Beruhend auf Gottfried Kellers 1874 veröffentlichter und schon oftmals interpretierter Geschichte drehte Regisseur Helmut Käutner 1940 diese Tragikomödie mit deutschsprachiger Star-Besetzung, die sowohl nach 1921 den zweiten Versuch einer Verfilmung dieses literarischen Stoffes darstellt wie auch Käutners erste Zusammenarbeit mit Rühmann symbolisiert. Noch zwei weitere Male sollte sich das Erfolgsduo für Projekte zusammentun, die nicht minder beachtenswert sind ( Der Hauptmann von Köpenick ( 1956 ) und Das Haus von Montevideo ( 1963 ) ).
Der Film bietet neben einer wirklich tollen Figurenzeichnung seiner Protagonisten auch eine gehörige Portion Detailverliebtheit, was man bei der Ausstattung jederzeit sehen kann, und Gesellschaftskritik ( letzteres ist sicherlich der Vorlage geschuldet, aber es ist sehr toll, dass man sich anscheinend in dieser Beziehung nicht allzu sehr vom Buch entfernt hat ). Die Kamera fängt manchmal Bilder ein, die mich begeistert zurückgelassen haben. So gibt es zum Beispiel zu Beginn des Films eine Szene, wo ich mir so sehr gewünscht habe diese in Farbe sehen zu können,da sie dadurch höchstwahrscheinlich nochmals beeindruckender gewirkt hätte (
[SPOILER/ANFANG:
als in Wenzels Traum er sich plötzlich in einen hochgeachteten Herrn verwandelt und man ihn nur von hinten in Anzug und Zylinder sieht, wie er langsam die Stufen einer breiten Treppe herabsteigt und unten in einer großen Eingangshalle bereits zu beiden Seiten Personen auf ihn warten, welche sich bei seiner Ankunft verneigen - zusätzlich sieht man im Hintergrund bzw. im Vordergrund vor dem heruntergehenden Wenzel eine sich öffnende Doppeltür die einen endlos erscheinenden Garten mit einer Baumallee zeigt
ENDE/SPOILER]
). Aber auch in schwarz/weiß hat sie noch genügend Zauber ausgestrahlt um nachzuwirken.
Die Schauspieler sind hervorragend, doch besonders muss ich Rühmann und Odemar hervorheben, bei denen es immer eine Freude ist, wenn sie im Bild erscheinen. Über weite Strecken lustig, aber oft auch zum Nachdenken anregend. Ein Film der mit seiner Aussage durchaus auch heute noch aktuell ist bzw. sein kann. Übrigens gibt es kurz vor Ende bei der Demaskierung und öffentlichen Vorführung Wenzels eine längere Sequenz die den Film kurzzeitig in das Horrorgenre abrutschen lässt. Der Maskenball ist auf eine Art und Weise inszeniert die einem als Zuschauer stetes Unbehagen hervorruft und ich bin doch etwas froh, dass man die Kameraeinstellung nicht auch noch bei einigen Einstellungen direkt aus Wenzels Perspektive gezeigt hat. In diesen Momenten wird einem nochmals deutlich bewusst, dass Kellers Geschichte und Käutners Verfilmung sich ganz eindeutig der Tradition alter Märchen und Geschichten verschreibt, da auch bei diesen sehr oft mindestens einmal eine schauderhafte Schilderung oder Zeichnung enthalten war, die belehrend aber gleichzeitig auch äußerst verstörend daherkam und Kindern das fürchten lehrte ( Grimms Märchen oder Der Suppenkasper und andere Erzählungen seien hier stellvertretend genannt ).
Eine klare Empfehlung.
08/10