripts in dem Moment verloren, als sie sich gegen ihre Auftraggeber vereinen, dann gewinnt nämlich die Action die Überhand. Mehrere Feuergefechte und eine solide Autoverfolgungsjagd (von Liman typisch abfotografiert) halten den Zuschauer auf Trapp und sind mit einer schier endlosen Reihe von One-Linern gespickt.
Der Showdown am Schluß läßt sogar Erinnerungen an Butch und Sundance aufkommen.
Trotzdem fehlt dem Film etwas Elementares: er ist so auf seine Hauptfiguren fokussiert, daß es ihm an einer patenten Gegenseite gebricht. Die federführenden Organisationen sind komplett gesichtslos, weder sieht man Chefs, noch Auftraggeber, nur haufenweise nicht näher definiertes Opfermaterial zum Abschießen.
Auch mangelt es an einer eindeutigen Auflösung, denn nachdem man sich am Ende freigeschossen hat, endet der Film so plötzlich, als wäre niemandem was Besseres eingefallen. Niemand kann sagen, warum die Smiths plötzlich sicher sein sollten oder wie sie sich ihre Sicherheit erkauft haben, daß sie immer noch zum Psychiater gehen können.

Dem Zuschauer bleibt es also überlassen, sich jeweils an einen der Protagonisten zu hängen und einfach mitzumachen, was zwar über weite Teile des Films Spaß bringt, am Ende den Film jedoch zu einer hohlen Phrase herabsetzt, die man über Mono- und Dialoge bis dato fast hätte übersehen können. Erfreulich, daß die Ermüdungserscheinungen über das Stretching der Grundidee sich in Grenzen halten.
Aber auch das könnte an der geschickt ausgespielten erotischen Komponente liegen, die das Publikum gleichzeitig auf Linie bringen und in zwei Lager spalten.

Mit ein bißchen mehr Mühe hätte „Mr. And Mrs. Smith“ mehr werden können, als ein eleganter Spaßfilm, nämlich etwas Erinnerungswürdiges, aber dazu haben die Autoren es nicht mehr geschafft.
Man kann jetzt fragen, wer braucht das?
Ich sage immer: wenn man es bemerkt, braucht man es auch! (7/10)

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